Ein Bahnwärter für Zürich-West

Bei der Fahrt der Güterzüge durch das Ausgehviertel unter der Hardbrücke kommt es öfters zu Problemen. Für eines davon hat die SP einen aussergewöhnlichen Lösungsvorschlag.

Stau unter der Hardbrücke: Ein Güterzug fährt durchs Ausgehviertel in Zürich-West.

Stau unter der Hardbrücke: Ein Güterzug fährt durchs Ausgehviertel in Zürich-West. Bild: Urs Jaudas / TA

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Knapp 40 Meter breit ist das Tor an der Zahnradstrasse bei der Hardbrücke, und es trennt das Wohnquartier von den Bahngleisen ab. Im Schnitt dreimal täglich passieren Güterzüge der Swissmill das Tor und zuckeln danach im Schritttempo am Prime Tower vorbei via Escher-Wyss-Platz zum riesigen Kornspeicher am Sihlquai – mitten durchs Zürcher Ausgehviertel.

Nun wird das Tor zu den Gleisen, das der Stadt gehört, zum Politikum. SP-Gemeinderat Urs Helfenstein hat einen Vorstoss mit kritischen Fragen zur Signalsteuerung und zu den Wartungskosten für diese Durchfahrt eingereicht. Bei der «hoch technologisierten Toranlage» komme es immer wieder zu Pannen, hat Helfenstein beobachtet, der ganz in der Nähe wohnt.

Immer wieder Reparaturen

So seien beim Tor «mit grosser Regelmässigkeit» Reparaturfahrzeuge anzutreffen, oft mit deutschen Kennzeichen. Der Bau der Anlage kostete seinen Schätzungen zufolge mehrere 100'000 Franken, und für die Wartung dürfte zusätzlich ein beträchtlicher fünfstelliger Betrag pro Jahr fällig werden.

Das müsse nicht sein, findet der SP-Politiker und regt statt der pannenreichen automatischen Lösung die Schaffung einer (Teilzeit-)Schranken- oder Bahnwärterstelle an.

«Einfache, niederschwellige Arbeit»

«Wie hoch wären die geschätzten Lohnkosten, wenn man statt der komplexen Steuerung einen Wärter oder eine Wärterin für die Öffnung/Schliessung des Tores einsetzen würde?», will er vom Stadtrat wissen. Zürich würde eine Wiedereinführung des einst reputablen Bahnwärter-Jobs gut anstehen, ist Helfenstein überzeugt. Dies vor allem auch im Zusammenhang mit dem umstrittenen Abriss des letzten Bahnwärterhäuschens 2014 in der Enge.

Tor des Anstosses: Hier kommt es laut SP-Gemeinderat Urs Helfenstein immer wieder zu Pannen (Bild: Urs Jaudas)

Zudem würde es sich um eine einfache niederschwellige Arbeit handeln. Die Nachfrage nach solchen Arbeiten steige, während das Angebot sinke. Allenfalls kämen auch Rangierarbeiter für die Öffnung und Schliessung des Tores infrage, die meistens zu zweit auf den Güterzügen mitfahren.

Die Forderung nach einem Bahnwärter töne auf den ersten Blick anachronistisch, sagt Helfenstein. Es sei ihm aber ernst: «Digitalisierung und Smart City haben ihre guten Seiten, aber nur wenn sie tatsächlich etwas nützen. Dies ist bei diesem teuren Tor nicht der Fall.»

Trambenützer klagen über Verspätungen

Die Kornlieferungen mitten durchs Zürcher Trendviertel sorgen auch sonst für Diskussionen. So haben sich in letzter Zeit mehrere ÖV-Benutzer bei der Stadt beschwert, weil Trams am Escher-Wyss-Platz wegen der Güterzüge nicht vorwärtskamen und sie anschliessend Anschlüsse im Hauptbahnhof verpassten.

Sie verlangen, dass die Fahrten der Güterzüge ausserhalb der Hauptreisezeiten am Morgen stattfinden sollen, wie aus einem Brief hervorgeht, der dem TA vorliegt. Die Dienstabteilung Verkehr im Sicherheitsdepartement von Karin Rykart (Grüne) habe das Problem erkannt, heisst es im Antwortschreiben. Die Abklärungen und allfällige Lösungen seien aber nicht ganz einfach, weshalb man die Betroffenen um etwas Geduld bittet.

«Versuchen das Bestmögliche»

Bei Swissmill weist man darauf hin, dass sich die Situation seit dem Umbau des Escher-Wyss-Platzes entschärft habe. «Wir versuchen das Bestmögliche, solche Verzögerungen im öffentlichen Verkehr zu vermeiden», sagt Matthias Staehelin, der Leiter Beschaffung/Behörden bei Swissmill. Die Güterzüge würden bereits nur zu bestimmten Stunden ausserhalb der Hauptverkehrszeiten verkehren. Dennoch könne es sein, dass es wie an anderen stark befahrenen Tramkreuzungen hin und wieder zu einer Verzögerung komme.

Den SP-Vorstoss für ein anderes Tor-Regime bei der Hardbrücke will Staehelin nicht weiter kommentieren und sagt nur: «Swissmill ist es ein Anliegen, dass die Zustellung gut funktioniert und es an den neuralgischen Punkten möglichst wenig Friktionen gibt.» Das Tor diene der Sicherheit, damit Passanten nicht aufs Gleisareal gelangen.

Erstellt: 10.12.2019, 14:40 Uhr

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