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Psychologie einer Abrechnung

Was lesen wir aus Corine Mauchs Blick? Den Showdown mit Filippo Leutenegger analysiert Experte Marcus Knill.

Filippo Leuteneggers Emotionen und Corine Mauchs Kontrollblick: Welche Noten vergibt der Rhetorikexperte für diesen Auftritt? Video: Lea Blum und Hannes Weber

Die Stadtzürcher Linke hat bei der gestrigen Departementsverteilung ihre Macht demonstriert: Der freisinnige Stadtrat Filippo Leutenegger muss das zentrale Tiefbaudepartement abgeben. Auf diesen Entscheid reagiert er mit einer Abrechnung vor laufender Kamera und kritisiert den Entscheid. Auch der vom Sicherheitsdepartement zum Tiefbau versetzte Richard Wolff (AL) zeigte sich unzufrieden.

«Das ist sicher keine Bagatelle», sagt der Experte für Medienrhetorik, Marcus Knill. Für ihn hat der Stadtrat als Gremium hier eine wichtige Kommunikationsregel gebrochen: «Wasche deine Wäsche intern – und rede gegen aussen mit einer Stimme.» Dass sie nicht eingehalten werden konnte, sei problematisch und könne noch ungeahnte Folgen haben.

«Mauch signalisiert Präsenz und Selbstsicherheit.»

Marcus Knill

Auffällig war die Reaktion von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) auf den Klartext von Leutenegger. Sie fixiert ihren Kollegen richtiggehend und wendet ihren Blick nur kurz von ihm ab.

«Ich interpretiere das als eine Art Kontrollblick», sagt Knill. «Mauch signalisiert damit Präsenz und Selbstsicherheit, obwohl sie von den harschen Worten wohl überrascht ist.» Sie zeige ihrem Kollegen zudem, dass sie ihm ganz genau zuhöre.

Gleichzeitig habe sie damit ihre Rolle als Chefin souverän gespielt. «Alles an ihr war gefasst. Man merkt, dass Corine Mauch genau weiss, dass ihr nichts passieren kann. Sie sitzt fest im Sattel.»

«Leutenegger hat seine Rede geschickt inszeniert.»

Marcus Knill

Aber auch Filippo Leutenegger bekommt von Knill gute Noten. «Er hat seine Rede geschickt inszeniert und wusste genau, wann er was sagt.» Man merke zwar, dass er enttäuscht und wütend war. «Doch er konnte die Emotionen steuern.» Und emotional vermittelte Argumente kämen besser an, sagt Knill. «Ich könnte mir vorstellen, dass der bedachte Auftritt Leuteneggers sogar Mitleid auslöst.»

Jetzt sieht Marcus Knill aber die Stadtpräsidentin in der Pflicht. «Kommunikation ist Chefsache. Wenn sie im Stadtrat intern nicht funktioniert, ist nun Mauch gefordert.» Das heisse jetzt auch, dass sie nicht zu selbstsicher auftreten dürfe und sie der internen Aushandlung höchste Priorität einräumen müsse.

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