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Ein letztes Bier in der Penalty-Bar

Die legendäre Zürcher Quartierbeiz ist seit gestern geschlossen. Wird jetzt eine weitere Szenebar daraus? Eine sentimentale Recherche.

Inzwischen sind die Lichter gelöscht: Die Penalty-Bar beim Hallwylplatz. Bild: Dominique Meienberg
Inzwischen sind die Lichter gelöscht: Die Penalty-Bar beim Hallwylplatz. Bild: Dominique Meienberg

Alles wie gehabt am Montagabend in der Penalty-Bar. Ein paar weisshaarige Männer sitzen am Bartresen aus dunklem Holz, die meisten trinken Bier. Köbi Kuhn, angeblich ein Stammgast, ist nicht da, dafür prangen an der Wand Bilder von Charles Bronson, James Dean und Marilyn Monroe. Eine Bardame hat ein Glas Weisswein vor sich und würfelt mit einem der Gäste; im hinteren Restaurantteil, vor der steinernen Wand, wird gejasst. Im Hintergrund tönt leise Musik. Und draussen vor der Tür stehen auch noch zwei Männer in Jeans, die rauchen.

Alles wie gehabt? Eigentlich ist alles komplett anders als sonst, wie ein A4-Blatt verrät, das neben der Eingangstür der Penalty-Bar hängt, dort, wo sonst jeweils das Menü prangt: «Wir schliessen am 28.2.», steht da – nicht zum ersten Mal übrigens. Gründe für das Ende der legendären Lokalität an der Hallwylstrasse werden keine genannt.

Legendäres Quartierlokal

Wie sang doch Peter Alexander in seinem Lied «Die kleine Kneipe», in der ein solches Quartierlokal so wunderbar besungen wird: «... da fragt dich keiner, was du hast oder bist.» Und so mischt sich der Journalist zwecks einer kleinen Recherche unters Volk und kommt bald ins Gespräch mit einem älteren Herrn.

Hermi heisst er. Und er erzählt, dass auch die Züribar und das Kontiki für ihn passé seien («Döt muesch nüme häre»). Dass der Tagi in der Printversion verdammt teuer geworden sei – «Ich han en jetzt zwar nomal abonniert, aber nur für eis Jahr.» Dass die Sozis in Zürich eh alles kaputtgemacht hätten, und nicht die oben in Bern.

Was ein Stammgast meint

Offenbar ist Hermi Habitué hier. Er hilft dem Journalisten, dem die Bardame erst wenig Beachtung schenkt, ein Bier zu bestellen. Vielleicht weiss er ja, wieso hier bald dichtgemacht wird? «Kei Chole meh», sagt Hermi. «Scho de Sepp isch ja ab und hät en Huufe Schulde hinderlaa. Jetzt isch de portugiesisch Choch de Chef», sagt Hermi. Zudem hätten das Rauchverbot und die tiefere Promillegrenze im Strassenverkehr das Ihrige zur Misere beigetragen. Man mache halt auch dann kein Geld, wenn hinter verschlossener Tür zwar bis um vier Uhr in der Früh gezockt werde, aber alle nur Mineralwasser tränken.

Und was denn in Zukunft hier passiere, will man wissen. «Ich han ghört», sagt Hermi, «vo de Bierhalle Wolf chunnt so en breite Siech.» Er misst mit den Händen einen imaginären Kasten aus – doch Genaueres wisse er nicht. Schwierig einzuschätzen, wie verlässlich die Informationen von Hermi sind, denkt sich der Journalist.

Hafen für Biertrinker

Aber eben: Ein, zwei Stangen später spielt das auch keine Rolle mehr. Der Journalist trinkt aus, inzwischen doch ein wenig sentimental geworden über den Gedanken, dass es diesen Hafen für Biertrinker nun nicht mehr geben wird. Aber wenigstens froh, dass es noch keine Gerüchte über eine Szenebar am gleichen Ort gibt.

Am nächsten Tag nimmt der Journalist dann pflichtbewusst doch noch den Telefonhörer zur Hand, und er wählt die Nummer des Lokals. Und verlangt den Chef. Was denn Herr Gomes zum Ende des Lokals zu sagen habe? «Mir ist es zu viel geworden. Doch meines Wissens öffnet das Lokal in einem Monat wieder. Bezüglich meiner Nachfolge kann ich nichts verraten.»

Nun ja, die nebulöse Geschichte von Hermi war spannender.

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