Ein plätscherndes Rätsel

Vor 150 Jahren verloren in Zürich die über 1200 öffentlichen Brunnen ihren eigentlichen Zweck. Anlässlich des Jubiläums widmen wir den alten Tränken ein Quiz.


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Im Mittelalter waren es Schöpfräder, die mittels eines rudimentären Leitungssystems aus Rinnen dafür sorgten, dass die damals spärlichen Zürcher Brunnen mit Wasser versorgt wurden. Das eine stand bei der Wasserkirche, das andere beim Rathaus; beide oberhalb der Ledergerber, beide in der Flussmitte, wo man das sauberste Limmatwasser vermutete. Im Laufe der Zeit entstanden auf Stadtgebiet dann mehr und mehr Brunnen – es fehlte jedoch mit der Wasserversorgung jenes Instrument, das einen gewissen Hygienestandard hätte garantieren können: «Fäkalien landeten in einer speziellen Grube oder in den schmalen Gräben zwischen den Häusern, aus denen sie gelegentlich abgeholt und den Bauern zum Düngen überlassen wurden», wie die NZZ schrieb.

Der Brunnen im Zentralhof ist winters ein beliebtes Fotosujet. Bloss: Bei welcher Wassertemperatur gefriert fliessendes Brunnenwasser? Bild: Samuel Schalch

Es ist nicht gesichert, dass die Cholera-Epidemie, die Ende Juli 1867 im Gasthaus Zum schwarzen Weggen in der Altstadt mit dem Tod einer Wäscherin begann, die Bevölkerung in Stadt und Land in Panik versetzte, die Behörden überforderte und im ganzen Kanton bis zu ihrem Abklingen drei Monate später 449 Todesopfer forderte, unmittelbar auf das besagte bauliche Manko zurückging. Dennoch wurden nur ein Jahr später die von Stadtingenieur Arnold Bürkli entwickelten Pläne einer modernen Wasserversorgung in die Tat umgesetzt. Dadurch verloren die Brunnen ihren primären Zweck als Wasserspender; das lebensnotwendige Nass wurde fortan direkt in die Häuser geliefert.

Dennoch möchte man keine dieser inzwischen 1236 städtischen Zierden missen (400 von ihnen werden übrigens noch heute durch ein separates Quellwassernetz gespeist), die je nach Jahreszeit mit ihrem kontemplativen Plätschern die Seele beruhigen oder als gefrorene Skulptur das Auge verzücken. Das sieht auch die Stadt so, die vorgestern anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Wasserversorgung die verspielte App «A Tale of Wells» lancierte. Unsere Würdigung dagegen zielt auf die Brunnen ab – über die man durch dieses Quiz ein paar interessante Zahlen und Fakten erfahren kann... Manchmal auch zwischen den Zeilen. Gut rätseln! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2018, 16:32 Uhr

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