Ein Kiosk für Giusep Fry

Der neue Gestaltungsplan für den Uetliberggipfel liegt vor. Er verbietet Helikopterflüge, ermöglicht aber ein dreiwöchiges Oktoberfest. Die Naturschützer sind verärgert.

Der Aussichtsturm neben dem Hotel Uto Kulm auf dem Uetliberg erstrahlt weihnachtlich beleuchtet. Foto: Urs Jaudas

Der Aussichtsturm neben dem Hotel Uto Kulm auf dem Uetliberg erstrahlt weihnachtlich beleuchtet. Foto: Urs Jaudas

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Hotelier Giusep Fry ist erleichtert. Endlich legt Baudirektor Markus Kägi (SVP) den Gestaltungsplan vor, der Rechtsgrundlage für Frys Aktivitäten im Hotel Uto Kulm sein wird. Seine Terrassen soll er zwar nicht mehr verglasen dürfen, Helikopterflüge sind tabu, und seine Turmbeleuchtung muss Fry zurückfahren. Dennoch ist er froh, dass die «Behördenwillkür» auf dem Berg ein Ende hat. Beim gestern veröffentlichten Plan handelt es sich um eine überarbeitete Version. Gegen die erste haben die Naturschützer erfolgreich rekurriert, und am Ende hat das Verwaltungsgericht den Gestaltungsplan an Baudirektor Kägi zurückgewiesen, weil er Fry zu viele Freiheiten gelassen hatte.

4000 Fahrten im Jahr

Nun hat Kägi die Strafaufgabe erledigt. Sein Kantonsplaner Wilhelm Natrup meinte gestern: «Wir haben die Einwände des Gerichts berücksichtigt und die Interessen von Herrn Fry und jene des Natur- und Landschaftschutzes ausgewogen berücksichtigt.» Der neue Plan sieht folgende Regeln vor:

Zugänglichkeit: Der Uetliberggipfel muss an allen Stellen, die Aussicht auf die Stadt Zürich bieten, stets öffentlich zugänglich sein; auch auf dem Känzeli.

Bauten: Auf den Terrassen dürfen Sonnenstoren und ein mobiler Windschutz angebracht werden. Eine Verglasung der Terrasse ist nicht erlaubt. Fry darf auch wieder einen Kiosk aufstellen. In Ausnahmefällen dürfen bestehende Bauten «geringfügig» erweitert werden.

Nutzung: Auf der grossen Terrasse darf es pro Jahr vier dreiwöchige Veranstaltungen geben, für die auch ein Zelt aufgestellt werden kann. Zudem sind zweimal im Jahr einwöchige spezielle Anlässe auf der Terrasse zugelassen. Das Plateau beim Turm (Bereich A) darf Fry an maximal zehn Tagen pro Jahr für private Gesellschaften mit maximal 300 Gästen abtrennen. Der Zugang zum Känzeli muss aber offen bleiben.

Verkehr: Pro Jahr sollen 4000 Fahrten von der SZU-Endstation bis auf den Gipfel erlaubt sein, dazu unbeschränkt viele Fahrten mit einem Elektromobil. Für Fahrten von weiter unten braucht es eine Ausnahmebewilligung. Wenn Fry das Fahrtenkontingent überschreitet, muss er eine Busse von 10?000 Franken zahlen und pro zusätzliche Fahrt 10 Franken. Beim dritten Verstoss wird der Kanton schärfere Massnahmen anordnen.

Beleuchtung: Der Turm darf bis 0.30 Uhr «zurückhaltend» beleuchtet werden. Die Vorschriften sollen aber noch einem Gerichtsentscheid angepasst werden, der eine Beleuchtung nur bis 22 Uhr erlaubt.

Clemens Maria Schuster, Sprecher des Hotels Uto Kulm, kündigte gestern an, man wolle mit den Behörden noch das Gespräch suchen. Problematisch sei die unflexible Eventdauer von maximal drei Wochen. Gerne würde man etwa eine Eisbahn auf der Terrasse etwas länger stehen lassen und das Oktoberfest dafür im Herbst etwas kürzer halten. Auch zur Kontrolle der Fahrten hat Schuster Vorbehalte, weil es auf dem Uetliberg noch andere Nutzer gebe, welche Fahrten brauchten. Er betonte allerdings, Giusep Fry werde sich diesmal ­kooperativ verhalten.

Naturschützer rekurrieren

Die Präsidentin des Vereins Pro Uetliberg, Margrith Gysel, meinte gestern: «Wenn Herr Fry zufrieden ist, schrillen bei mir die Alarmglocken.» Sie sei mit der Neuauflage des Gestaltungsplans nicht zufrieden. So sei er in vielen Teilen unpräzis, mit Begriffen wie «unwesentlich», «wenn möglich», «geringfügig». Konkret verlangt Gysel die volle Zugänglichkeit des Gipfels. Es dürfe keine Absperrungen geben. Es brauche eine strikte Unterbindung des Privatverkehrs auf den Uetliberg. Schon vor 20 Jahren habe der Regierungsrat festgestellt, dass es jährlich etwa 14?000 Fahrten auf den Berg gebe, sagt Gysel. Die Einschränkungen bei der Beleuchtung reichen ihr auch nicht. Auf dem Uetliberg würden ständig tote Vögel gefunden, die wegen der grellen Lichter in ein Hindernis geprallt seien. Gysel kündigte an: «Gegen diesen Plan werden wir sicher rekurrieren.»

Der Plan liegt bis zum 18. Januar auf, und es können Einwendungen gemacht werden. Bis Ende Juni wird er nochmals überarbeitet. Dann kann gegen die definitive Vorlage rekurriert werden. Bevor der Gestaltungsplan in Kraft tritt, schliessen der Kanton, die Gemeinden Zürich, Stallikon und Uitikon mit Giusep Fry noch einen Nutzungsvertrag ab.

Erstellt: 21.11.2015, 00:02 Uhr

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