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Ein neues Dorf in Zürich

Die Stadt plant die Errichtung einer temporären Wohnsiedlung für Flüchtlinge, Studierende, Klein- und Kunstgewerbe beim Bahnhof Altstetten.

Bald kommen hier Container hin: Der Platz vor der Überbauung Westlink ist von Fahrenden belegt. Foto: TA
Bald kommen hier Container hin: Der Platz vor der Überbauung Westlink ist von Fahrenden belegt. Foto: TA

Zürichs Wohnbevölkerung wächst zurzeit um 0,7 Prozent: 2800 Flüchtlinge werden im Auftrag des Kantons auf Stadtgebiet untergebracht. 300 befinden sich im Bundeszentrum Juch, 100 im Durchgangszentrum an der Regensbergstrasse, 2000 in Wohnungen und gemieteten Liegenschaften, und 400 ­Geflüchtete leben in temporären Wohnsiedlungen – sprich in Containerdörfern.

Die temporäre Wohnsiedlung Leutschenbach mit ihren 150 Bewohnern muss nächstes Jahr weichen, denn die Stadt will dort eine kommunale Wohnsiedlung für 1000 Einwohner bauen. Als Ersatzstandort ist das Areal Geerenweg vis-à-vis dem Vulkanplatz und der SBB-Überbauung Westlink vorgesehen. Es gehört der Stadt und wird gegenwärtig von einem Occasionsgeschäft mit gebrauchten Autos belegt.

Dieses Areal ist gross und stark lärmbelastet, was nun zu einem überraschenden Projekt geführt hat: Nicht nur eine temporäre Wohnsiedlung soll hier entstehen, sondern gar ein temporäres kleines Dorf. Oder wie es Stadtrat ­Rapha­­el Golta, der Vorsteher des Sozialdepartements, gestern vor den Medien formulierte: «Wir bauen ein kleines Quartier um die temporäre Wohnsiedlung herum.»

Schweizer Pionierprojekt

Das Dorf besteht aus vier Teilen: erstens aus einer temporären Wohnsiedlung für die 150 Personen aus der Leutschenbach-Siedlung, die von der Asylorganisation Zürich betreut werden.

Zweitens aus einer Modulbausiedlung mit 120 Zimmern, erbaut von der Stiftung Einfach Wohnen im ökologischen Energiestandard der 2000-Watt-Gesellschaft. Sie vermietet 50 Zimmer für Flüchtlinge an die Asylorganisation Zürich und 70 Zimmer für Studierende und Jugendliche in Ausbildung ans ­Jugendwohnnetz Juwo.

Drittens aus einem Modulbau in länglicher Form, der als Lärmschutz für die Wohnsiedlungen dient und von Gewerbetreibenden, Kulturschaffenden und Gastroleuten genutzt werden soll. Rund 1500 Quadratmeter Fläche werden dem Gewerbe zugutekommen; 3700 Quadratmeter sollen Freiräume sein, darunter Spielplätze oder Beete für Urban Gardening.

Viertens gehört der bestehende Standplatz für Fahrende zum Ensemble. Die Stiftung Einfach Wohnen – auch bekannt als Stiftung für bezahlbare und ökologische Wohnungen – wurde in der Volksabstimmung vom 3. März 2013 mit einem Kapital von 80 Millionen Franken ausgestattet. 75 Prozent der Stimmenden sagten damals Ja. Die Stiftung plant bis zu 140 Wohnungen auf dem Guggach-Areal. Für die Containersiedlung in Altstetten hat sie von der städtischen Liegenschaftenverwaltung ein Nutzungsrecht für 15 Jahre erhalten.

Ihre Mieterin auf dem Geerenweg-Areal, das Jugendwohnnetz Juwo, ­betreibt rund 1000 Wohnungen. Geschäftsführer Patrik Suter sagt, gemeinsames Wohnen von Flüchtlingen und Studenten sei in der Schweiz zwar neuartig, in Holland gebe es aber Ähnliches. Beide Gruppen hätten wenig Geld und könnten voneinander lernen. Bis 600 Franken brutto soll ein Zimmer kosten – allenfalls mit Internetanschluss.

Über die Kosten des gesamten Projekts liegen keine genauen Zahlen vor. Die temporäre Wohnsiedlung wird über die städtischen Beiträge an die Asylorganisation Zürich finanziert. Die Produktion der neuen Container wird laut ­Finanzvorsteher Daniel Leupi öffentlich ausgeschrieben, weshalb er keinen Betrag nennt. Auch sei der Mietzins noch offen, den die Stadt verlangt.

Eröffnung Ende 2018

Im kommenden Mai soll die Baueingabe erfolgen, später die Ausschreibung für den Bau der Gebäudeteile. Falls es keine Verzögerungen gibt, wird ab Frühling/Sommer 2018 gebaut, sodass die ersten Bewohner Ende 2018 einziehen können. Vorgesehen ist auch, dass sich das Projekt weiter entwickelt und neue Container und Nutzungen hinzukommen. Alle Beteiligten hoffen, dass ihr Projekt zu einem Treffpunkt des Quartiers wird. Die Information der Bevölkerung soll in zwei Veranstaltungen in den kommenden Wochen stattfinden.

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