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Dutzende übernachteten im Hauptbahnhof

Bahn, Polizei und Sanität hatten während der Street-Parade viel zu tun: Dutzende wurden verhaftet, Hunderte verarztet. Die SBB wurden von einer frühen Rückreisewelle überrascht.

Tanzen auch bei Wind und Regen: Raver an der Party am Bellevue.
Tanzen auch bei Wind und Regen: Raver an der Party am Bellevue.
Screenshot einplus.de
Auflegen bei aufziehendem Sturm? Ein Street-Parade-DJ am Bellevue.
Auflegen bei aufziehendem Sturm? Ein Street-Parade-DJ am Bellevue.
Screenshot einplus.de
Love, Peace, Happiness: Aufwachen nach der Nacht auf dem Parkplatz. (2. August 2014)
Love, Peace, Happiness: Aufwachen nach der Nacht auf dem Parkplatz. (2. August 2014)
Mirjam Fuchs
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Rund 950'000 Personen haben am Samstag in Zürich an der 23. Street-Parade teilgenommen. Sicherheits- und Rettungskräfte hatten alle Hände voll zu tun, ziehen aber eine positive Bilanz. Auch die Veranstalter sind zufrieden. Die letzten Tanzwütigen schleppten sich verkatert nach Hause.

Über die Kornhausbrücke vom Limmatplatz in den Kreis 6 schleppt sich einer nur in Shorts und Turnschuhen heimwärts. Schwer sind Rucksäcklein, Füsse und Augenlider. An der Tramhaltestelle Limmatplatz hängt einer mit dem Oberkörper über den Perronrand, lallt und macht Grimassen. Passanten sammeln ihn auf, bevor das Tram einfährt.

Tonnenweise Abfall

Im Hauptbahnhof schlafen die Letzten noch. Stundenlang haben sie getanzt, gefeiert und getrunken. Für sie ist jetzt Ruhe angesagt. Hochbetrieb haben jetzt die Putzequipen. Tonnenweise liegt der Abfall in den Strassen.

Um 13 Uhr am Samstag wurden die Lautsprecher aufgedreht. Ab 14 Uhr bewegten sich die rund 30 Love-Mobiles unter dröhnender Musik im Schritttempo vom Seefeld am rechten Zürichseeufer via Bellevue und Bürkliplatz zum Hafen Enge auf der gegenüberliegenden Seeseite. Unterstützt wurden sie von sechs fest installierten Bühnen entlang der Umzugsroute.

Um 22 Uhr fuhr das letzte Love-Mobile im Ziel ein. Um 24 Uhr war auch auf den Bühnen Schluss. Die Unermüdlichen konnten an Partys in vielen Clubs weitertanzen. Weil kurz vor Ende des Umzugs Regen aufgekommen war, waren die Lokale zum Bersten voll.

Raver mit Herz

Die diesjährige Street-Parade stand unter dem Motto «Enjoy the Dancefloor – and save it». Die Teilnehmenden sollen die Veranstaltung friedlich und fröhlich geniessen – und sie schützen mit anständigem, rücksichtsvollem, tolerantem und überlegtem Verhalten. Dementsprechend «zelebrierten sie Lebensfreude», so die zufriedenen Veranstalter.

Dass die Raver ein Herz für Tiere hatten, bewiesen sie bei der Vogelvolière am Mythenquai, wo der Schlupftermin von seltenen Kronentokos anstand. Laut Volièren-Präsidentin Elisabeth Kehl schalteten die Love-Mobiles tatsächlich vor der Volière die Lautsprecher ab. Die Raver hätten sogar «Happy Birthday» gesungen. Ob die Kleinen da sind, konnte Kehl nicht sicher sagen. Das Nest ist eingemauert und nicht einsehbar.

Rettungskräfte können früher heim

Schutz & Rettung Zürich setzte ein Grossaufgebot von 430 Personen ein, ein Vielfaches der üblichen 110 Personen für die tägliche Grundversorgung. An den sieben Sanitätsposten entlang der Umzugsroute und in der Patientensammelstelle wurden insgesamt 677 Personen behandelt, deutlich weniger als bei der letztjährigen Street-Parade (921). Und verschwindend wenig angesichts der 950'000 Besucher.

Mit 284 Fällen am häufigsten gab es Schnittverletzungen an den Füssen zu behandeln. 224 Patienten wurden stockbetrunken zu den Sanitätern gebracht, 74 waren vermutlich mit Drogen vollgedröhnt. 75 Personen mussten mit schwereren Verletzungen in Spitäler gebracht werden. Weil es so wenig Patienten hatte, konnten laut S&R-Mitteilung einige Sanitätsposten schon deutlich vor Mitternacht schliessen.

Viel Arbeit für Polizei und SBB

Viel zu tun hatten Stadt- und Kantonspolizei. Die Stadtpolizei wurde zu diversen Schlägereien und heftigen Auseinandersetzungen gerufen, wie sie am Sonntag mitteilte. Sie stellte rund 300 Ecstasytabletten und verschiedene andere Drogen sicher. Insgesamt 32 Personen wurden wegen verschiedener Delikte festgenommen, 15 Personen in die zentrale Ausnüchterungsstelle eingewiesen.

Die Kantonspolizei, die für die Ordnung und Sicherheit im Hauptbahnhof zuständig ist, nahm dort 25 Personen fest. Sie beschlagnahmte ebenfalls eine Vielzahl verschiedenster Drogen sowie einige Waffen.

Bei Kontrollen im Uetlibergtunnel der A 3 erwischte die Kantonspolizei vier Blaufahrer und sieben Automobilisten, die unter Drogeneinfluss am Steuer sassen. Sie alle waren ihren Fahrausweis auf der Stelle los.

SBB überrascht von Früh-Heimkehrern

Der Hauptbahnhof war wie bei jedem Grossanlass ein Hotspot. Hunderttausende kamen dort an und/oder reisten von dort ab. Laut SBB-Sprecher Christian Ginsig klappte weitgehend alles.

Überrascht wurden die SBB von einer ersten Rückreisewelle bereits gegen 21 Uhr. Zu dieser Zeit standen die eingeplanten Extrazüge noch nicht zur Verfügung. Die Raver fuhren deshalb mit den normalen Fernverkehrszügen, die entsprechend rappelvoll waren.

SDA/mw

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