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Eigentlich sollte die SVP den linksgrünen Stadtrat loben

Das Bundesasylzentrum hilft der Stadt Zürich und den Asylsuchenden.

So sieht das Gebiet heute aus.
So sieht das Gebiet heute aus.
Sophie Stieger
Im Hintergrund die Kunsthochschule oder...
Im Hintergrund die Kunsthochschule oder...
Sabina Bobst
Während des Aufenthalts im Asylzentrum können die Asylsuchenden Sprachkurse besuchen: Blick in das Asylzentrum Juch. (2014)
Während des Aufenthalts im Asylzentrum können die Asylsuchenden Sprachkurse besuchen: Blick in das Asylzentrum Juch. (2014)
Steffen Schmidt, Keystone
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Für einmal macht der Stadtrat genau das, was die SVP will: Geld sparen, etwa eine Million Franken, und dies Jahr für Jahr. Das Bundesasylzentrum, das die Stadt Zürich auf dem Duttweiler-Areal in Zürich West bauen will, kostet sie 24,5 Millionen Franken. Über diesen Kredit wird am 24. September abgestimmt. Doch am Ende kommt der Bau für die Stadtzürcher gratis. Denn der Bund wird mit der Miete, die er für die Benutzung der Anlage abliefert, alle Ausgaben decken.

Und dabei bleibt es nicht. 360 Menschen sollen das Bundesasylzentrum bewohnen. Für ihre Versorgung kommt ebenfalls der Bund auf. Trotzdem werden sie dem Kontingent der Asylsuchenden angerechnet, für welche die Stadt Zürich sorgen muss. Dadurch spart sie deren Unterhaltskosten. Das entspricht etwa einer Million Franken pro Jahr. Ein gutes Geschäft also.

Trotzdem lehnt die SVP die Vorlage als einzige Partei ab. Ihr Hauptargument lautet: die Lage. Solche Grosszentren, welche die Asylverfahren beschleunigen sollen, gehörten nicht in die Stadt, man müsse sie hinaus aufs Land verbannen. Dort würden die «Asylanten» weniger Leute gefährden, dort könnten sie weniger gut untertauchen. Auch der Wohnraum sei dort billiger.

Das Argument geht nicht auf

Das Dumme ist: Am Wunsch nach einer peripheren Lösung haben die Parteikollegen aus der Peripherie gar keine Freude. Eröffnen Asylzentren in Landgemeinden, kommt es dort oft zu Protesten, mit dabei stets die SVP. Die Dorfbewohner sagen dann: «Wir verkraften das nicht. Wir sind zu klein.» Würden alle so denken wie SVP-Vertreter von Stadt und Land, könnte man nirgends Bundesaylzentren aufstellen. Dabei haben an der Urne zwei Drittel der Schweizerinnen für deren Einführung gestimmt.

Auch das Argument, dass die neue Anlage Wohnraum vernichten werde, geht nicht auf. Die Stadt muss die 360 Asylsuchenden so oder so unterbringen. Wenn das Duttweiler-Zentrum scheitert, wird sie anderswo eine Unterkunft für diese finden müssen. Man könnte das Grundstück auch nicht alternativ mit Wohnungen überbauen. Der Zonenplan sieht es für öffentliche Nutzungen vor. Damit bringt das neue Zentrum – wenn schon – eine minimale Entlastung in den Wohnungsmarkt.

Asylpolitik ein bisschen menschlicher machen

Hinter der SVP-Position steht der Wunsch, die Asylsuchenden, die man als potenzielle Gefahr ansieht, möglichst fernzuhalten von den Einheimischen. Ein solches Abschotten entspricht nicht dem Geist einer Stadt, die zu allen Migrationsvorlagen immer deutlich ja sagt.

Zürich besteht zu einer grossen Mehrheit aus Zuzügern. Menschen aus der Agglomeration, aus anderen Kantonen und anderen Ländern prägen das Stadtleben. Es passt also, dass die Stadt Flüchtlinge freundlich aufnimmt, dass sie sich bemüht, ihren (oft kurzen) Aufenthalt angenehm zu gestalten, statt sie hinter Zäunen wegzusperren. Es passt auch, dass das linksgrüne Zürich den Anspruch hat, die Asylpolitik auf eigenem Boden ein wenig menschlicher zu machen.

Mit dem Duttweiler-Zentrum kann sich Zürich als offene Stadt bewähren. Und damit erst noch Geld sparen. Das ist eine seltene Kombination, zu der man nicht Nein sagen kann.

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