Eine Ecke des neuen Zürcher Stadions steht bereits

Das geht aber schnell! Ein Stück der Swiss-Life-Arena in Altstetten nimmt Gestalt an. Das Mock-up mit Bullaugen.

Eine Vorahnung: Dieses Anschauungsmodell der neuen ZSC-Heimat steht an der Vulkanstrasse.

Eine Vorahnung: Dieses Anschauungsmodell der neuen ZSC-Heimat steht an der Vulkanstrasse. Bild: Tom Egli

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Ein grosses rundes Fensterloch und eine blendend weisse, geschwungene Fassade. An der Vulkanstrasse, zehn Fussminuten vom Bahnhof Altstetten entfernt, steht bereits ein Stück ZSC-Arena.

Das ganze Areal ist mit einem orangen Bretterzaun eingerüstet. Betreten verboten. Und ganz im Westen, in der Ecke der riesigen, geebneten Baustelle, vom Zug aus gut zu sehen, steht bereits ein etwas surreal aussehendes Stück Gebäude.

Ganz in Weiss: Die geschwungene Fassade prägt das Aussehen der Arena. Bild: Tom Egli

Der erste Gedanke bei diesem Anblick ist: Wir haben uns die Swiss-Life-Arena, wie das Stadion der ZCS Lions heissen wird, grösser vorgestellt. Es wird auch grösser: «Was seit einigen Tagen auf der Grossbaustelle steht, ist lediglich ein Mock-up, ein Anschauungsmodell», erklärt Bruno Vollmer, der interne Projektleiter der ZCS Lions. «Und zwar im Massstab eins zu zwei.»

Das Aufstellen einer solchen Attrappe wurde vom Amt für Städtebau verlangt, damit die Fachleute überprüfen können, ob die Ausführung in Form, Farbe und Material dem entspricht, was bewilligt wurde. Das sei bei solchen Grossprojekten so üblich, sagt Vollmer.

Freundlich wirkende Bullaugen

Das aufgestellte Element zeigt ein Stück Fassade, ein Fenster, eine Tür und eine Arkade. Die Fassade entspricht dem, was wir von den Visualisierungen des Büros Caruso St John Architects her kennen, welche den Projektwettbewerb für das neue Stadion der ZSC Lions für sich entschieden.

Die runden Fenster, die an Bullaugen erinnern, wirken sogar etwas freundlich, die Fassade scheint elegant. Aber was ist mit den Säulen passiert? Müssen die so bauchig, ja geradezu flaschig sein? In den Plänen sind sie schlicht grau und gerade. Trotzdem ist der erste Eindruck: Das kommt gut.

So soll sie einmal aussehen: Visualisierung der Swiss-Life-Arena. Bild: ZSC Lions

«Das kommt gut», ist auch Vollmer überzeugt. Terminlich sei man gut unterwegs. Derzeit werden die erforderlichen Pfähle gesetzt, danach kann das Stadion wirklich in die Höhe wachsen. Dann aber im Massstab eins zu eins.

Der Löwenkäfig geht 2022 in Betrieb

Es dürfte eine interessante Baustelle werden, denn die Elemente werden nicht etwa vorgefertigt geliefert und vor Ort zusammengesetzt, sondern auf dem Platz produziert und betoniert. Geplant ist, dass der «Löwenkäfig» in Altstetten 2022 in Betrieb genommen werden kann.

Einige Arbeiten im Bereich der Erschliessung werden voraussichtlich allerdings etwas länger brauchen: So etwa die Überführung, welche die Tramhaltestelle Werdhölzli mit der Arena verbindet. Anderes dürfte bereits vorher vollbracht sein, hoffen wenigstens die Fans der ZSC Lions: die Überwindung der sportlichen Baisse der ersten Mannschaft, die erstmals seit dreizehn Jahren die Meisterschaftsrunde verpasste.

Die neue Eishockeyarena wird Platz für 12'000 Fans bieten. Damit richtig Stimmung aufkommt, ist hinter dem einen Tor eine Stehrampe für die Hardcore-Fans vorgesehen. Im Aussenbereich entsteht ein öffentlich zugängliches Restaurant.

Zur neuen Arena gehört zudem ein Trainingsfeld, damit auch das Frauenteam und die Junioren genügend Eiszeit erhalten. Zu gewissen Zeiten soll dieses auch der Zürcher Bevölkerung für ganz gewöhnliches Schlittschuhlaufen offen stehen.

Wie steht es beim Hardturm?

Es war ein langer Weg dahin, findet die Immobilienabteilung der ZSC Lions: Im März dieses Jahres, anlässlich des Spatenstichs, schrieb sie in ihrer Medienmitteilung: «Nach einer achtjährigen Planungs- und Bewilligungsphase ist es endlich so weit und die ZSC Lions können mit den Bauarbeiten beginnen.» Endlich! Was sollen denn da erst die Fussballclubs sagen?

Keine zwei Kilometer Luftlinie von der künftigen Swiss-Life-Arena liegt die Brache des ehemaligen Hardturm-Stadions. Im Moment ist sie von Wohnwagen belegt. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass hier demnächst ein Fussballstadion entstehen könnte.

Bereits 2008 wurde das legendäre Stadion abgerissen, noch ist alles andere als klar, wann der Neubau eröffnet wird. Zwar hat die Stimmbevölkerung im letzten November im dritten Anlauf das Stadionprojekt angenommen, doch vom Spatenstich ist man noch weit entfernt.

Im Zeitplan

Zuerst galt es noch, eine Stimmrechtsbeschwerde abzuklären. Diese hat sich, wie Anfang April mitgeteilt wurde, definitiv erledigt. Derzeit ist gemäss Auskunft des städtischen Finanzdepartements der private Gestaltungsplan zuhanden des Stadtrates in Arbeit.

Dieser wird dann dem Gemeinderat vorgelegt. Der Entscheid sollte dort laut Plan im Spätsommer fallen. Man sei zeitlich im Plan, heisst es bei der zuständigen Stelle. Im Parlament wird er wohl durchgehen, doch damit ist nicht das letzte Wort gesprochen.

Gegen den Gestaltungsplan kann ein Referendum ergriffen werden, gegen die nachfolgenden Schritte, vorab gegen die Baubewilligung, sind Rekurse möglich, die bis ans Bundesgericht gezogen werden könnten. Darob können leicht einmal sechs Jahre ins Land ziehen. Die Bauzeit beträgt rund drei Jahre.

Derzeit hofft man bei der Stadt, dass kein Gang durch die Gerichte bevorsteht. «Konkret wissen wir es aber erst, wenn der Gestaltungsplan öffentlich aufliegt beziehungsweise die Baubewilligung vorliegt und die Fristen abgelaufen sind», sagt Catharina Fingerhuth von der Medienstelle.

Doppelt Grund zum Feiern

Unumstritten war das Projekt allerdings nicht, so wehrten sich Bewohnerinnen und Bewohner von Höngg gegen die ihrer Meinung nach allzu hohen Gebäude.

Im zweitschlimmsten Fall für die Befürworter des neuen Hardturms wäre also erst 2028 Anpfiff. Im schlimmsten, hiesse es Abpfiff. Läuft allerdings alles rund, wäre auch der Hardturm 2022 fertig. Dann könnten Fussball-Fans und Eishockeyaner gemeinsam feiern.

Erstellt: 02.05.2019, 13:07 Uhr

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