Ein PJZ ohne Jugendtrakt wäre «absurd»

Im geplanten Zürcher Polizei- und Justizzentrum sind bislang keine extra Zellen für Jugendliche vorgesehen – das irritiert.

Hier sind Kinder und Erwachsene zusammen inhaftiert: Das «Propog» auf dem Kasernenareal.

Hier sind Kinder und Erwachsene zusammen inhaftiert: Das «Propog» auf dem Kasernenareal. Bild: Dominique Meienberg

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Im provisorischen Polizeigefängnis auf dem Kasernenareal sind auch Kinder und Jugendliche inhaftiert. 2015 gab es im «Propog» 745 Haftfälle von Minderjährigen, 117 von ihnen waren jünger als 15 Jahre, die Jüngsten waren 11-jährig. Die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter fordert, dass Minderjährige in Zukunft nur in einer spezialisierten Einrichtung untergebracht werden.

Das Polizeigefängnis soll voraussichtlich im Jahr 2020 abgerissen werden, weil dann das neue Polizei- und Justizzentrum (PJZ) mit rund 300 Haftplätzen seinen Betrieb aufnimmt. Laut der kantonalen Baudirektion ist allerdings auch dort keine baulich abgetrennte Jugendstation geplant.

Bei Zürcher Politikern sorgt das für Irritation: «Ich habe Mühe, zu verstehen, weshalb es so schwierig sein soll, einen separaten Jugendtrakt zu realisieren», sagt Thomas Vogel, FDP-Fraktionschef im Kantonsrat und langjähriger Kenner des PJZ-Projekts. «Es braucht eine Jugendstation mit Zellen, die an Jugendliche angepasst sind», sagt AL-Politiker und Rechtsanwalt Markus Bischoff. Für SP-Zürich-Parteichef Daniel Frei wäre es «absurd», wenn das Problem mit dem Bau des PJZ nicht gelöst würde, und zwar «infrastrukturmässig wie auch organisatorisch».

Für den Betrieb des Gefängnisses im neuen Zentrum wird die Direktion für Justiz und Inneres zuständig sein. Regierungsrätin Jacqueline Fehr will auf Anfrage persönlich keine Stellung beziehen. Ein Sprecher Fehrs schreibt, man werde für eine genügende Abtrennung zwischen jugendlichen und erwachsenen Häftlingen sorgen. Die Detailplanung liege aber noch nicht vor.

Erstellt: 06.12.2016, 07:52 Uhr

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