«Elterliche Kontrolle ist im Wohnhochhaus schwierig»

Architekt Georg Precht, Dozent am ETH-Wohnforum, glaubt nicht, dass Hochhäuser in Zürich zur Verdichtung taugen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine neue Studie besagt, dass viele Zürcher gerne in Wohnhochhäusern wohnen würden. Was sagen Sie dazu?
Wohnhochhaus ist nicht gleich Wohnhochhaus. Man muss sich immer fragen, wo das Haus steht. Das Wohnen in einem Haus an der Peripherie auf der grünen Wiese entspricht kaum den Vorstellungen vom urbanen Wohnen mit Weitsicht in der Innenstadt. Früher wohnte die Unterschicht im Hochhaus, heute tun es auch die trendigen Gutverdiener.

Das heisst, ein Wohnhochhaus passt zur modernen Lebensform von Zürchern?
Ja, wenn das Gesamtpaket stimmt: Wohnlage, Aussicht, Miete. Doch das trifft auch nur so lange zu, als keine Kinder da sind.

Warum?
Sobald Kinder den Aussenraum um die Wohnung entdecken wollen, wird die elterliche Kontrolle im Wohnhochhaus schwierig. Vom 12. Stock aus ist der Rufkontakt nicht mehr gewährleistet.

Wie sieht es im grösseren, soziologischen Kontext aus: Taugen Wohnhochhäuser zur Verdichtung?
Bedingt. Ich verweise da immer auf die Touristenstädte Paris, Barcelona oder New York. Sie sind ausserordentlich dicht gebaut und dennoch attraktiv. Warum? Wer sich auf der Ebene der Erdgeschosse bewegt, nimmt in erster Linie die Blockrandbebauung wahr. Hochbauten wie in Manhattan ragen daraus heraus. Dadurch wirken sie nicht so kontextlos, wie wenn sie mal hier und da errichtet werden wie in Frankfurt oder auch in Zürich, wo grosse Grenzabstände eingehalten werden müssen.

Was heisst das konkret für Zürich?
Zürich hat zwei grosse Bauprojekte: Zürich-West und die Europaallee. Letztere entspricht mehr oder weniger einer Blockrandbebauung. Der öffentliche Raum ist scharf abgegrenzt und durch eine kleinteilige Erdgeschossnutzung belebt. Zürich-West hingegen ist eine Ansammlung von bunten Häusern, eine Bauausstellung ohne die stabile Grundstruktur des Blockrandes. Das Quartier wird aus meiner Sicht nie recht funktionieren. Schauen wir die Sache an, wie sie ist: Das Hochhaus ist nun auch in der Schweiz ein Statussymbol geworden. Die Städte wetteifern miteinander. Das war auch beim Prime Tower nicht anders, oder?

Erstellt: 07.03.2016, 12:57 Uhr

ETH-Dozent Georg Precht: «Vom 12. Stock aus ist der Rufkontakt nicht mehr gewährleistet.»

Hochhäuser: Die Meinung der Experten

Hochhäuser – laut kantonalem Baugesetz sind dies Gebäude mit einer Höhe von mehr als 25 Metern – sind bei Zürcherinnen und Zürchern beliebt: Jeder Zweite könnte sich gemäss einer Studie vorstellen, in ein Wohnhochhaus zu ziehen. Was sagen Experten zum Resultat dieser Umfrage bei rund 1000 Stadtzürchern, und wie ist ihre Meinung zum Thema Hochhausbau? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat nachgefragt. Dies ist Teil 1 der kleinen Serie.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...