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Dynamo stösst an seine Grenzen

Das Jugendkulturhaus ist in 30 Jahren seit der Eröffnung stark gewachsen. Aber nicht genug: Es braucht mehr Raum für junge Leute.

Stine Wetzel
Grösser geworden, aber nicht genügend gross: Das Jugendkulturhaus Dynamo an der Limmat.
Grösser geworden, aber nicht genügend gross: Das Jugendkulturhaus Dynamo an der Limmat.
Ennio Leanza, Keystone

«Raum ist angesichts von Verdichtung in Zürich eine zentrale Frage – die zentralste Frage, wenn es um junge Leute geht», sagt Daniel Hilfiker, Leiter des Jugendkulturhauses Dynamo, zum «Tagblatt der Stadt Zürich». Der 56-Jährige sitzt auf dem Balkon unter dem Sonnenschirm, seinem Lieblingsplatz im Jugendkulturhaus. Mittagspause, Gemurmel und Geschirrgeklapper von der «Chuchi am Wasser». An solch einem Ort bleibe man wohl jünger als sonst wo, sagt Daniel Hilfiker und weist auf «die vielen jungen Leute, die was tun wollen».

Hilfiker hat 2001 die Co-Leitung, 2003 die Gesamtleitung des Dynamo übernommen. Seither war er so einiges: Jugendarbeiter, Manager, Baubegleiter und Mitentwickler von Projekten wie der Raumbörse. «Wir haben es heute mit einer Jugendgeneration zu tun, die sehr konstruktiv unterwegs ist, mit einer Jugend, die sich um Nachhaltigkeit kümmert, um Ökologie, mit einer Jugend, die politisch teilhaben will und neue Arbeitsformen mitgestaltet.»

Dynamo ist konstant gewachsen

1988 wurde das Jugendkulturhaus an der Limmat vom Jugendamt der Stadt Zürich eröffnet. Hier sollten Jugend- und Subkultur Platz haben. In den 1990er-Jahren kamen zu den Räumen das Grafikatelier, die Metallwerkstatt und das Restaurant – ursprünglich als Arbeitsintegrationsprojekte – dazu, Jahre später auch eine Textil- und Schmuckwerkstatt und der Musikclub Werk 21. Heute ist das Jugendkulturhaus der Abteilung Soziale Dienste der Stadt Zürich angegliedert und feiert sein 30-Jahr-Jubiläum.

Hindernisse auf dem Weg zum Jugendhaus: Skateboarder beim Hausfest 1977 auf dem Drahtschmidli-Areal.
Hindernisse auf dem Weg zum Jugendhaus: Skateboarder beim Hausfest 1977 auf dem Drahtschmidli-Areal.
Schweizerisches Sozialarchiv
Immer Ärger mit den Jugend: Auch in der Villa Schindlergut ging es damals nicht gut zwischen der Stadt und den Jugendlichen. Aufräumarbeiten nach Schliessung der Villa.
Immer Ärger mit den Jugend: Auch in der Villa Schindlergut ging es damals nicht gut zwischen der Stadt und den Jugendlichen. Aufräumarbeiten nach Schliessung der Villa.
Schweizerisches Sozialarchiv
Schönes altes Jugendhais: Das Drahtschmidli aufgenommen im Mai 1979.
Schönes altes Jugendhais: Das Drahtschmidli aufgenommen im Mai 1979.
Keystone
Klotzen für die Jugend, ein Klotz für die Jugend: Projektmodell für den Neubau auf dem Drahtschmidli-Areal
Klotzen für die Jugend, ein Klotz für die Jugend: Projektmodell für den Neubau auf dem Drahtschmidli-Areal
Schweizerisches Sozialarchiv
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«Die Jugendkultur ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in unserer Stadt und wird dementsprechend gefördert und unterstützt, sei es durch eigene Angebote wie das Jugendkulturhaus Dynamo oder durch die finanzielle Unterstützung privater Anbieter in diesem Bereich», sagt Stadtrat Raphael Golta. Auch Dynamo-Leiter Hilfiker ist überzeugt, dass Jugendliche und junge Erwachsene einen Raum brauchen, «um ihre Kultur auszuprobieren, sie auszuleben, und zwar zu erschwinglichen Preisen».

Seit er anfing, ist das Dynamo nur eines: gewachsen. Der Leiter verzeichnet Besucherzahlen von 240'000 Personen im Jahr. Die Hälfte sind Gäste im Restaurant. 60'000 bis 70'000 Besucher kommen an die Veranstaltungen im Jugendkulturhaus, der Rest besucht die Kurse, nutzt die Sitzungszimmer. Zwei Drittel der Dynamo-Gänger sind unter 28 Jahre alt – wie es das Konzept will.

Raum ist in Zürich knapp

Doch der Raum ist knapp. «Wir haben ein sehr volles Programm. Räumlich stösst das Dynamo an seiner Kapazitätsgrenze.» Hilfiker bereitet der Dichtestress Sorgen. «Der Druck auf den öffentlichen Raum wird immer grösser, doch Jugendkultur kann nicht nur im Dynamo stattfinden.»

«Der Druck auf den öffentlichen Raum wird immer grösser, doch Jugendkultur kann nicht nur im Dynamo stattfinden.»

Daniel Hilfiker, Leiter Jugendkulturhaus Dynamo

Momentan gebe es noch einige wenige nicht kommerzielle Leerstellen in der Stadt Orte, die nicht von Institutionen vordefiniert sind, und an denen Zwischennutzungen möglich sind wie das Projekte Park Platz neben dem alten Bahnhof Letten. «Wenn ich mir die Entwicklung der Bodenpreise angucke, werden diese entlastenden Projekte aber irgendwann verschwunden sein», meint Hilfiker.

Golta setzt aus Zwischennutzungen

Im Dynamo ist kaum noch Luft. Das Hauptgebäude wurde vor drei Jahren für 14 Millionen Franken renoviert, das Optimum herausgeholt. Auch Stadtrat Raphael Golta ist sich des Problems bewusst: «Gerade die Jugendlichen brauchen Räume, in denen sie ihre eigene Kultur ausleben können. Diesen Raum in einer wachsenden Stadt bereitzustellen, war und bleibt eine grosse Herausforderung.» Er ist dennoch zuversichtlich: «Ich bin mir sicher, dass wir es, zum Beispiel durch geschickte Zwischennutzungen, auch in Zukunft schaffen werden, attraktive Angebote und Nischen für die Jugend bereitzustellen.»

Am 22. September wird das 30-Jahr-Jubiläum des Dynamo von 14 bis 23 Uhr gefeiert. Auf der Bühne stehen unter anderem Romano und Dirty Slips.

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