Zum Hauptinhalt springen

Ein Virus geht viral

Zürcher Restaurants weisen Gäste aus China ab. Legitime Vorsichtsmassnahme oder Rassismus?

Das Restaurant Beyond möchte keine Gäste mehr bewirten, wenn sie direkt aus China kommen. Foto: Andrea Zahler
Das Restaurant Beyond möchte keine Gäste mehr bewirten, wenn sie direkt aus China kommen. Foto: Andrea Zahler

Fast hätte die Begrüssung in einem Desaster geendet: Ich besuchte letztes Wochenende eine Party, als ein Freund, der immer wieder Künstler aus China bei sich beherbergt, mir zwei asiatisch aussehende Personen – vermutlich aus China – vorstellte. «Aha, das Coronavirus ist also auch da», wollte ich einen Witz machen. Zum Glück schaltete ich im letzten Moment mein Gehirn ein.

Seit einem Monat wird die Corona-Saga über die Medien weltweit per Liveticker verbreitet, das Virus ist viral gegangen, doch die gesundheitliche Katastrophe ist bislang ausgeblieben. Schon beginnen sich viele zurückzulehnen und sagen: «Schon wieder Fehlalarm.» Andere scheinen von Panik ergriffen, was nun zu einer anders gearteten Krankheit führt: Asiaten werden diskriminiert. Die Bedrohungslage durch das Virus verwandelt sich in eine für Asiaten.

Wie gefährlich das Virus wirklich ist, wissen wir nicht, aber Vorsicht ist angezeigt.

So meldete die chinesische Botschaft in Deutschland, Chinesen würden vermehrt angefeindet. In Berlin soll eine 23-jährige Chinesin beleidigt, bespuckt und zu Boden gerissen worden sein. Derweil geht in den sozialen Medien der Hashtag «Je ne suis pas un virus» viral, unter dem Twitterer sich gegen Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit wehren.

Weniger drastisch, aber für manche Beobachter genauso rassistisch, sind die Massnahmen einiger Zürcher Restaurants. Sie lehnen direkt aus China angereiste Gruppen ab. Das Virus, sagen Kritiker, sei nicht gefährlicher als ein hundskommunes Grippevirus, diese Massnahmen also diskriminierend. Andere beurteilen die Vorsichtsmassnahmen der Restaurantbetreiber als vernünftig im Sinne des Gemeinwohls.

Wie gefährlich das Virus wirklich ist, wissen wir nicht, Vorsicht ist also angezeigt. Falsch aber ist es, die tief sitzenden Ängste vor dem unsichtbaren Virus ungefiltert auf jene zu übertragen, die es womöglich in sich tragen. Lieber verzichtete man also auf Sprüche, wie ich einen auf der Party machen wollte, und übt sich stattdessen in Mitgefühl. Eine Strategie, die sich im Zweifelsfall immer empfiehlt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch