Eine Zeitmaschine unterwegs durch Zürich

Rund 3000 Kinder marschierten heute durch die Stadt. Der Sechseläuten-Kinderumzug ist Zürichs Historien-Show – wie alle Jahre mit viel Publikum am Strassenrand.

Konzentriert und stolz marschierten die Zürcher Kinder durch die Stadt. (Video: Tamedia/SDA)

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1000 Jahre Zürich in 60 Minuten: Der Anspruch des Sechseläuten-Kinderumzugs ist ambitioniert. Einmal mehr wurde er heute Nachmittag eingelöst: Unter der Frühlingssonne marschierten rund 3000 Kinder vom Bellevue über Umwegen zum Münsterplatz, schön chronologisch aufgereiht, die adligen Damen aus der Romanik bildeten die Spitze des Umzugs, das 20. Jahrhundert folgte am Ende. Es war eine historische Kostümparade, präsentiert von sehr konzentrierten, sehr ernsthaften und sehr stolzen Kindern. Wer sie verfolgte, wähnte sich in einer Zeitmaschine, die sich auf Kinderbeinen durch die Innenstadt bewegte.

Entlang der Strecke applaudierten Eltern, Angehörige und Zaungäste. Das Präludium zum morgendlichen Sechseläuten war ein fröhliches Volksfest, wobei bezüglich Fröhlichkeit vor allem die «Special Guests» punkteten. Da waren einmal die Gäste, die aus dem diesjährigen Gastkanton Basel angereist gekommen waren: Sie kamen in Fasnachtskostümen, Piccolo spielend oder als Vogel Gryff.

Dann die Vertreter der restlichen Welt: Ob Polen oder Portugal, Russland oder Ukraine (wobei die beiden Delegationen wohlweislich nicht direkt hintereinander aufgestellt worden waren – Spanien fugierte als Puffer), Brasilien, Ecuador oder China – die Kinder aus den verschiedenen Weltgegenden traten mit Kostümen auf, deren farbenfroh-verspieltes Wesen alles andere in den Schatten stellte.

Weidling und Like-a-Bike

Schliesslich hatte das Kinderspital Zürich, welches aktuell sein 150-Jahr-Jubiläum feiert, einen imposanten Auftritt: Kleine Ärztinnen und Pfleger, kleine Patientinnen und OP-Mitarbeiter marschierten durch die Strassen – und verteilten statt Süssigkeiten Mundschutz-Masken und Verbandsmaterial. Dazu führten sie ganze Betten mit sich, Krücken, Rollstühle und weiteres Mobiliar.

Überhaupt, à propos Rollstuhl: Der Sechseläuten-Kinderumzug war auch eine Art historische Mobilitätsshow. Es war so ziemlich alles zu sehen, mit dem man sich im Lauf der letzten 1000 Jahre fortzubewegen versucht hatte: Pferdekuschen sonder Zahl, ein Weidling, ein Raddampfer, eine Strassenbahn, Ur-Velos – und zwar solche mit grossem Vorderrad wie auch solche, die nach dem Prinzip Like-a-Bike funktionierten.

Der Kinderumzug hat Zürich auf den Sechseläuten-Montag eingestimmt – wobei Petrus offensichtlich ein Kinderfreund ist. So warm und trocken wie heute, wird es morgen nicht sein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2018, 17:18 Uhr

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