Zum Hauptinhalt springen

«Ein Volvo zum Ersten, zum Zweiten...»

Jeden Donnerstag kommen im Gantlokal Hard gepfändete oder beschlagnahmte Gegenstände unter den Hammer: Autos, Handys, Armeehelme.

Gantmeister Kurt Röthlisberger treibt die Preise mit lockeren Sprüchen in die Höhe: «Was, föif Schtutz? Machsch mi fertig!»
Gantmeister Kurt Röthlisberger treibt die Preise mit lockeren Sprüchen in die Höhe: «Was, föif Schtutz? Machsch mi fertig!»
Peter Lauth

Donnerstagnachmittag, kurz nach 13 Uhr: Die ersten Personen warten ungeduldig vor dem Gantlokal Hardau im Parterre des Hardau-Hochhauses. Pünktlich um 13.30 Uhr öffnet Gantmeister Kurt Röthlisberger die Türen. Immer mehr kommen. Inzwischen sind es über 60, die in den Gantraum drängen. Dort liegen gefundene, gepfändete oder beschlagnahmte Gegenstände auf Tischen und in Kisten.

Es sind fast ausschliesslich resolute Männer, die sich mit den Ellbogen einen Weg durch die Waren bahnen. Elektrogeräte werden in die Hände genommen, von allen Seiten inspiziert. Die Gegenstände sind mit Nummern versehen, einige Männer machen sich Notizen, welche davon sie später ersteigern wollen. Eingeladen hat das Stadtammann- und Betreibungsamt 5. Gastgeber ist Kurt Röthlisberger: «Vieles hier kommt von den Betreibungsämtern. Anderes hat die Polizei beschlagnahmt. Möbel, Kleider oder Bilder von ausgewiesenen Personen oder nach Wohnungsauflösungen erhalten wir von den Sozialämtern.» Ebenfalls im Gantangebot: Fundsachen aus VBZ-Fahrzeugen.

Der 43-jährige Joe Zeller ist regelmässig an der Gant in der Hardau. Er sei Bauunternehmer in Schaffhausen. «Bei uns ist an der Gant nicht so viel los. Hier habe ich schon manches Schnäppchen erstanden», sagt der Nordschweizer. Für einige Männer wirkt die Gant als soziales Auffangnetz. «Viele sind Stammkunden und kommen jede Woche», sagt Urs Güney, einer der städtischen Angestellten im Gantteam.

Als Erstes kommt ein Diesel-Volvo unter den Hammer, der gepfändet worden ist. Zwei Männer leisten sich um den Kaufpreis einen Kampf zuerst in Schritten von 1000 dann von 100 Franken nach oben. Für 17'100 Franken geht er an einen älteren, gediegen gekleideten Herrn: ein Händler, der ihn weiterverkaufen wird. «Auf dem Occasionsmarkt hätte er vielleicht 30'000 Franken bezahlt», sagt Röthlisberger.

Rund 100 Personen sitzen mittlerweile auf der wie in einem Kino ansteigenden Bestuhlung des Lokals. Für 10 Franken pro Stück kauft ein Mann in der ersten Reihe gleich mehrere Radierungen. Auch er will sie weiterverkaufen. Dann geht es um Zeichnungen, die angeblich von Picasso sein sollen. Auch für sie kriegt der türkisch sprechende Mann in der ersten Reihe den Zuschlag. Eine Kiste mit Nippes, verschiedenen kleinen Gegenständen, kommt für 50 Franken unter den Hammer.

Armeehelm und Felldecke

Röthlisberger treibt die Gebote mit hemdsärmligen Sprüchen nach oben: «Was, föif Schtutz? Machsch mi fertig!» Bezahlt wird bar auf die Hand, die Ware muss sofort mitgenommen werden. Wiederholt mahnt Röthlisberger mit sonorer Stimme eine Gruppe von Männern, auf ihren Plätzen sitzen zu bleiben. Zur Begutachtung hätten sie eine halbe Stunde vor der Versteigerung Zeit gehabt. Die Waren sind auch jeweils auf der Website des Stadtammann- und Betreibungsamtes 5 einzusehen.

Als Nächstes wird um ein Autoradio mit CD-Wechsler geboten. Ein korpulenter Südländer geht bis 80 Franken mit, dann steigt er aus. 100 Franken sind ihm zu viel. Stattdessen ergattert er sich für 40 Franken zwei Handys mit je einem Ladegerät. Ob er die Geräte vor der Versteigerung getestet habe? «Funktionieren weiss i nüt», antwortet er und entblösst beim Lächeln einen letzten übriggebliebenen Schneidezahn. Deutlich teurer wird es für einen Herrn, der einen Brillantring ersteigert. 1800 Franken ist er ihm wert. Als speziellstes Stück ersteigert eine der wenigen Frauen einen Armeehelm mit einer Felldecke und einem Tornister.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch