Ein Rundgang durch die Kronenwiese

Die Stadt hat die erste Wohnung in der neuen Überbauung in Unterstrass präsentiert. 4½ Zimmer kosten hier zwischen 1500 und 1600 Franken.

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Überdurchschnittlich viele Vertreter von Fernsehen, Zeitung und Radio fanden sich ein zur ersten Baustellenbesichtigung der Siedlung Kronenwiese in Unterstrass, des Vorzeigeobjekts der linksgrünen Zürcher Stadtregierung. SP-Stadtrat André Odermatt sprach zu Beginn der Führung von einem neuen Level in der städtischen Wohnbauförderung. Ab heute sind die Wohnungen ausgeschrieben.

Die halbkreisförmige Blockrandsiedlung auf dem 7029 Quadratmeter grossen städtischen Grundstück zwischen den Strassenzügen Nord-, Kornhaus- und Kronenstrasse steht zwar noch im Rohbau, doch eine Musterwohnung ist bereits fertiggestellt.

Kleinere Wohnung als früher

Leupi hatte mit seinem Superlativ auch die Tatsache angesprochen, dass die Überbauung dem Minergie-A-ECO-Standard entspricht. Das bedeutet: Die Energie für Raumtemperatur, Warmwasser und Lüftung der neuen 99 Wohnungen, den Kinderhort und die elf Gewerbe- und Lagerräume wird lokal und nachhaltig gewonnen. Dies in Form von 21 Erdsonden sowie einer hauseigenen Fotovoltaikanlage. Die Kronenwiese ist schweizweit die erste Anlage in dieser Grössenordnung mit derartiger Technik.

Der Rundgang führte zwei Stockwerke höher entlang der blätterförmigen Wandbilder des Innerschweizer Künstlers Christain Kathriner, «ein integraler Bestandteil des Bauvorhabens», wie der Künstler betonte. Die erste fertiggestellte 4½-Zimmer-Musterwohnung im Sektor I, eine sogenannte Durchschusswohnung mit Blick sowohl auf Schindlerpark wie auch auf den Hof, wirkt mit den Sichtbetondecken und dem Anhydritboden funktional, aber auch geräumig. «Die Bauherrschaft hat eine Grösse zwischen 90 und 95 Quadratmetern vorgegeben, was deutlich kleiner ist als eine Wohnung mit gleich vielen Zimmern noch vor 20 Jahren», sagt Armon Semadeni vom gleichnamigen Büro, das den Bau entworfen hat. Und fügt an: «Die ganze Siedlung soll sich rasch und nahtlos ins Quartier integrieren.»


«Die Bauherrschaft hat eine Grösse zwischen 90 und 95 Quadratmetern für 4½ Zimmer vorgegeben.»
Armon Semadeni, Architekt

Alle zu vergebenden Wohnungen werden diese Woche noch im «Tagblatt der Stadt Zürich» oder auf der Website der Liegenschaftenverwaltung ausgeschrieben und können ab Anfang Juni besichtigt werden. Der Bezug erfolgt entsprechend dem Baufortschritt in zwei Etappen, voraussichtlich ab November 2016 und Februar 2017.

Run erwartet

Der Preis für eine nicht subventionierte 4½-Zimmer-Wohnung in der Wohnsiedlung Kronenwiese liegt zwischen 1500 und 1600 Franken. Ein Drittel der Wohnungen ist subventioniert. Zudem sind zehn Wohnungen für die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) reserviert. Personen, die das Bleiberecht als Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene erhalten haben, werden dort einquartiert. Zur Kornhausstrasse hin ziehen sechs Geschäfte in die Siedlung ein, unter anderem ein Möbelgeschäft, der Regionalverband Zürich von Pro Velo oder das Perücken- und Theaterkleidungs-Geschäft Haar-M, das bis vor kurzem noch an der Langstrasse beheimatet war.

Die Liegenschaftenverwaltung, die Bauherrin der Kronenwiese, erwartet einen «enormen Run» auf die Liegenschaft. «Wir wären nicht überrascht, wenn sich mehr als 4000 Menschen für die Wohnungen bewerben würden», sagt ein Sprecher. Bis zum gestrigen Taghaben mehr als 600 Personen bei der Stadt ihr Interesse angemeldet.

Siedlung ohne Tiefgarage

Die Bewerber haben sich auch von der fehlenden Tiefgarage nicht abschrecken lassen. Diese war 2013 für SVP und FDP der Hauptgrund, den 65-Millionen-Kredit für die Kronenwiese abzulehnen. Linksgrüne Politiker argumentierten dagegen mit Kosten- und Umweltschutzgründen. Die stadtzürcher Bevölkerung stimmte dem Kredit 2013 mit 75 Prozent deutlich zu. Danach war die Tiefgarage kein Thema mehr. Die 38 Pflichtparkplätze und zwei behindertengerechte Parkplätze mietet die Stadt nun im etwa 300 Meter entfernten Parkhaus Stampfenbach an. Auf dem Areal selber entstehen lediglich 6 Parkplätze für Besucher und Behinderte.

Die Kronenwiese hätte bereits vor 40 Jahren überbaut werden sollen. Damals erhielt die Stadt das Land in einem Tauschgeschäft vom Kanton und plante den Bau eines grossen Berufsschulzentrums. Mit einer Volksinitiative brachten Anwohner das Projekt aber zu Fall. Später scheiterte der Bau einer Dreifachturnhalle. 1985 wurde eine Gassenküche auf dem Areal eingerichtet, um die sich bald ein Besetzerdorf bildete. 2006 liess die Stadt die Wiese räumen und begann mit der Planung der Wohnüberbauung. Gegen die dafür notwendige Umzonung der Kronenwiese ergriffen die Grünen 2008 das Referendum, das aber deutlich verworfen wurde.

Erstellt: 01.06.2016, 07:53 Uhr

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