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«Durch Drogenhandel verdient man mit sehr wenig Arbeit sehr viel Geld»

Experte Elmar Habermeyer hält den materiellen Anreiz für zentral – aber nicht nur.

Ein Mann konsumiert am Kokain in einer Privatwohnung in Zürich. Bild: Keystone/Martin Ruetschi
Ein Mann konsumiert am Kokain in einer Privatwohnung in Zürich. Bild: Keystone/Martin Ruetschi

Nach jedem Gefängnisaufenthalt war Reinhard Lutz gewillt, sein Leben zu ändern. Doch kaum draussen, konnte er das Dealen mit Drogen nicht lassen. Weshalb?

Zum erwähnten Delinquenten kann ich nichts sagen. Allgemein verdient man aber durch Drogenhandel mit sehr wenig Arbeit sehr viel Geld. Das ist für gewisse Leute reizvoll, dazu kommt das Setting unter anderem mit Reisen und Kontakten zum Milieu. Wenn jemand mit einer solchen Vorgeschichte nach Jahren aus dem Gefängnis kommt, dann ist der Empfangsraum im Vergleich zum früheren Leben relativ trist. Dann werden schnell Milieukontakte aktiviert. Allein das Setting hat seinen Anreiz.

Haben diese Menschen eine Gemeinsamkeit?

Es sind oft Menschen, die im Augenblick leben. Sie formulieren Vorsätze, dass sie zum Beispiel nie wieder straffällig werden, aus dem Augenblick heraus. Leider gehen diese Vorsätze dann auch aus dem Augenblick heraus schnell wieder vergessen.

Gewöhnt man sich an ein Leben als Drogendealer?

Wenn man keinen moralischen Kompass besitzt, ist dieser «Beruf» sehr reizvoll. Flotte Autos, schöne Frauen, immer ist etwas los. Langweilig wird es einem nicht im Milieu, das auf diese Menschen eine Sogwirkung hat.

Sie meinen, solche Menschen sind süchtig nach dem Milieu und nicht nach Drogen?

Diejenigen, die wirtschaftlich erfolgreich mit Drogen handeln, konsumieren gelegentlich, sind aber selten abhängig. Schliesslich erfordern ihre Geschäfte ein strategisches Vorgehen. Dieses können abhängige Menschen, die ihr Leben dem Konsum unterordnen, aber nicht mehr aufbringen.

Wie ist die Persönlichkeit solcher Menschen strukturiert?

In der Regel besteht eine schwache Bindung an Normen, gepaart mit einem Reizhunger. Oft besteht auch eine Tendenz dazu, das eigene Handeln nach dem Motto «Ich schade ja niemandem, sondern bediene nur eine bestehende Nachfrage» zu rechtfertigen. Das Unrechtsbewusstsein ist in solchen Konstellationen sehr gering, was ebenfalls dazu beitragen kann, dass man schnell ins alte Fahrwasser gerät.

Sind Menschen, die ihr halbes Leben im Gefängnis verbracht haben, überfordert mit dem Leben ausserhalb der Mauern?

Es gibt zwar Leute, die nach langer Haft draussen überfordert sind, weil sie sich an die Strukturen im Gefängnis gewöhnt haben. Das sind aber eher die seltenen Fälle. Wenn jemand immer wieder im grossen Stil mit Drogen handelt, ist das aber ein anderer Mechanismus, denn diese Menschen delinquieren nicht aus einer Überforderung oder Hilflosigkeit heraus, sondern wegen der materiellen und milieubedingten Anreize.

Legt sich das im Alter?

In der Regel legt sich das ab 40 bis 50 Jahren. Aber natürlich gibt es auch Leute, die noch im hohen Alter – sowohl im Guten als auch im Schlechten – sehr munter unterwegs sind.

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