Eine neue Einkaufsmeile für Zürich

Ein Architekt möchte entlang des Seebahngrabens ein 1200 Meter langes Gebäude erstellen – mit Läden, Bars oder Galerien.

Ein flaches Gebäude entlang des Bahngrabens soll die Seebahnstrasse zum attraktiven Seebahnquai aufwerten.

Ein flaches Gebäude entlang des Bahngrabens soll die Seebahnstrasse zum attraktiven Seebahnquai aufwerten. Bild: PD

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Sozusagen aus dem Nichts ist der Seebahngraben zum städtebaulichen Brennpunkt geworden. Der Bahngraben verläuft zwischen Bahnhof Wiedikon und Hohlstrasse und trennt die Stadtkreise 3 und 4. Anfang Woche hat die Gruppe Greulich um Hotel-Greulich-Besitzer Thomas Brunner und Immobilienentwickler Steff Fischer eine Idee präsentiert, welche die Überdachung des Grabens vorsieht. So würde Raum für einen Park entstehen.

Nun präsentiert der im Quartier tätige Architekt Stephan Brunner einen weiteren Vorschlag, wie der Graben zu einer Attraktion umgestaltet werden könnte: mit einem flachen, eingeschossigen Gebäude, das entlang des rund 1200 Meter langen Bahneinschnitts entstehen soll. Das Gebäude käme über die Böschung zu liegen. Die beiden Ideen seien unabhängig voneinander entstanden, sagt Architekt Brunner. Er habe nichts gewusst von den Plänen der Gruppe Greulich.

Mit anderen Worten: Es ist Zufall, dass der Seebahneinschnitt gerade jetzt wieder zum Thema geworden ist. Die Diskussion über seine (Um-)Nutzung hatte in den letzten Jahren geschlummert. Letztmals war diese 2014 ein Thema, als der Gemeinderat ein CVP-Postulat ablehnte, welches auf dem Graben Raum für Kleingewerbe schaffen wollte.

Wie beim Viadukt

Der Vorschlag von Stephan Brunner erinnert an die Umnutzung der Viaduktbögen im Kreis 5. Dort entstanden zwischen den Steinträgern des Eisenbahnviadukts Läden und Restaurants – so wurde eine Einkaufsmeile geschaffen, welche zusammen mit der Josefswiese auch ein Naherholungsgebiet darstellt.

Ginge es nach Architekt Brunner, würde am Seebahngraben eine ähnliche Mischung entstehen. Dass eine Nachfrage nach Restaurants, Läden und Cafés bestünde, davon ist Stephan Brunner überzeugt: Im Polizei- und Justizzentrum, das derzeit bei der Hohlstrasse entstehe, würden 1600 Arbeitsplätze geschaffen – doch es gebe dort noch kaum öffentliche Infrastruktur. Denkbar wäre laut Brunner, dass auch Büros, Ateliers, Galerien oder Veloparkplätze in der Anlage untergebracht werden könnten.

Der Seebahngraben mit dem vorgeschlagenen Bau (rot).

Architekt Brunner nennt sein Projekt Seebahnquai, wobei dieses an einzelnen Stellen, etwa zwischen Badenerstrasse und Hohlstrasse, auch eine Parkfläche darstellen könne. Zudem würde die Wiesenböschung unterhalb des Quais einen wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere darstellen, so Brunner.

Schutz gegen den Lärm

Aus Sicht von Stephan Brunner spricht eine ganze Reihe von Argumenten für seinen Vorschlag: Erstens würde die Seebahnstrasse aufgewertet. Heute sei diese auf der Seite des Grabens ein Unort, mit der Folge, dass das Trottoir entlang des Einschnitts von Fussgängern gemieden werde. Zweitens hätte das neue, flache Gebäude auch die Funktion einer Lärmschutzwand. Der Lärm der im Graben verkehrenden Züge würde stark reduziert, wovon die Häuser auf der anderen Seebahnstrassenseite profitieren würden.

Im Gegensatz zur Überdeckungsidee der Gruppe Greulich wäre der Seebahnquai-Vorschlag zudem weniger teuer und städtebaulich passender: Die Zuglinie würde spürbar bleiben und die Natur ihren Raum behalten.

Eine Gegenidee zum Vorschlag der Gruppe Greulich sei das Seebahnquai aber nicht, so Stephan Brunner – schon deshalb nicht, weil sein Projekt unabhängig davon entstanden sei. Gleichwohl haben die beiden Initianten inzwischen Kontakt aufgenommen und ein baldiges Treffen vereinbart. Architekt Brunner schätzt die Kosten für sein Quai-Projekt grob auf 60 Millionen Franken.

Stadt: «Sicher prüfenswert»

Bereits hat Stephan Brunner die Seebahnquai-Idee auch der Stadt präsentiert. Matthias Wyssmann, der Sprecher des Hochbaudepartements, bestätigt, dass sich der Architekt im Juni mit seiner Idee ans Amt für Städtebau gewendet habe. Die Idee sei «sicher prüfenswert», sagt Wyssmann. Wenn man den Seebahneinschnitt besser nutzen wolle, müsse es allerdings in erster Linie darum gehen, «die Frei- und Erholungsraumsituation im Quartier zu verbessern», so Wyssmann. «Ob und wie weit dabei untergeordnete Bauten in den Randbereichen möglich und zweckmässig sind, würde man in einer späteren Planungsphase entscheiden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2017, 13:06 Uhr

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