Zum Hauptinhalt springen

Ein bisschen Heimatschutz

Soll die Stadt Zürich die «Gammelhäuser» im Kreis 4 kaufen? Unbedingt.

Mittlerweile sind sie geräumt: Die «Gammelhäuser» an der Neufrankengasse (27. Dezember 2016). Foto: Raisa Durandi
Mittlerweile sind sie geräumt: Die «Gammelhäuser» an der Neufrankengasse (27. Dezember 2016). Foto: Raisa Durandi

Unter der rot-grünen Regierung ist Zürich zu dem geworden, was es heute ist: attraktiv, beliebt, lebenswert. Eine Stadt am See, der Studien die zweithöchste Lebensqualität weltweit zuschreiben. Und eine Stadt, in der sich das gute Leben an zentraler Lage immer weniger leisten können. Dies führt Wiedikon vor: Wer früher an der Weststrasse lebte, zahlte wenig, ertrug dafür Lärm und Abgase des Verkehrs. Die Schliessung der Stadtautobahn hat das Quartier belebt, aber auch verteuert. Menschen mit wenig Geld mussten wegziehen, reichere zogen hin.

Kaum an einem anderen Ort zeigt sich dieser Gegensatz so deutlich wie an der Neufrankengasse im Kreis 4. Wohlhabende leben und wirtschaften direkt am Bahngleis in neuschicken Büro- und Wohnhäusern; diese setzen fort, was an der Europaallee beim Bahnhof beginnt. Unmittelbar daneben, in zwei Hausblöcken aus den 60er-Jahren, wohnten Menschen, die kaum eine andere Wohnung gefunden hätten. Mit ihnen hausten Dealer und Drogensüchtige in den Treppenhäusern. Kürzlich hat die Stadt diese «Gammelhäuser» geräumt. Für die einen waren sie ein Schandfleck, für die Betroffenen ein unwürdiges Daheim – aber immerhin eine Bleibe.

Für eine gute Durchmischung gesorgt

Nun will die Stadt die beiden Häuser und ein drittes an der Magnusstrasse 27 kaufen. Die kleinen Wohnungen sollen günstig vermietet werden, auch an Studenten und Asylbewerber.

Das ist gut so: Wer sonst, wenn nicht die Stadt, soll weniger Vermögenden ermöglichen, zentral in Zürich zu leben? Die bürgerlichen Parteien sind skeptisch oder lehnen solche Massnahmen ab. Der Kauf von Liegenschaften sei nicht die Aufgabe der Stadt, sagt etwa die SVP. Dabei hat sich dieses Vorgehen bewährt: Bereits früher hat die Stadt Häuser gekauft – auch im Langstrassen-Quartier –, hat Wohnungen saniert, fair vermietet und damit für eine gute Durchmischung gesorgt zwischen reich und arm, jung und alt.

Die Wohnungen in Zürich sind knapp, die Nachfrage bleibt gross. Wer in einer solchen Situation den Immobilienmarkt den Privaten überlässt, toleriert, dass Menschen an zentralen Lagen irgendwann entweder im einen oder im anderen Extrem leben werden: unter schaurigen Bedingungen wie in den «Gammelhäusern». Oder in Eigentumswohnungen, die Millionen kosten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch