Eine Schule mit der Qualität eines Schweizer Sackmessers

Quartierpark, Bar, Aula, Bibliothek: Das Schulhaus Schütze beim Escher-Wyss-Platz bietet sehr viel mehr als Klassenzimmer und einen Pausenplatz. 10 Prozent günstiger als geplant ist es auch.

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Drei neue Schulhäuser eröffnet die Stadt nach den Sommerferien, das Schütze und das Pfingstweid in Zürich-West sowie das Schauenberg in Affoltern. Weil die Bevölkerung der Stadt weiter wächst und in fünf Jahren 300 Klassen mehr geführt werden müssen als heute.

Diese Nachfrage zu befriedigen, wäre alleine schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Aber mit dem Schulhaus Schütze beim Escher-Wyss-Platz möchten die Planer der Stadt noch etwas anderes zeigen: Wie man mitten in der Stadt Platz für Kindergärtner und Primarschüler, für Sportler, für ein Gemeinschaftszentrum und eine öffentliche Bibliothek schaffen kann, und gleichzeitig mehr Grünraum für die Menschen, die rundherum wohnen und arbeiten.

Park erst in einem Jahr fertig

Wie das gehen soll? Indem der gleiche Raum für Verschiedenes genutzt wird. Und mit ein paar guten Ideen. Tiefbauvorsteher Richard Wolff sprach zwar vom Park, der den grössten Teil des Grundstücks einnimmt und erst in einem Jahr fertiggestellt wird, als er das Bild eines Schweizer Sackmessers benutzte: «Viele Nutzungen, die an einem Ort zusammenkommen.» Der Park dient nämlich als Pausenplatz, Spielplatz und Erholungsraum fürs Quartier.

Sein Bild vom Sackmesser gilt aber offensichtlich auch für das Schulhaus selbst: Es beherbergt einen Kindergarten mit drei Klassen im Vorbau und eine Primarschule mit neun Klassen im bestehenden, von der kantonalen Berufsschule übernommenen Gebäude an der Heinrichstrasse. Im kubischen Neubau gibt es im Erdgeschoss eine Aula, die auch Gemeinschaftsraum des Quartierzentrums ist, mit Bar, und die mit weiteren kleineren Veranstaltungsräumen für bis zu 300 Besucher vergrössert werden kann.

Zwei Treppenhäuser in sich verschlungen

Gleich darüber befindet sich die neueste Pestalozzi-Bibliothek der Stadt: Auf zwei Stockwerken können rund 25'000 Bücher, 500 Filme, 6000 Hörbücher und Musik-CDs ausgeliehen werden. Weil die Digitalisierung aber voranschreitet und immer mehr Bücher elektronisch verliehen werden, gibt es in den hohen, hellen Räumen auch Platz zum Arbeiten und ein Lesecafé mit aktuellen Zeitungen und Zeitschriften. Auch die Bibliothek soll ein Treffpunkt sein. Sie ist künftig auch Arbeitsplatz für 8 Bibliothekarinnen sowie für die gesamte Verwaltung der Pestalozzibibliotheken (PBZ).

Apropos Schweizer Ingenieurskunst: Die PBZ-Verwaltung und die Turnhalle im vierten Obergeschoss sind dank einem speziellen Treppenhaus, das zwei Aufgänge ineinander verdreht, auch ausserhalb der Schulzeit zugänglich. So sind nur zwei statt der ursprünglichen geplanten drei Treppenhäuser nötig, was Raum und Geld spart.

Zuoberst im Haus haben die Architekten (Jonas Wüest, Zürich) die Turnhalle nicht etwa wegen der Aussicht für Volleyballer und Turner platziert, sondern weil es einfach praktisch ist. «Ein Modell für die Zukunft» gar, so der Hochbauvorsteher. Und bekannt bereits vom Schulhaus Leutschenbach.

Ökologisch und günstiger als gedacht

Denn ein grosser, hoher Raum, wie es die Turnhalle ist, wäre im Erdgeschoss im Weg. In den Boden verlegt, wäre er sehr teuer und schwer zu bewilligen. Kommt hinzu, dass so eine Turnhalle keine Stützen aufweisen darf. Will man darüber weitere Stockwerke erstellen, verursacht die Statik hohe Kosten. Nicht so beim Schulhaus Schütze: Alles was die Decke der Turnhalle zu tragen hat, ist die Fotovoltaikanlage auf dem Dach.

Ökologisch macht den Bau aber gemäss Hochbauvorsteher André Odermatt vor allem seine Kompaktheit, so ist es einfach, zu kühlen und heizen. Ein kompakter Baukörper ist auch günstiger zu bauen: Von den 61 Millionen Franken für Gebäude und Park inklusive Reserven), die das Zürcher Stimmvolk 2013 genehmigt hat, werde man voraussichtlich nur rund 47 Millionen brauchen, so Odermatt. «Wir bleiben 10 Prozent unter Budget.»

Erstellt: 08.07.2019, 15:20 Uhr

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