Eine Show für den grössten Zürcher Showmaster

Freddy Burger feierte gestern im Theater 11 sein 50-Jahr- Firmenjubiläum. Die Show zeigte noch einmal den Einfluss des Unternehmers auf die ganze Stadt.

Am Schluss stand die Familie Burger auf der Bühne und liess sich feiern.

Am Schluss stand die Familie Burger auf der Bühne und liess sich feiern. Bild: Sabina Bobst

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Ganz am Schluss stimmt Pepe Lienhard mit seiner Bigband «Ich war noch niemals in New York» an. Die 650 Leute im Saal stehen auf, klatschen und singen die Textzeilen mit, die von der Sehnsucht handeln. Es ist der Höhepunkt einer dreistündigen Show, die gestern im Theater 11 in Oerlikon zu Ehren eines Grossen des Schweizer Showgeschäfts abgehalten wurde: Freddy Burger feierte sein 50-Jahr-Jubiläum als Showveranstalter.

Burger hatte seinen Lebensmittelpunkt nicht in New York, sondern in Zürich. Doch wies sein Leben Parallelen zu jenem im westlichen Epizentrum des Entertainments auf. Freddy Burger war Showbusiness, wie einer nur Showbusiness sein kann im beschaulichen Zürich. Dies zeigte nicht zuletzt die Gästeliste am gestrigen Abend. Die Stadtpräsidentin war gekommen, Ex-Bundesrat Ogi und gefühlt alle Promis, die in Funk und Fernsehen in den letzten Jahrzehnten eine Rolle gespielt haben.

Als die Kneipen um 23 Uhr schlossen

Nik Hartmann führte durch die Jubiläumsshow, die, natürlich!, aufwendig und einwandfrei produziert war. Man befand sich schliesslich in Burgers eigenem Theater, das international erfolgreiche Musicals zeigt.

Adolf Ogi überreichte Burger einen Kristall. Foto: Sabina Bobst

In Einspielungen, Livemusik und Gesprächsrunden zeichnete die Show noch einmal die wichtigsten Stationen von Burgers Geschäftsleben nach. Angefangen bei seiner Tätigkeit für die Zürcher Beat-Band Les Sauterelles, die er Mitte der Sechzigerjahre als junger Impresario managte. Die graumelierten Herren rund um die Band von Toni Vescoli rauften sich für den Abend noch einmal zusammen und spielten ihren Hit «Heavenly Club».

Dieser erste Block der Show gab auch einen Einblick ins Zürich der 60er-Jahre: Kneipen schlossen um 23 Uhr, die Frauen durften nicht abstimmen. «In Zürich herrschte ein bünzliges Lebensgefühl, musikalisch war hier tote Hose», sagte der Musikjournalist Beat Hirt in der ersten Gesprächsrunde auf der Bühne, in der auch Toni Vescoli sass.

Harter und verlässlicher Verhandlungspartner

In dieses Zürich stapfte nun eben vor 50 Jahren dieser Freddy Burger, ausgestattet nur mit seiner Aktentasche und der Absicht, die «Freizeit der Nachkriegsgeneration zu organisieren». So sagte er das im Gespräch ein paar Tage vor der Show in seinem Büro in Hottingen. Burger gründete die Zürcher Nachtclubs Blackout und Mascotte, managte Pepe Lienhard oder Katja Ebstein, war bald auf Du und Du mit den Grössen des Geschäfts und bekannt als ebenso harter wie verlässlicher Verhandlungspartner.

Wolfgang Beltracchi malte während der Show ein Porträt von Freddy Burger. Foto: Sabina Bobst

«Freddy Burger machte etwas aus seinem Talent. Er wurde zum Unterhaltungskönig der Stadt», fasste es die Stadtpräsidentin Corine Mauch in ihrer Laudatio zusammen. Und lieferte auch eine Pointe: Burger sei immer etwas gekränkt gewesen, weil er ihre Handynummer nicht hatte, zumal er zu ihren Vorgängern immer den direkten Draht besass. Zwar könne sie ihm die Ehrenbürgerschaft nicht geben, diese sei für den Abt des Klosters Einsiedeln reserviert. Sie wolle Burger nach der Show aber noch ihre Handynummer geben, sagte sie schliesslich. Das Publikum lachte.

Freddy Burger und seine Frau Isabella. Hinter dem Paar Adolf Ogi mit Frau Katrin. Foto: Sabina Bobst

Filmische Einspieler zeigten wichtige Stationen Burgers: 1976 die Gründung der Firma Good News, 1977 die Produktion des Musicals «Tell», in dem Toni Vescoli den Wilhelm Tell gab. Das Stück floppte laut Burger auch deshalb, weil darin der Nationalheld kritisch hinterfragt worden sei. Auf künstlerische Experimente liess sich Burger fortan nicht mehr ein. Ende der Siebzigerjahre gelang ihm sein grösster Coup, Burger wurde Manager von Udo Jürgens.

Fast 40 Jahre mit Udo Jürgens

Dem vor fünf Jahren verstorbenen Schlagerstar war ein ganzer Abschnitt der Show gewidmet. Kein Wunder: In fast 40 Jahren Zusammenarbeit sammeln sich die Geschichten an. Udo Jürgens, wie er auf 4000 Meter auf einem Flügel spielt, Udo Jürgens als Playboy des Zürcher Nachtlebens in seiner Wohnung oberhalb des Club Mascotte. Die Schlagersängerin Katja Ebstein sang, alleine von einem Piano begleitet, gegen Ende des Blocks Jürgens Stück «Ich weiss, was ich will». Ein berührender Moment.

Seven interpretierte das Udo-Jürgens-Stück «If I Never Sing Another Song». Foto: Sabina Bobst

Die Show schlug den Bogen zur Zeit, in dem Burger die Musicals für sich entdeckte. «Mamma Mia», «Grease», «West Side Story», «We will rock you»; sie sind alle von Burgers Firma FBM produziert, die 200 Mitarbeiter beschäftigt. 2006 schliesslich die Eröffnung seines Theaterhauses in unmittelbarer Nachbarschaft, wo er auch aufgewachsen ist. Der ehemalige Stadtrat Martin Vollenwyder strich Burgers lebenslange Verbundenheit mit dem Triangel Hallenstadion, Offene Rennbahn und Stadthof 11 hervor. Ebenso seine Leistungen als Arbeitgeber – und scherzhaft auch als Steuerzahler, der stets in der Stadt sesshaft blieb.

Und schliesslich fanden natürlich auch die Auszeichnungen Erwähnung, die Burger in den Jahrzehnten seines Engagements sammelte: Ehrenmedaille der Stadt Zürich, Zürcher Hotelier-Preis, Swiss Nightlife Award für das Lebenswerk. Es kamen an diesem Abend dazu: ein Ziegelstein, eine originale Rose d’Or und ein von Adolf Ogi mit Pathos überreichter Kristall.

Corine Mauch gab Freddy Burger nach der Show ihre Handynummer. Foto: Sabina Bobst

Das alles konnte aber nicht über seine zurückhaltende Art hinwegtäuschen. «Ich bin total überfordert», sagte Burger gegen Ende des Abends, als auch seine Frau Isabella und die Söhne mit ihm auf der Bühne standen. Er gehe jetzt wieder dahin, wo er sich am wohlsten fühle, nämlich hinter die Bühne.

Die schönste Stadt der Welt

Sein Sohn Oliver bedankte sich ebenfalls bei ihm. Er übernimmt seit einigen Jahren die Geschäfte seines Vaters Stück für Stück, während der Patron in kleinen Schritten damit beginnt, seine Freizeit zu organisieren.

Beat Hirt, Toni Vescoli und Freddy Burger (v.l.) sprechen über früher. Foto: Sabina Bobst

Als Pepe Lienhard «Ich war noch niemals in New York» intonierte, kam einem der Satz in den Sinn, den Burger im Gespräch äusserte: «Zürich war für mich immer die schönste Stadt der Welt.» Diese Stadt und die ganze Schweiz sagte dem 74-Jährigen gestern Danke. Dafür, dass er nicht wegging, sondern hier nach seinen Möglichkeiten die Leute auf eine Weise unterhielt wie keiner vor ihm.

Erstellt: 06.12.2019, 16:10 Uhr

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