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Ein erster Blick in den Zürcher «Betonkoloss»

Für 50 Millionen Franken wurde das Amtshaus am Helvetiaplatz saniert. Nun ist es beinahe bezugsbereit.

Wie neu: Während zweieinhalb Jahren wurde das Amtshaus am Helvetiaplatz saniert. Seit kurzem ist die Fassade wieder frei.
Wie neu: Während zweieinhalb Jahren wurde das Amtshaus am Helvetiaplatz saniert. Seit kurzem ist die Fassade wieder frei.
Reto Oeschger
Triage: Am Empfang sollten erste Fragen bereits beantwortet werden. Laut Stadtrat Raphael Golta sollten die Amtswege kürzer werden.
Triage: Am Empfang sollten erste Fragen bereits beantwortet werden. Laut Stadtrat Raphael Golta sollten die Amtswege kürzer werden.
Reto Oeschger
Postkarte, um 1910: Neues Postgebäude Helvetiaplatz.
Postkarte, um 1910: Neues Postgebäude Helvetiaplatz.
BAZ 190015
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Nicht eben liebevoll wird das Amtshaus am Helvetiaplatz, das 1963 für das städtische Sozialamt erstellt wurde, im Volksmund als «Betonkoloss» bezeichnet. Und als die Sanierung unumgänglich wurde, meinten breite Kreise: «Abreissen und neu bauen.»

Die Denkmalpflege sah das anders, denn das von den Architekten Walter, Doebeli + Hoch gebaute Gebäude ist mit seinem hohen Fensteranteil, der Sichtbetonfassade und dem durchlässigen Erdgeschoss ein wichtiger Vertreter der Nachkriegsmoderne und orientiert sich an Bauten Le Corbusiers.

Café und Tiefgarage

Daher wurde das Gebäude nicht abgerissen, sondern saniert und instandgesetzt. Was – wie Stadtrat André Odermatt (SP), der Vorsteher des Hochbaudepartements, heute Morgen auf einem Medienrundgang ausführte – kein einfaches Unterfangen war. Es wurde von ARGE Kaufmann Widrig Architekten und dem Architekturbüro Bosshard und Partner umgesetzt.

Der erste Eindruck: hell, grau und etwas pastell. Und weniger eng als früher. Im Erdgeschoss wird im Frühling ein Café eröffnet, demnächst wird auch die umgebaute Tiefgarage bezugsbereit sein. Dann können an der Molkenstrasse 66 bisher oberirdische Parkplätze dorthin verlagert werden, was eine Aufwertung des Platzes und der Umgebung ermöglicht. Damit wird ein 2008 gefällter Volksentscheid umgesetzt.

Zentrales Thema Energieverbrauch

Zentrales Thema war laut Odermatt der Energieverbrauch, denn dem wurde in den 1960er-Jahren noch kaum Beachtung geschenkt. Durch konsequente Verwendung von ökologischen Materialien, einer teilweisen Innendämmung und einem neuartigen Bodenheiz- und Kühlsystem konnte der Minergie-Eco-Standard erreicht werden.

Damit sich das Gebäude aufgrund der grossen Fensterfronten im Sommer nicht zu stark erhitzt, wurden Sonnenschutzfenster eingesetzt und automatische Storen angebracht. «Die werden wohl noch zu Diskussionen führen», prognostizierte Odermatt. «Es braucht erfahrungsgemäss Nachjustierungen, bis diese optimal eingestellt sind.»

Sozialzentrum zieht ein

Stadtrat Raphael Golta ist als Vorsteher des Sozialdepartements Nutzer des Amtshauses. Ende Februar werden rund 200 seiner Mitarbeitenden ins neue Sozialzentrum einziehen. Den bisherigen Standort an der Ausstellungsstrasse hatte die Stadt vom Kanton gemietet. Die Räumlichkeiten fallen nun an den Kanton zurück.

Das Sozialzentrum Helvetiaplatz wird unter anderem für die Bereiche persönliche und wirtschaftliche Hilfe sowie Kinder- und Jugendhilfe in den Quartieren Hard, Industrie, Langstrasse, Werd und Sihlfeld zuständig sein.

Punktlandung bei den Kosten

Die Erstellungskosten betragen gut 50 Millionen Franken – «eine Punktlandung», sagte Stadtrat Odermatt. In dieser Summe inbegriffen sind je knapp 2 Millionen Franken für die Café-Bar und weitere Umbauten sowie gut 3 Millionen Franken, damit die bestehende Tiefgarage öffentlich zugänglich wird.

Auch der ehrgeizige Terminplan konnte eingehalten werden. Die Bauzeit dauerte zweieinhalb Jahre. Odermatts Fazit lautet: «Die gleichzeitige Berücksichtigung von denkmalpflegerischen Aspekten und der Bedürfnisse der Nutzer ist immer eine Herausforderung. Beim Amtshaus Helvetiaplatz ist dies sehr gut gelungen.»

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