Zum Hauptinhalt springen

Eis, zwei, drü, Krawall

Sie kifften, organisierten Partys, besetzten ein Stadion: Der neue Verein Swiss Music Archives sammelt Relikte der Jugendkultur. Wir zeigen Zürichs Meilensteine.

David Sarasin
Der Jazzmusiker Lionel Hampton spielt ein Konzert im Kongresshaus. Die junge Zürcher Jazzszene flippt aus. Nicht zuletzt, weil Hampton spätnachts im Basin Street Club, einem damals angesagten Jazzkeller an der Walchestrasse, ein Zusatzkonzert spielt. «Um Mitternacht war die Walchestrasse vor dem Club auf hundert Meter Länge mit Hunderten von Jazzfans verstopft», sagt ein Beteiligter. Man trägt zu dieser Zeit existenzialistisch Schwarz, rebelliert gegen «Füdlibürger» und hört den deutsch-amerikanischen Jazzsender Radio AFN.
Der Jazzmusiker Lionel Hampton spielt ein Konzert im Kongresshaus. Die junge Zürcher Jazzszene flippt aus. Nicht zuletzt, weil Hampton spätnachts im Basin Street Club, einem damals angesagten Jazzkeller an der Walchestrasse, ein Zusatzkonzert spielt. «Um Mitternacht war die Walchestrasse vor dem Club auf hundert Meter Länge mit Hunderten von Jazzfans verstopft», sagt ein Beteiligter. Man trägt zu dieser Zeit existenzialistisch Schwarz, rebelliert gegen «Füdlibürger» und hört den deutsch-amerikanischen Jazzsender Radio AFN.
Otto Dürst
Die Rolling Stones spielen ihr erstes Schweizer Konzert. Im Vorprogramm steht die Zürcher Band Les Sauterelles. «Die Zuschauer räumten die Stühle schon während unseres Gig zusammen», berichtet Düde Dürst, damals der Schlagzeuger bei den Sauterelles. Das Konzert der Rolling Stones dauert nur eine halbe Stunde. Doch die nachfolgenden Ausschreitungen sollten in die Geschichte eingehen.
Die Rolling Stones spielen ihr erstes Schweizer Konzert. Im Vorprogramm steht die Zürcher Band Les Sauterelles. «Die Zuschauer räumten die Stühle schon während unseres Gig zusammen», berichtet Düde Dürst, damals der Schlagzeuger bei den Sauterelles. Das Konzert der Rolling Stones dauert nur eine halbe Stunde. Doch die nachfolgenden Ausschreitungen sollten in die Geschichte eingehen.
Keystone
1968Das zweitägige Monsterkonzert im Hallenstadion ist das Vorspiel zum Globuskrawall, der Zürcher Variante der 68er-Unruhen. Der «Blick» beschreibt die Ereignisse nach dem Auftritt von Jimi Hendrix folgendermassen: «Gummiknüppel sausten auf langhaarige Köpfe. Die Popfans ihrerseits bombardierten die Polizei mit Holzstücken, Flaschen und kleinen gusseisernen Dolendeckeln. Sie verschanzten sich hinter Barrikaden, entfachten Feuer und machten ihrer Wut in rasendem Randalieren Luft. Fazit: Vier Jugendliche und einige Polizisten wurden verletzt. Sachschaden: 24 000 Franken. Kommentar von Jimi Hendrix: ‹Das ist die brutalste Polizei, die ich je erlebt habe!›»
1968Das zweitägige Monsterkonzert im Hallenstadion ist das Vorspiel zum Globuskrawall, der Zürcher Variante der 68er-Unruhen. Der «Blick» beschreibt die Ereignisse nach dem Auftritt von Jimi Hendrix folgendermassen: «Gummiknüppel sausten auf langhaarige Köpfe. Die Popfans ihrerseits bombardierten die Polizei mit Holzstücken, Flaschen und kleinen gusseisernen Dolendeckeln. Sie verschanzten sich hinter Barrikaden, entfachten Feuer und machten ihrer Wut in rasendem Randalieren Luft. Fazit: Vier Jugendliche und einige Polizisten wurden verletzt. Sachschaden: 24 000 Franken. Kommentar von Jimi Hendrix: ‹Das ist die brutalste Polizei, die ich je erlebt habe!›»
Keystone
Der Vertrag mit der australischen Band umfasst ein paar wenige A4-Seiten. Am Konzert anwesend ist auch die Schweizer Band Krokus. Vom Auftritt überwältigt, entscheidet sie sich der Legende nach, von Progrock auf den moderneren Hardrock umzuschwenken. Eine richtige Entscheidung, wie sich später zeigen sollte. Im Zuge des Konzerts bevölkern Junge mit schwarzen Lederjacken, langen Haaren und Jeans-Gilets die Zürcher Strassen. Der Hardrock ist in der Schweiz angekommen.
Der Vertrag mit der australischen Band umfasst ein paar wenige A4-Seiten. Am Konzert anwesend ist auch die Schweizer Band Krokus. Vom Auftritt überwältigt, entscheidet sie sich der Legende nach, von Progrock auf den moderneren Hardrock umzuschwenken. Eine richtige Entscheidung, wie sich später zeigen sollte. Im Zuge des Konzerts bevölkern Junge mit schwarzen Lederjacken, langen Haaren und Jeans-Gilets die Zürcher Strassen. Der Hardrock ist in der Schweiz angekommen.
Blick (RDB)
Im selben Jahr treffen sich die Punks am ersten Schweiz-Konzert der britischen The Clash im Kaufleuten. Als Vorgruppe spielen die Nasal Boys «ein umwerfendes Konzert», wie der Musiker Rams später im «Tages-Anzeiger» berichtet. Von den Briten ist er allerdings nicht sonderlich begeistert. «The Clash konnten eigentlich gar nicht spielen», gab er zu Protokoll. Klar ist: In Zürich wächst die Szene langsam zu einer Jugendbewegung heran.
Im selben Jahr treffen sich die Punks am ersten Schweiz-Konzert der britischen The Clash im Kaufleuten. Als Vorgruppe spielen die Nasal Boys «ein umwerfendes Konzert», wie der Musiker Rams später im «Tages-Anzeiger» berichtet. Von den Briten ist er allerdings nicht sonderlich begeistert. «The Clash konnten eigentlich gar nicht spielen», gab er zu Protokoll. Klar ist: In Zürich wächst die Szene langsam zu einer Jugendbewegung heran.
Erica Echenberg/Redferns
Bice Curigers Ausstellung «Saus und Braus» im Strauhof vereint Kunst und Punk, eine Mischung, die weltweit zündet. «Von da an war allen klar, was für eine Szene am Brodeln war», gibt der damals mitbeteiligte Patrick Frey zu Protokoll. Diese Szene sollte Zürichs Kulturleben nachhaltig prägen. Im Bild: Das Museum Strauhof im November 2013.
Bice Curigers Ausstellung «Saus und Braus» im Strauhof vereint Kunst und Punk, eine Mischung, die weltweit zündet. «Von da an war allen klar, was für eine Szene am Brodeln war», gibt der damals mitbeteiligte Patrick Frey zu Protokoll. Diese Szene sollte Zürichs Kulturleben nachhaltig prägen. Im Bild: Das Museum Strauhof im November 2013.
Steffen Schmidt, Keystone
Bei ihrem ersten Konzert ausserhalb der USA stehen Metallica nur im Vorprogramm. Heavy Metal aber ist zu dieser Zeit weltweit auf Erfolgskurs.
Bei ihrem ersten Konzert ausserhalb der USA stehen Metallica nur im Vorprogramm. Heavy Metal aber ist zu dieser Zeit weltweit auf Erfolgskurs.
Pete Cronin/Redferns
Die grösste Hausbesetzung in der Geschichte der Schweiz dauert von 1991 bis 1993. In fünf Gebäuden sind zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen wie die «Volxküche», eine Notschlafstelle, eine Bibliothek oder auch ein Kino untergebracht.
Die grösste Hausbesetzung in der Geschichte der Schweiz dauert von 1991 bis 1993. In fünf Gebäuden sind zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen wie die «Volxküche», eine Notschlafstelle, eine Bibliothek oder auch ein Kino untergebracht.
Keystone
Mit der Übernahme des damals serbelnden Kaufleuten läutet Fredi Müller eine Zeit der wilden Zürcher Partynächte und der Dekadenz in der Clubszene ein.
Mit der Übernahme des damals serbelnden Kaufleuten läutet Fredi Müller eine Zeit der wilden Zürcher Partynächte und der Dekadenz in der Clubszene ein.
Walter Bieri, Keystone
1000 Raver nehmen an der ersten Street-Parade teil. Die erste Energy-Party in Zürich-West lockt im Anschluss 6000 Besucher an. Am nächsten Morgen gibt es im Club Oxa die erste Afterhour-Party in der Stadt Zürich. Die Zeichen stehen auf Techno und House.
1000 Raver nehmen an der ersten Street-Parade teil. Die erste Energy-Party in Zürich-West lockt im Anschluss 6000 Besucher an. Am nächsten Morgen gibt es im Club Oxa die erste Afterhour-Party in der Stadt Zürich. Die Zeichen stehen auf Techno und House.
Tom Kawara
In Zürich-West mieten sich Technoclubs in alten Fabrikgebäuden ein. Zentral sind die Toni-Molkerei, das Rohstofflager oder das Matrix (später Club Q). Zürichs Nachtleben wird zum lukrativen Wirtschaftszweig.
In Zürich-West mieten sich Technoclubs in alten Fabrikgebäuden ein. Zentral sind die Toni-Molkerei, das Rohstofflager oder das Matrix (später Club Q). Zürichs Nachtleben wird zum lukrativen Wirtschaftszweig.
Bildarchiv Tagesanzeiger
Auf dem Dach der Toni-Molkerei öffnet im ehemaligen Mitarbeiterrestaurant der Club Dachkantine seine Türen. Sein Renommee erstreckt sich bald weit über die weltweit boomende Techno- und House-Szene hinaus. DJs aus aller Welt spielen im Club. Im Februar 2006 schliesst die Dachkantine wieder, nach «843 Tagen, 271 Partys, 954 DJs», wie die NZZ vorrechnet. Die Geschehnisse rund um den Club sind im Dokumentarfilm «Dachkantine – We Miss You So Much» festgehalten. Einige seiner Betreiber eröffnen im Langstrassenquartier den Club Zukunft.
Auf dem Dach der Toni-Molkerei öffnet im ehemaligen Mitarbeiterrestaurant der Club Dachkantine seine Türen. Sein Renommee erstreckt sich bald weit über die weltweit boomende Techno- und House-Szene hinaus. DJs aus aller Welt spielen im Club. Im Februar 2006 schliesst die Dachkantine wieder, nach «843 Tagen, 271 Partys, 954 DJs», wie die NZZ vorrechnet. Die Geschehnisse rund um den Club sind im Dokumentarfilm «Dachkantine – We Miss You So Much» festgehalten. Einige seiner Betreiber eröffnen im Langstrassenquartier den Club Zukunft.
Sabina Bobst
1 / 14

Der neu gegründete Verein Swiss Music Archives (SMA) sammelt, dokumentiert und präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Sozialarchiv Quellenmaterial und Fachliteratur zur Geschichte der populären Musik in der Schweiz. Historiker Erich Keller sagt, dass es höchste Zeit für ein Schweizer Musik-Archiv war.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.

Abo abschliessen