Ein symbolträchtiger Stein fürs neue Kongresshaus

Der Gartensaaltrakt wird das neue Aushängeschild des Bauwerks am Zürcher Seebecken. Doch der Weg bis dahin war lang.

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Wird ein Grundstein gelegt, ist das in der Regel der Anfang von etwas Neuem, bisher Nichtexistentem. Diese Botschaft soll auch im Falle des Kongresshauses vermittelt werden, obwohl das Zentrum am See keineswegs neu gebaut wird. Das bestehende Gebäude der renommierten Architekten Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger wird seit einem Jahr lediglich renoviert und umgebaut.

Aber aus Sicht der Kongresshaus-Stiftung und der Stadt ist die Grundsteinlegung des neuen (!) Gartensaaltraktes am Mittwochnachmittag so etwas wie ein Meilenstein zum umgestalteten Kongresszentrum. Die Stiftung bezeichnet die Neuerungen in diesem Bereich als «Highlights des neuen Raumprogramms».

Viel Platz für grosse Kongresse

Der neue Gartensaaltrakt wird jene Änderung des Kongresshausumbaus sein, die am meisten ins Auge sticht. Der Trakt im Erdgeschoss wird zum General-Guisan-Quai hin deutlich verlängert und beherbergt den neuen, grossen Gartensaal. Er ist unteilbar und hat eine grosse Vorhalle.

Der bisherige Gartensaal wird zu einem Foyer mit Konferenzraum umgenutzt. Der Trakt bietet so gemäss den Planern weiterhin die Flexibilität, mehrere grössere Veranstaltungen nebeneinander durchzuführen, und mit Liveübertragung Platz für Kongresse bis zu 2500 Teilnehmenden. Die grossen Räume im ersten Stock wurden, weil nicht denkmalgeschützt, abgerissen. An dieser Stelle entsteht ein neues Restaurant, das die Aussicht vom Konzertfoyer zum See hin zulässt.

Zudem werden bis Spätsommer 2020 nach den Plänen der Arbeitsgemeinschaft Elisabeth und Martin Boesch Architekten (Zürich) und Diener und Diener Architekten (Basel) die Infrastruktur von Kongresshaus und Tonhalle erneuert und den heutigen Anforderungen angepasst. So verschwinden auch die beiden Clubs Le Bal und Adagio, was Raum gibt für ein weiteres Foyer sowie Garderoben- und Übungsräume für die Musikerinnen und Musiker. Die Tonhalle-Säle bleiben erhalten, sind sie doch weltweit für ihre Akustik bekannt.

Was bisher geschah

Dem Kredit von 165 Millionen Franken für den Umbau haben drei Viertel der Zürcher Stimmbürger im Juni 2016 zugestimmt. Damit soll das Gebäude bis 2020 aber auch dem Ursprungsbau von Haefeli/Moser/Steiger von 1939 angenähert werden. Doch der Weg dahin war ein langer.

  • 2013: Der Stadtrat gibt bekannt, dass er auf das Kongresshaus am See setzt und das bestehende Gebäude umbauen will. Grund für diesen Entscheid ist neben den fehlenden Alternativstandorten für ein Kongresshaus auch die Tatsache, dass die Stadt keine Verwendung für das leer werdende Objekt hatte, und die Einsicht, dass es in Zürich keinen grossen Plenarsaal sowie kein explizites Kongresshotel braucht.

  • 2009 bis 2012: Die Stadt evaluiert diverse Standorte für ein neues, grösseres Kongresszentrum in der Stadt, unter anderem das Kasernenareal, das Areal Geroldstrasse, das Hochschulgebiet und den Carparkplatz. Das Kasernenareal und das Hochschulgebiet scheiden in einer ersten Phase aus, die beiden anderen in einer zweiten. Das Areal Geroldstrasse steht nicht vollumfänglich zur Verfügung, auf dem Carparkplatz ist der Richtplaneintrag für den Stadttunnel das Hindernis.

  • 2005 bis 2008: Die Stadt und die Kongresshaus-Stiftung gründen zusammen mit Privaten die Zürich-Forum AG. Sie will das Kongresszentrum auf dem Stiftungsgelände und auf dem benachbarten Areal Villa Rosau neu bauen. Der spanische Architekt Rafael Moneo gewinnt den Architekturwettbewerb, doch dem Zürcher Stimmvolk passt der Moneo-Bau nicht. Er füge sich zu wenig in die anderen Bauten am Quai ein, monieren sie. Die Zürcher erteilen dem Projekt im Juni 2008 mit 56,8 Prozent der Stimmen eine Abfuhr.

  • 1980 bis 1985: Das Kongresshaus wird mehrmals um- und ausgebaut. In dieser Zeit entsteht auch der als Bausünde taxierte Panoramasaal.

  • 1937 bis 1939: Die Stadt Zürich und die Tonhalle-Gesellschaft gründen die Kongresshaus-Stiftung Zürich und beauftragen das Architektentrio Haefeli Moser Steiger mit dem Bau des neuen Kongresshauses. Sie integrieren die bestehende Tonhalle in den Bau, was nicht unumstritten war, aber vor allem den widrigen Umständen geschuldet ist. Der Bau soll in nur zwei Jahren bis zur Eröffnung der Schweizerischen Landesausstellung im Sommer 1939 im unteren Seebecken fertiggestellt werden. Doch der Baugrund ist alles andere als einfach. Das Land gehört zu jener Uferzone, die Stadtingenieur Arnold Bürkli Ende des 19. Jahrhunderts auf Seegebiet aufschütten liess. Zuletzt ist die wirtschaftliche Situation schwierig, viele Leute sind arbeitslos. Der Neubau wird so zur Arbeitsbeschaffungsmassnahme.

  • 1900: Diverse Stimmen zweifeln an der Funktionalität und Form der ursprünglichen Tonhalle und werfen die Idee eines Kongresshauses auf.

  • 1893 bis 1895: Die Wiener Architekten Fellner und Helmer bauen die «neue Tonhalle» im Barockstil am damaligen Alpen-Quai. Der Bau wird Trocadero genannt.

  • 1868 bis 1895: Als alte Tonhalle dient ein Kornhaus auf dem Sechseläutenplatz. Es entsprach den Bedürfnissen der Kornlagerung nicht mehr. 1896 wird der Bau abgebrochen.

Wer sich selber ein Bild von der Baustelle machen will, der kann sich für eine einstündige Baustellenbesichtigung anmelden.

Baustellenbesichtigung: 10. August und 7. September, jeweils 17 bis 18 Uhr. Anmeldung erforderlich.

Erstellt: 04.07.2018, 15:27 Uhr

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