Ein Erinnerungsort mit einer Prise Magie

Vor langer Zeit war das Parkhuus tatsächlich ein Parkhaus – heute ist es das Restaurant des Hotels Park Hyatt, wo regional gedacht, aber mondän gekocht wird.

Der Thirtysomething Tarik Lange verzaubert mit seiner Kochkunst seit Ende 2019 die Gäste im Restaurant Parkhuus.

Der Thirtysomething Tarik Lange verzaubert mit seiner Kochkunst seit Ende 2019 die Gäste im Restaurant Parkhuus. Bild: Sabina Bobst

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als Dreikäsehoch thronte an der Spitze meiner Berufsträume etwas verblüffend Unspektakuläres, nämlich Parkhaus-Chef. Der Grund dafür stand unweit vom Kongresshaus – in Form des tollsten Parkings der Welt! Es hiess Escherwiese und war mit einem Unter- plus einem offenen Obergeschoss atypisch niedrig. Dafür war das Tickethäuschen echt niedlich, und die Plätze waren so grosszügig, dass selbst meine Mama ganz anständig parkieren konnte (ihre Aussage, ich bitte Sie – nie würde ich meine Mutter beleidigen!), und wenn Vaters Citroën um die Kurve cruiste, quietschten die Reifen wie in einem Gangsterfilm. Tja, andere Jungs in jenem Alter verknallten sich in die Kindergärtnerin oder die Kioskfrau, ich hatte mich in dieses Parkhaus verguckt.

Das war in den 1970er-Jahren. Nun, bald 50 Jahre später, ist aus dem damaligen Wohlfühl- ein Erinnerungsort geworden. Dies auch dank den Betreibern des 2004 auf dem Escherwiese-Gelände eröffneten Luxushotels Park Hyatt, die ihre Gastrozone als Reminiszenz an die Vergangenheit Parkhuus nennen. Als uns zu Ohren kommt, dass da mit Tarik Lange unlängst ein vielversprechender und «Michelin»-Stern-dekorierter deutscher Thirtysomething den Herd übernommen hat, ist der Besuch entschiedene Sache.

Die offene Küche macht es möglich, dem Maestro bei der Arte culinaria zuzusehen.

Für ein Hotelrestaurant wirkt die Lokalität prima vista ungewöhnlich – die offene Küche macht es nämlich möglich, dem Maestro bei der Arte culinaria zuzusehen. Und nein, das ist kein Worthülsen-Journalismus: Auch wenn Lange auf der Speisekarte die Nachhaltigkeit und Regionalität der Produkte betont – kochen tut er definitiv mondän; egal ob salzig oder süss, die Prise Magie offenbart sich auf der ganzen Essensreise wieder und wieder.

Wir beginnen mit der gebeizten Brüggli-Forelle mit Kürbis, Zürichsee-Krebsen, Forellenrogen und Haselnusscreme (25 Fr.) und dem Wintergarten mit Zutaten wie Topinambur, Federkohlcreme, Baumnüssen, Quitte, Rettich und Ricotta (23 Fr.). Am Nebentisch plant das fesche Jungpaar aus Mailand derweil die nächsten Ferien, was, wie gut zu hören ist, offenbar durch den kürzlich angeschafften Junghund arg erschwert wird.

Gusto mondial: Die Brüggli-Forelle mit Kürbis, serviert auf Stein. Foto: Sabina Bobst

Fortgesetzt wird der Genuss mit dem Molkenschwein mit Süsskartoffelcreme, Blumenkohl und Apfelvinaigrette (65 Fr.) und dem Alpstein-Mistkratzerli, garniert mit grüner Sellerie, Hagenbuttencreme und Onseneigelb (45 Fr.) Ins Ziel gelangen wir dann mit dem Coupe Nesselrode 2.0 (14 Fr.) und der Schokoladenvariation «Felchlin Sambirano» (16 Fr.).

Was unsere Gaumen dabei erleben dürfen, sind verblüffende Geschmacksexplosionen, die sowohl fein als auch fein sind; dass auch dem Auge das Wasser im Munde zusammenlaufen würde (wenn das biologisch möglich wäre), muss glaub nicht speziell erwähnt sein. Expliziter gesagt: Wir werden uns wiedersehen, Herr Lange!

Restaurant Parkhuus

— Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein Hauptgang, der 65 Franken kostet? Ein Espresso, für den man 7 Franken berappt? Ja, die detailverliebte Qualität im Parkhuus hat ihren Preis. Wer sucht, entdeckt aber sowohl auf der Speise- wie auf der Weinkarte auch Portemonnaie-freundliche Angebote.

— Ambiance
Rechts Italienisch, links eine Melange aus Züritüütsch und Französisch, irgendwo Russisch und mittendrin very British English, das dazu verwendet wird, über die Schönheit deutscher Moorlandschaften zu schwärmen (ja, als Journalist lernt man den Lauschangriff). Kurz: Das Ambiente ist mit «fidel und polyglott» wohl ziemlich gut beschrieben.

— Service
Comme il faut! Und das Kompliment gilt für den Empfang genauso wie für den vifen Kellner (der die von der Begleitung bestellten Zigaretten auf einem Teller und mit der Bemerkung «Voilà Madame, ihre Lungenbrötli» serviert) und den Sommelier. Was letztlich nicht erstaunt, man befindet sich schliesslich im Fünfsternhotel.

— So kommt man mit dem ÖV hin
Tram Nr. 6, 7, 8, 10 oder 13 bis Station Stockerstrasse, von da fünf Minuten zu Fuss die Beethovenstrasse runter Richtung See.

Zur Website


In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 24.01.2020, 16:49 Uhr

Artikel zum Thema

So leer sind die Zürcher Parkhäuser wirklich

Es brauche keine neuen Parkhäuser, sagt die Stadtregierung, da die alten fast nie voll seien. Wir haben nachgezählt und festgestellt: Das stimmt nicht ganz. Mehr...

Artikel zum Thema

Hier wird das Essen reduziert aufs geschmackliche Maximum

Das Gericht Und dann stellen die einem im Limmathof doch glatt das beste Carne cruda der Stadt auf den Tisch! Aber auch sonst ist das Kreis-5-Restaurant ein feiner Ort. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kunst-Blumen: Zum Valentinstag schenkt Banksy der Stadt Bristol eine neues Werk. Das Blumen werfende Mädchen schmückt eine Wand im Stadtteil Barton Hill. (14. Februar 2020)
(Bild: Finnbarr Webster) Mehr...