Einblick in Zürichs am strengsten bewachte Baustelle

Das Zürcher Polizei- und Justizzentrum (PJZ) gleicht einer Festung. Nun steht der erste Stock des gigantischen Baus.

Fortschritt: Der Rohbau des Zürcher Polizei- und Justizzentrums ist zu rund 60 Prozent erstellt. Video: Tamedia/SDA

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Zutritt nur mit Bewilligung: Das knapp 500 Meter lange Gelände, auf dem das Polizei- und Justizzentrum Zürich (PJZ) entsteht, ist strengstens bewacht. Überall sind Kameras und Bewegungsmelder montiert, Securitas-Mitarbeiter riegeln die Ein- und Ausgänge hermetisch ab. Im Sommer 2017, kaum war die Baustelle eröffnet, kam es zu einem vermutlich politisch motivierten Brandanschlag. 14 Monate sind seit der Grundsteinlegung vergangen. Wer in den vergangenen Wochen an der PJZ-Baustelle vorbeigefahren ist, wird festgestellt haben, wie schnell der Bau in die Höhe schiesst.

So gross wie sechs Fussballfelder

«Das hohe Tempo ist so geplant, wir sind bestimmt Zürichs am schnellsten wachsende Grossbaustelle», sagte heute Donnerstag PJZ-Projektmanager Hans-Rudolf Blöchlinger vor den Medien. Das erste Stockwerk des PJZ stehe, teilweise rage das Gebäude bereits bis zur vierten von sechs geplanten Etagen empor, sagte er. «60 Prozent des Rohbaus sind fertig», sagt Blöchlinger, «zurzeit arbeiten auf der Baustelle 250 Bauleute.» Im nächsten Jahr, nach der Aufrichte, sollen es 1000 sein.

Der Rohbau dürfte im Spätsommer 2019 fertig erstellt sein. 2021 soll das Gebäude dem Kanton übergeben werden, der dann gemäss Blöchlinger noch die Spezialeinrichtungen einbaut und die betrieblichen Tests an Gefängnis und Sicherheitssystemen vornimmt. Ab 2022 wird das PJZ dann gestaffelt bezogen.

Die Zahlen zum Bau imponieren: Die Grundstücksfläche des PJZ entspricht mit 40'000 Quadratmetern sechs Fussballfeldern. Bis jetzt wurden über 40'000 Kubikmeter Beton sowie über 6000 Armierungseisen verbaut. Hier entstehen 1800 Arbeitsplätze, dazu kommen 150 Gefängniszellen, die das provisorische Polizeigefängnis auf dem Kasernenareal überflüssig machen. Die Kosten für das modernste Kompetenzzentrum für die Bekämpfung der Kriminalität der Schweiz: 568,6 Millionen Franken. Nur ein Gebäude, das in der Schweiz erstellt wird, ist noch grösser und teurer: The Circle beim Flughafen.

Beton wird vor Ort gemischt

Wenn alles nach Plan läuft, werden Anfang 2022 die Kantonspolizei, das Forensische Institut, die Polizeischule, die Staatsanwaltschaft, der Justizvollzug und das Zwangsmassnahmengericht im PJZ einziehen. Heute sind diese Behörden über mehr als 30 Standorte in der ganzen Stadt verteilt. Diese Zusammenlegung ist einer der Gründe, weshalb Blöchlinger das PJZ als das komplexeste Bauvorhaben der Schweiz bezeichnet. Eine der grössten Herausforderungen bestehe darin, die künftigen Abläufe der unterschiedlichen Polizei- und Justizabteilungen mit den entsprechenden Sicherheitsanforderungen so aufeinander anzupassen und abzustimmen, dass künftig alle Abteilungen und Dienste reibungslos unter einem Dach arbeiten können.

«Das PJZ ist das
komplexeste Bauwerk
der Schweiz.»
Hans-Rudolf Blöchlinger
Projektdelegierter PJZ

Bei der Baustellenbesichtigung staunt der Laie. Der Beton beispielsweise wird vor Ort gemischt. Dazu stehen auf dem Areal zwei Betonmischanlagen, die pro Mischvorgang 1,7 Kubikmeter Beton herstellen. Dieser Beton wird in vier Silos zwischengelagert. Für diese Menge Beton müssten ungefähr 18 Betonmischfahrzeuge zur Baustelle fahren.

Einen ersten Eindruck des fertigen Baus bekommt man beim Baustelleneingang. Dort steht ein Modell der Fassade. Diese besteht aus gletschergrünen schimmernden Steinplatten aus dem Walliser Steinbruch Salvan. Ebenfalls beim Eingang sind grosse, eingeschlagene Fensterscheiben aufgehängt. Hier haben Polizisten getestet, wie bruchsicher verschiedene Glassorten auf Steinwürfe reagieren.

Inforaum für die Bevölkerung

Wer sich für das Bauprojekt genauer interessiert, der hat dazu im Herbst Gelegenheit. Für die Bevölkerung wurde extra ein Inforaum geschaffen. In diesem wird nebst einem PJZ-Modell eine Übersicht über das gesamte Bauvorhaben in Form einer historischen Chronologie gezeigt. Dazu läuft auf einer grossen Leinwand ein Drohnenfilm in einer Endlosschleife, der die gesamte Baustelle aus der Vogelperspektive zeigt, und auf einem Monitor werden Fotos von der Baustelle gezeigt.

Der Inforaum ist jeweils am ersten Freitag des Monats von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet, erstmals am 5. Oktober. Weitere Daten: 2. November und 7. Dezember. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2018, 17:10 Uhr

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