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Eine Trennung mit vielen Ankündigungen

Die ETH versucht, mit der Entlassung einer Professorin einen Schlussstrich zu ziehen. Dabei beginnt die Arbeit erst.

Die dunklen Wolken über der ETH werden sich so schnell nicht verziehen. Foto: Reto Oeschger
Die dunklen Wolken über der ETH werden sich so schnell nicht verziehen. Foto: Reto Oeschger

Die ETH hat reagiert – mit ein paar Jahren Verzögerung. Die Entlassung der Physikprofessorin des ehemaligen Astronomie-Instituts ist zwar die erste in der 164-jährigen Geschichte der Eidgenössischen Technischen Hochschule, dennoch wirkt sie angesichts des unschönen und öffentlichen Verlaufs des Falls wie eine reine Vollzugsmeldung.

Dass der ETH-Rat dem Antrag des neuen ETH-Präsidenten Joël Mesot folgen wird, zeichnete sich ab. Dass der Vertrauensbruch zu gross ist, um ein Arbeitsverhältnis weiterzuführen, ebenfalls. Falsch wäre, die Vollzugsmeldung als Schlussstrich unter die Akte ETH zu betrachten. Nicht nur, weil wohl ein jahrelanger Rechtsstreit mit der Professorin ansteht, sondern weil die eigentliche Arbeit für die Hochschule erst beginnt. Die ersten Medienberichte haben eine Flut an Berichten über weitere Fälle ausgelöst: Mobbing, sexuelle Belästigung, wissenschaftliche Fehlleistungen. An der ETH laufen weiterhin Untersuchungen. Die Fälle reichen teils Jahre zurück.

Bis anhin hat sich die ETH dabei nicht aktiv, sondern verhindernd und im Notfall korrigierend verhalten. So lange, bis es Risse in der Fassade gab und schliesslich alles einbrach. Das ist der renommiertesten Hochschule des Landes unwürdig.

Auf die Vollzugsmeldung folgen also Ankündigungen. Auf diese muss die ETH nun behaftet werden.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat der ETH geraten, bei der Verteilung ihrer Gelder mehr Transparenz zu schaffen und bemängelte die Ombudsstelle als nicht unabhängig.

Die ETH verspricht nun Besserung. Sie will die Ombudsstelle neu organisieren, die Führung verbessern. Die Schulleitung erhält ein neues Vizepräsidium für «Leadership und Personalentwicklung», die Professoren und Professorinnen sollen gecoacht werden. Die Betreuerinnen und Betreuer der Doktorierenden sollen überwacht, und die Mehrfachbetreuung zudem flächendeckend eingeführt werden. Zuletzt will die ETH auch den Frauenanteil bei Professuren erhöhen.

Auf die Vollzugsmeldung folgen also Ankündigungen. Auf diese muss die ETH nun behaftet werden.

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