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Ein Aufpasser für die Mieter

200 Jugendliche und junge Erwachsene leben in einer Siedlung mitten im Kreis 4. Weil sie zu viel Party machten, setzen die Vermieter nun Security-Personal ein.

Party, bis die Security kommt: Weil die jungen Mieter zu viel Lärm machen, müssen die Vermieter einschreiten.
Party, bis die Security kommt: Weil die jungen Mieter zu viel Lärm machen, müssen die Vermieter einschreiten.
Keystone

Lange, laue Sommerabende, bestandene Abschlussprüfungen, Ferien – für Jugendliche gibt es derzeit viele gute Gründe, zum Festen zusammenzukommen. Besonders ausgiebig scheinen sie derzeit in der Seebahnkolonie im Zürcher Kreis 4 Party zu machen. Dort hat der Verein Jugendwohnnetz (Juwo) Liegenschaften der Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals BEP zur Zwischennutzung erhalten, bevor die Gebäude voraussichtlich 2019 ersetzt werden.

200 junge Erwachsene wohnen in der Siedlung. Einige von ihnen treiben es offenbar so bunt, dass die Juwo aufgrund von Lärmklagen einschreiten muss. «Wir haben die Mieterinnen und Mieter Ende Juli schriftlich darüber informiert, dass wir voraussichtlich ab Mitte August während gewisser Zeitfenster Security-Leute einsetzen werden», sagt Juwo-Geschäftsführer Patrik Suter. Sobald sich die Lage wieder beruhigt habe, ende auch der Security-Einsatz. «Wir sind darauf bedacht, diese Massnahme nicht zu lange auszudehnen, weil wir die Kosten dafür allenfalls auf die Mieten überwälzen müssen.»

Günstig wohnen mitten in Zürich

Bevor der Verein Security-Personal damit beauftragte, an der Seebahnstrasse wieder für mehr Ruhe zu sorgen, haben gemäss Suter persönliche Gespräche mit den Mietern stattgefunden. Danach habe man eine schriftliche Mahnung verschickt. Sollte sich die Situation auch nach dem Security-Einsatz nicht bessern, droht den fehlbaren Mietern im schlimmsten Fall eine Kündigung. «Meist sehen die Bewohner allerdings ein, dass sie ihr Verhalten ändern müssen. Ihnen ist klar, dass es eine grosse Chance ist, mitten in Zürich zu solch günstigen Mietkonditionen zu wohnen.»

Die Bewohner leben zur Kostenmiete in den 3-Zimmer-Wohnungen der Siedlung und zahlen zwischen 900 und 1000 Franken monatlich. Damit wirklich nur jene mit kleinem Geldbeutel in den Genuss der niedrigen Mietzinsen kommen, dürfen die Bewohner monatlich nicht mehr als 2500 Franken verdienen und müssen zwischen 16 und 28 Jahre alt sein.

«Übernehmt Verantwortung für den Scheiss»

Dass es nun zu einem Security-Einsatz kommt, sorgt für Wirbel unter den Mietern der Seebahnkolonie. Der Ärger richtet hauptsächlich gegen jene, welche zu viel Lärm machen. «Seid doch dankbar, dass ihr so günstig hier wohnen könnt. Wer es nicht ist, soll Leine ziehen», schreibt eine Mieterin auf der Facebook-Seite der Siedlung. Eine andere ärgert sich über den «fehlenden Respekt gegenüber den Mitmenschen», und ein weiterer Mieter fordert die Lärmverursacher dazu auf, sich direkt bei der Juwo zu melden und «für den Scheiss» Verantwortung zu übernehmen.

Der Blockrandbau der Seebahnkolonie mit ihren Dachterrassen sei eben ein Sonderfall, sagt Suter: «Da dringt der Lärm auch auf den Innenhof und stört die Anwohner anderer Häuser. Diese haben sich nun bei der BEP gemeldet.» Die Juwo sei sehr stark darauf angewiesen, dass das Zusammenleben in den Liegenschaften gut klappe und sich alle an die Regeln halten, sagt Suter. «Nur so bekommen wir günstigen Wohnraum, den wir an junge Erwachsene vermieten können.» Es seien mehrheitlich Genossenschaften, Stiftungen, Erbgemeinschaften oder die Stadt Zürich selbst, die der Juwo Wohnungen zur Zwischennutzung überlassen. «Ab und zu auch Private, die verhindern möchten, dass ihre Liegenschaft besetzt wird.»

Das erste Mal alleine wohnen

2500 Jugendliche leben derzeit in einer der über 1000 Juwo-Wohnungen der Stadt. Die meisten von ihnen wohnen laut Suter zum ersten Mal alleine. «Viele wissen nicht, dass es fixe Ruhezeiten gibt, die es einzuhalten gilt. Deshalb instruieren wir alle neuen Bewohner bei der Vertragsunterzeichnung über die geltenden Hausregeln.» Die Mehrheit der derzeitigen Mieterinnen und Mieter halte sich an diese Regeln. «Was in der Seebahnsiedlung geschieht, ist die absolute Ausnahme.»

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