Eine Teigspezialität erobert Zürich

Emir Durut und Davud Ibrahimovic backen frischen Burek und gingen mit ihrem neuen Lieferservice viral.

Kommen Sie mit in die Backstube und schauen Sie, wie uns die Gründer von Volimburek ihr Handwerk gezeigt haben. (Video: Jasmine Brönnimann)

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Niedergeschlagen kamen Emir Durut und Davud Ibrahimovic aus einem Geschäftsmeeting in ihren alten Jobs und sehnten sich danach nach einem richtig guten Burek. Doch da gabs nichts. «Die Bureks, die man in herkömmlichen Kebab-Restaurants anbietet, sehen aus, als hätten sie drei Tage weinend in der Ecke gelegen», sagt Ibrahimovic.

Knapp ein Jahr später binden sich die beiden Männer im Co-Working-Space «Das Provisorium» in Zürich-Binz Küchenschürzen um und werfen ein grosses, weisses Tischtuch über einen langen Metalltisch. Bald rollen sie damit die Bureks, die für die Mittagszeit bestellt wurden. Hinter ihnen heizt sich ein mehrstöckiger Ofen auf 240 Grad auf – ein ausrangiertes Exemplar der Bäckerei Buchmann.

Laufend kommen neue Bestellungen rein, über Instagram, per Telefon, über Whatsapp. Ihr Burek-Lieferservice Volimburek – Ich liebe Burek – ging innert kürzester Zeit viral. «Junge Leute mit Wurzeln auf dem Balkan haben unsere ersten Posts über die sozialen Medien geteilt», sagt Durut. Am ersten Wochenende nach dem Startschuss im Juni dieses Jahres lieferten sie über 40 Bureks aus, am zweiten bereits über 80. Mittlerweile bestellen Schweizer Unternehmen ganze Weihnachtsapéros. Soeben haben sie einen Liefervertrag mit einem Gastroriesen abgeschlossen.

Hauchdünner Teig und Geheimrezept

«Burek lebt von den Details», erklärt Durut. Denn die Grundzutaten sind simpel: In den Teig kommen Wasser, Mehl, Salz und Öl. Die Füllung besteht wahlweise aus Käse, Spinat, Fleisch und Kartoffeln. Doch damit man den Teig hauchdünn ziehen kann, muss etwa die Raumtemperatur stimmen. Ist sie zu tief, zieht sich der Teig beim Auswallen immer wieder zusammen. Bei der Füllung setze jede Familie auf ihr Geheimrezept, weitergegeben über Generationen hinweg, von der Grossmutter zur Mutter zur Tochter oder eben zum Sohn.

Wieder kommt eine Bestellung rein. «Zweimal Burek mit Käse für 12.15», ruft Durut Ibrahimovic zu. Der holt einen langen, dünnen Holzstock und beginnt, damit den Teig auszuwallen. «Wir haben erst spät gelernt, wie man Burek macht», sagt Durut und lacht. «Ninja-Stock» nennt er das spezielle Wallholz. «Früher, als Kind, habe ich damit mit meinem Bruder gekämpft, heute kommt der Teig drunter.» Dieser müsse so dünn werden, dass man durch ihn hindurch eine Zeitung lesen könnte.

Davud Ibrahimovic (l.) und Emir Durut (r.) kommen vor lauter Backen kaum noch zum Schlafen. (Foto: Sabina Bobst)

500 Gramm wiegt eine Portion Teig. Am Schluss hat ihn Ibrahimovic über einen Tisch von drei Meter Länge und einem Meter Breite gezogen. Er hat ihn so dünn von Hand ausgewallt, dass er fast durchsichtig ist. Ibrahimovics Mutter sei eine gute, aber auch strenge Lehrerin. 500 Stück, meinte sie, müssten die beiden machen, «dann könnt ihr es auch».

Sie hilft regelmässig aus in der Backstube, zusammen mit einer Kollegin der Neobäcker. Pro Woche gehen rund 250 Bureks raus. Ab und zu bittet einer der beiden darum, sich während der Arbeit kurz hinlegen zu dürfen. Ihre Tage sind lang. Ferien und freie Wochenenden gab es seit Beginn des Lieferservices keine mehr.

«Über den Magen ins Herz»

Durut und Ibrahimovic haben das Potenzial in ihrem Produkt und Service erkannt. Doch für sie sei es auch eine Herzensangelegenheit, «wir leben es». Die Jungunternehmer stammen beide aus Bosnien. Durut erinnert sich, wie seine Mutter jeweils das weisse Tischtuch hervornahm und er als Kind vor Freude die Hände in die Luft warf. «Jeee, es gibt Burek!»

Bei der Arbeit wechseln sie die Sprachen fliessend, sagen, dass sie sich als Schweizer fühlen. Durut wurde in Zürich-Altstetten gross, Ibrahimovic in Schlieren. Sie wussten früh: «Wenn du aus dem Balkan kommst, hast du diesen negativen Stempel.» Mit ihrem Lieferservice wollen sie diesen loswerden. Die Leute sollten den Balkan endlich positiv sehen, finden sie.

«Über den Magen ins Herz», lautet ihr Motto. Als die ersten italienischen Gastarbeiter in die Schweiz gekommen seien, hätten sie die Leute auch nicht gemocht. Heute kenne jedes Kind die italienische Küche. «Wir wollen, dass die Leute Burek wie Pizza und Kebab essen.»

Sie spielen mit Klischees

Daran arbeiten die beiden auch mit Humor. Ihre Bureks liefern sie in orangen Trainerjacken aus, ihre Slogans und Informationen zum Lieferservice schreiben sie in ihrer ganz eigenen Sprache:

Eine ihrer Portionen reicht für vier Personen. Bestelle man trotzdem allein, sei das kein Problem. Abgekühlt und am nächsten Tag schmecke Burek sogar noch besser. Für Veganer gibt es eine Variante mit Kartoffeln, mit glutenfreiem Teig würden sie gerade experimentieren – die Leute mit ihren Bedürfnissen abholen.

Bisher lieferte Volimburek in der erweiterten Region Zürich. Für einen Burek fahren sie nicht nach Luzern, «aber bestell doch drei, dann kommen wir». Die Nachfrage aus anderen Städten wachse, einmal sei jemand aus Sursee nach Zürich gefahren, um seinen Burek abzuholen. Ab und zu rücken die beiden auch an den Hauptbahnhof Zürich aus. Übergabe an Durchreisende, die sich nach einer in Teig gerollten Portion Glück sehnen.

Mehr Informationen: Volimburek.com

Volimburek ist ab Anfang Januar 2020 wieder geöffnet.

Wann und wie isst man Burek?
Burek kann man sowohl als Haupt- als auch Begleitspeise essen. In Südserbien wird er bereits zum Zmorge verspeist. Am besten passt flüssiges Joghurt dazu. (Foto: Volimburek)

Und zum Schluss das Gedicht «I like Burek»
(Foto: Sabina Bobst)

Sehen und lesen Sie in diesem Artikel, wie Tiefkühlburek schmeckt und wo man in der Schweiz den besten Ajvar findet.

Kommen Sie mit in die Backstube und schauen Sie, wie uns die Gründer von Volimburek ihr Handwerk gezeigt haben. (Video: Jasmine Brönnimann)

Erstellt: 27.12.2019, 11:20 Uhr

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