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Ein gut gemeintes Eigentor

Durch den Entscheid, künftig in Polizeimeldungen die Nationalität von Verdächtigen nicht zu nennen, könnten Vorurteile verstärkt werden.

Das Thema ist alt, und es hat in den vergangenen 20 Jahren schon für manch hitzige Diskussion gesorgt. Soll die Polizei bei Verbrechen die Nationalität der Täter nennen? Als die SVP vor ein paar Jahren eine Inseratekampagne lancierte mit der Behauptung, «Koso­varen schlitzen Schweizer auf», zeigte sich: Mit dem Thema Ausländerkriminalität lässt sich bestens Wahlkampf und politische Propaganda betreiben.

Nun hat die Linke das Thema entdeckt, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen. So wollen die Sozialdemokraten, die Grünen und die Grünliberalen tatsächlich zur Praxis der 90er-Jahre zurückkehren und bei Verbrechen die Nationalität der Täter und Täterinnen nicht mehr nennen. Mit dem Stadtzürcher Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) haben sie einen Verbündeten gefunden, der in drei Monaten erneut gewählt werden will.

«Es braucht künftig nur zufällig zwei, drei spektakuläre Fälle, die von Menschen derselben Nationalität begangen werden, schon werden die Vorurteile verstärkt.»

Er hat angeordnet, dass die Stadtpolizei nur noch auf Nachfrage bekannt geben soll, welche Nationalität ein Täter hat. Auf den ersten Blick tönt das ganz harmlos, aber wer den stressigen redaktionellen Alltag kennt, der weiss, dass damit nur noch in relativ wenigen Fällen darüber berichtet wird, welcher Nationalität ein Täter ist.

Das wird aber nicht dazu führen, dass es zu weniger Ausländerhass und Vorverurteilungen von ganzen Nationalitäten kommt. Sondern das Gegenteil wird geschehen. Warum? Weil die Fälle, bei denen künftig die Nationalität der Täter thematisiert wird, bei denen also ein Journalist explizit bei der Stadtpolizei nachfragen wird, nur noch die besonders schwerwiegenden sein werden. Das heisst, es braucht nur zufällig zwei, drei spektakuläre Fälle, die von Menschen derselben Nationalität begangen werden, schon werden die Vorurteile verstärkt.

«Im schlechteren Fall zündeln die Linken im Wahlkampf bewusst mit dem Ausländerthema.»

Die neue Regelung ist deshalb leider im besten Fall nicht viel mehr als ein gut gemeintes Eigentor. Im schlechteren Fall zündeln die Linken zurzeit im Wahlkampf bewusst mit dem Ausländerthema. Das ist man sich eigentlich eher von der Gegenseite gewohnt.

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