Durch den Wind

Zum zweiten Mal hintereinander halten die Sonnenschirme von Stadtrat Leutenegger den Böen nicht stand.

Sonnensegel Münsterhof: Kaum oben, schon wieder unten. Foto: Barbara Schmid-Federer

Sonnensegel Münsterhof: Kaum oben, schon wieder unten. Foto: Barbara Schmid-Federer

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Warum tut er das? Filippo Leutenegger stellt Sonnenschirme auf wie noch kein Stadtrat vor ihm, versprechend, sie würden jedem Wind trotzen. Das tun sie aber nicht: Die Schirme auf dem Sechseläutenplatz (Leutenegger: halten bis 60 km/h) kippten beim ersten Hauch, und von den wenig später aufgespannten Sonnensegeln über dem Münsterhof (Leutenegger: halten bis 95 km/h) riss eines am Freitagabend bei der ersten Böe. Jetzt fragt sich die Stadt: Warum exponiert sich der FDP-Stadtrat mit Sonnenschirmen, wo er doch offensichtlich von Schirmen und Winden wenig versteht?

Die naheliegende Vermutung bei Politikern ist immer die Wählergunst. Doch gibt es in Zürich nicht so viele Schirmmacher und Blachenhersteller, dass sie Leutenegger zum Stadtpräsidenten befördern könnten. Der Grund liegt wohl tiefer: Leutenegger verspürt den unbändigen Wunsch, Zürichs Schirmherr zu werden – und nimmt jetzt das Wort allzu wörtlich. Oder er möchte als der Schattenspender von Zürich in die Geschichte eingehen – eine Ehre, die noch vakant ist.

Dabei unterliegt er einem Grund­lagenirrtum: Ein Stadtrat hat nicht für Schatten zu sorgen, sondern für Transparenz. Er muss Lichtgestalt sein, nicht Schattenmann. Dies gilt derzeit in besonderem Mass für den Vorsteher des Tiefbau-und Entsorgungsdepartementes – also Filippo Leutenegger –, ist doch das ihm unterstellte Entsorgungs- und Recyclingamt (ERZ) mit seinen eigenwilligen Verrechnungsmethoden eine einzige, riesige Dunkelkammer.

Was beschattet Leutenegger als Nächstes?

Die Sonnensegel vom Münsterhof seien seine zweite Chance, sagte Leuten­egger nach dem Debakel vom Sechseläutenplatz – die zweite Chance für seine Glaubwürdigkeit als Schattenmacher. Doch auch diese Chance ist nun vertan, und es stellt sich in Zürich auch noch die beklemmende Frage: Wie sieht wohl die dritte Chance aus? Was beschattet Leutenegger als Nächstes? Oder anders gefragt: Wer vermag diesen Schirm-Furor zu stoppen?

Die Stadtpräsidentin? Sicher nicht. Ihr passt, wenn sich ihr Konkurrent ums Stadtpräsidium in aller Öffentlichkeit in Segelleinen verheddert. Man kann wohl bloss auf die Gnade des Herbstes hoffen, der nicht nur dem schirmversessenen FDP-Stadtrat, sondern auch den Zürcherinnen und Zürchern wieder klarmacht, dass die schönsten Plätze die weiten sind und nicht die schattigsten.

Immerhin haben die Zürcher Schirmereignisse eine Erkenntnis gebracht. Wenn nach den Wahlen vom 4. März 2018 die Ämter neu verteilt werden, darf Filippo Leutenegger auf keinen Fall in die Industriellen Betriebe wechseln. Dort ist das EWZ angesiedelt, das Unsummen in Windkraftwerke investiert. So eine Turbine hält Windgeschwindigkeiten bis 125 km/h aus, würde Leutenegger versichern . . . (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2017, 22:00 Uhr

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