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Ein Komiker, der nicht lustig ist

Bendrit Bajra versucht sich in Politik. Und manövriert sich ins Abseits.

MeinungMirjam Fuchs
«Ich heisse Erich Hess»: Bendrit Bajra als SVP-Politiker.
«Ich heisse Erich Hess»: Bendrit Bajra als SVP-Politiker.
Screenshot Facebook

Wer Bendrit Bajra schon immer für überschätzt hielt, wird sich nun bestätigt sehen. In seinem jüngsten Video äussert sich der albanischstämmige Schweizer erstmals zu einem politischen Thema, zur Durchsetzungsinitiative – und vergreift sich gehörig im Ton. Der Komiker bezeichnet den SVP-Politiker Erich Hess als «Nazi» und als «dumm», weil dieser kriminelle Ausländer ausschaffen will.

Mit seiner Parodie auf den aufstrebenden Berner Nationalrats, über den sich die deutsche Satire-Sendung «Heute Show» bereits vor Jahren viel witziger lustig gemacht hat, will Bajra seine fast 215'000 Anhänger auf Facebook dazu bringen, gegen die Durchsetzungsinitiative zu stimmen. Das Video haben wenige Stunden nach der Veröffentlichung 200'000 Menschen angesehen, 12'000 haben auf «Like» gedrückt.

Schweizer und Ausländer

Hess nimmt den Angriff gelassen, er findet das Video «niveaulos». Rechtliche Schritte plant er nicht. Theoretisch könnte der SVP-Politiker den Komiker wegen übler Nachrede anzeigen. Satire darf in der Schweiz zwar fast alles, aber eben nur fast. Einer Person ohne Grund nazihafte Gesinnung zu unterstellen, gilt vor dem Gesetz als Ehrverletzung. Laut eigenen Angaben hat Bajra mit einer Anzeige gerechnet und würde die Konsequenzen tragen. Dass Hess das Video mit Humor nimmt, erleichtert Bajra dennoch.

Bajra ist eine Identifikationsfigur. Er erreicht zahlreiche Menschen, die sind wie er: jung und mit Migrationshintergrund. Für Politik interessiert sich der Komiker normalerweise nicht («Ich weiss nicht einmal, was SVP heisst»), doch die Durchsetzungsinitiative wühlt ihn auf, schliesslich geht es um das wichtigste Thema seiner Sketches: Schweizer und Ausländer. Bajras Figur «Baba», der Ausländer, der seine Kinder mit dem Gurt verprügelt, passt ins Feindbild der SVP.

Bajra hätte die Chance, seine Anhänger über die einschneidenden Konsequenzen der Durchsetzungsinitiative zu informieren. Stattdessen schwingt er die Nazikeule gegen die SVP – und manövriert sich so ins Abseits. Er spielt seinen politischen Gegnern in die Hände, weil er keine guten Argumente gegen die Ausschaffung von Ausländern bereithält. Er verstimmt seine Werbepartner, weil er die Grenzen des Anstandes überschreitet. Und er vergrault seine Fans. Ein junger Kommentarschreiber schreibt unter dem Video: «Das Einzige, was du in diesem Video machst, ist Erich Hess schlechtzumachen. Ich finde ihn ja auch nicht gut, aber du bringst keine Argumente. Das ist kein ernstes Video, sondern ein Witz.»

Dass Bajra im Video weder auf Humor noch auf sachliche Argumente setzt, ist ein schlechtes Signal. Von einem jungen Stimmbürger, der die Sekundarschule besucht und soeben eine Lehre abgeschlossen hat, darf man mehr erwarten. Doch wie eine demokratische Debatte funktioniert, scheint Bajra nicht begriffen zu haben.

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