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Einmal quer durch Zürichs neues Universum

Das Kulturhaus Kosmos an der Europaallee ist in Betrieb. Wir sind auf fünf Planeten gelandet. Und haben die Strahlung vor Ort gemessen.

Ein Astronaut im Buchsalon heisst die Besucher willkommen im Kosmos, dem neuen Zürcher Kulturhaus an der Europaallee.
Ein Astronaut im Buchsalon heisst die Besucher willkommen im Kosmos, dem neuen Zürcher Kulturhaus an der Europaallee.
Doris Fanconi
Viel Platz für die Bücher im Buchsalon.
Viel Platz für die Bücher im Buchsalon.
Doris Fanconi
Bruno Deckert (r.) und Samir haben im Kulturhaus Kosmos ihre Ideen unter einem Dach vereint.
Bruno Deckert (r.) und Samir haben im Kulturhaus Kosmos ihre Ideen unter einem Dach vereint.
Reto Oeschger
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Im Kosmos ist alles anders, so die Vorstellung. Materie, Zeit. Alles schwebt, ist im Fluss. Dieser unendliche und längst nicht vollends erforschte Raum mit Galaxien aus Sternen und Planeten wirkt auf uns Menschen magisch. Schon jahrhundertelang erliegen wir ihm. Und wir setzen alles daran, ihn zu entdecken, abzuheben und darin abzutauchen. Bisher war der Weg dahin weit.

Seit Samstag ist er etwas näher. Kosmos, das neue Kulturhaus an der Zürcher Europaallee von Sphères-Gründer Bruno Deckert und Filmemacher Samir, hat seinen Betrieb aufgenommen. Wir haben (zusammen mit Hunderten von Interessierten) den Ort besucht und uns durch das neue Universum treiben lassen. Auf fünf Planeten sind wir gelandet und haben die Strahlung gemessen.

Planet «Klub»: Die geschwungene Bar aus filigranem Holz strahlt eine Magie aus. «Unglaublich schön», sagt jemand. Alle streichen mit dem Zeigefinger über die Holzstäbchen und lassen sich Richtung Klub leiten. Einige Stufen hinauf, und wir betreten einen weichen violetten Teppich. Darauf Ledersofas, auf denen es sich besser liegen als sitzen und die Aussicht auf die Perrons geniessen lässt. Es läuft sphärische Musik. Einige Besucher trinken ein Glas Weisswein. Aus einer Ecke dringt Gelächter. Wer will, kann sich vor einer Weltall-Leinwand mit Raketen-Attrappen selber ablichten lassen. Man könnte auch eine Croque Monsieur bestellen. Ein älterer Mann sagt: «Wenn man da so dem Hin und Her der Züge zuschaut, ist das wie im Kino.»

Planet Buchsalon: Das Licht ist freundlich. Die Bücher sind auf Tischen, Regalen und kleinen Podien ausgelegt. «Alles Kistenholz», sagt jemand. Irgendwoher hört man jemanden auf einer Schreibmaschine schreiben. Ein Kind sitzt in einer Sofanische und klappt ein Pop-up-Buch übers Weltall auf. An der Cafébar aus Keramik stehen die Besucher Schlange. An einem Tisch sitzt eine Frau und blättert in einem Buch über Älplerinnen. In einer Ecke sitzt Texterin Julia Weber an einer Hermes Baby. Sie schreibt zum Begriff Kosmos: IV. Damen in hohen Schuhen und mit Liebeskummer kommen an meinen Tisch. Erst lachen sie, dann weinen sie. Umgekehrt wäre besser.

Planet Bistro: In einem Gang tummeln sich Kinder am Boden. Die Bestuhlung erinnert an ein französisches Bistro, an ein Vintage-Café, und mit den gepolsterten Hufeisen-Bänken an ein Flughafenrestaurant. Es sieht voll aus. An der Bar soll es Espresso für 3 Franken geben. Die Akustik ist angenehm. Die Kellner tragen Käseteller und Nudelteller vorbei. Der Espresso an der Bar kostet 3.50 Franken. Auf einem Bierdeckel steht: «Wir haben uns verirrt, kommen aber gut voran. Big Bang September 2017».

Planet Kino: Zwei Kosmonauten stossen Kinder in einer originellen Raketenattrappe durch den Gang vor den sechs Kinosälen. Nur wenige schauen sich den Kurzfilm «Yuri Lennon's Landing on Alpha 46» an. Die Sitze sind bequem. Kein Popcorn-Gestank. Der Ton ist gewaltig.

Planet Forum: Auf der Holztreppe sitzen, liegen, tanzen Leute. Auf der untersten Stufe singen Frau Scharlach und Herr Maria sinnliche Lieder. Irgendwo steht eine Rakete aus Holz. Eine Frau kommt die Treppe vom Buchsalon herunter und bleibt stehen. Auf der Fläche unten sitzt das Publikum auf Stühlen. Leute gehen und kommen. Vom Bistro her hört man Gelächter und Geschirr klirren.

Die gemessene Strahlung: «Man fühlt sich willkommen im Kosmos.» «Architektonisch ist der Innenausbau für mich minimal.»«Das Kino ist wie jedes andere Kino.» «Die einzelnen Räume fliessen ineinander, die Abgrenzung ist nicht klar.»«Die Buchauswahl ist überraschend, die Bücher kommen viel mehr zur Geltung als an anderen Orten.»«Der Eingangsbereich ist düster und erdrückt einen schier.»«Räumlich ist der Ort enorm spannend. Es gibt viele Nischen, Abstufungen, Sitzgelegenheiten.» «Die Büchertheke ist alles andere als ein Salon.»«Schön, dass es einen Raum für Veranstaltungen, Diskussionen und kleine Konzerte gibt.» «Das Haus hat keine Seele.» «Der Ort erinnert in der Grösse und Art an Berlin.» «Da komm ich bestimmt wieder hin.»

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