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Einig sind sie sich nur darin, dass sie mehr Vielfalt wollen

Das Zürcher Stadtparlament hat das neue Kulturleitbild abgesegnet, das mehr Diversität verspricht. Bloss: Die SVP stellt sich darunter etwas anderes vor als die SP.

Eins von drei kulturellen Schwergewichten in Zürich: Szene aus einer Aufführung am Schauspielhaus. Foto: Walter Bieri (Keystone)
Eins von drei kulturellen Schwergewichten in Zürich: Szene aus einer Aufführung am Schauspielhaus. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Wenn sich im streitlustigen Zürcher Gemeinderat alle einig sind, hat die Sache einen Haken. Gestern Abend sagten zwar alle das Gleiche, aber sie meinten damit verschiedene Dinge. Alle finden, dass die Stadt für mehr Vielfalt in der Kultur sorgen soll, damit möglichst viele Zürcherinnen und Zürcher etwas finden, was ihnen zusagt. Aber während sich die einen um Schwule und Lesben sorgen, fehlt es anderen an klimaskeptischen Kabarettisten. Darum verschleiert die breite Zustimmung zum neuen städtischen Kulturleitbild, das mehr «Teilhabe» und «Diversität» anstrebt, eine ebenso breite Unzufriedenheit mit dem Status quo.

Besonders deutlich ist dies bei den Grünliberalen. Sie ärgern sich, dass noch immer 60 Prozent der unbefristeten Fördergelder an die drei grossen Häuser gehen: Schauspielhaus, Tonhalle und Kunsthaus. Dadurch fehle es an Mitteln für Neues uns Innovatives, sagte Isabel Garcia, die Vielfalt leide. Es sei ein «Armutszeugnis», dass ausser der SVP niemand eine Diskussion über diesen einseitigen Verteilschlüssel führen wolle.

Diversität oder viel vom Gleichen?

Auch Patrik Maillard von der AL kritisierte, dass Diversität ein frommer Wunsch bleibe, solange die Stadt einseitig auf jene «Leuchttürme» setze, die dem Image des Wirtschaftsstandorts dienten. Man müsse «Verkrustetes zerschlagen», damit Neues entstehe – so etwas lasse sich nicht von oben herab verordnen.

Das sehen die Grünen anders. Die Stadt müsse sich anstrengen, damit es für alle Leute kulturelle Angebote gebe. Konkret müsse sie das Ziel der Teilhabe in die Leistungsvereinbarungen mit den Kulturschaffenden schreiben. «Heute bemühen sich nicht alle», sagte Balz Bürgisser.

Yasmine Bourgeois von der FDP drehte den Begriff der Diversität gegen die Absender. Im Schauspielhaus oder im Neumarkt finde das Gegenteil statt, zu viel vom Gleichen. Ein Programm, bei dem manche in der Pause davonlaufen, weil es «ein Seich» gewesen sei. Man müsse aufhören, schlecht genutzte Angebote finanziell zu stützen.

Für die SVP diskriminierend

Auf den Theaterbühnen würden immer dieselben Themen aus linker Optik bewirtschaftet, findet Stefan Urech von der SVP. «Das Schlimmste ist: Sie merken das selbst gar nicht mehr.» Die Kulturverantwortlichen müssten vermehrt das Gespräch mit «normalen Bürgern» suchen. So aber sei das neue Leitbild trotz aller Diversitätsziele aus SVP-Sicht «diskriminierend». Maya Kägi Götz (SP) hielt dagegen, Kulturschaffende müssten inhaltlich frei bleiben. Ihrer Partei macht es Sorgen, dass Diversität zum Kampfbegriff gegen das Establishment werden könnte. Kägi Götz sprach dem Sowohl-als-auch das Wort: «neue Player» unterstützen und zugleich bewährte Institutionen stärken.

SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch fand es interessant, dass in der Debatte jeder für das einstand, was ihm wichtig scheint. Das bestärke sie im Ziel, dass es für alle Gruppen etwas geben müsse. Sie bedankte sich auch für die kritischen Inputs: «Wir hören die und nehmen sie mit.»

Mitnehmen kann sie auch einen Punkt, in dem tatsächlich Einigkeit besteht: Die Stadt soll verstärkt Kultur in den Quartieren fördern. Der Gemeinderat setzt gleich ein Zeichen: Der ehemalige Opernsänger Christoph Homberger erhält für Hombis Salon, den er seit 2014 im Norden der Stadt betreibt, bis 2023 jährlich 80'000 Franken.

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