Emil tritt zum Duell an

216 Symbole, 5 Würfel und 4 spitze Federn. Kabarettist Emil Steinberger stellt sich diese Woche einer aussergewöhnlichen Aufgabe.

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Wer wird Icon Poet des Abends? Das ist die Frage, die an jedem letzten Donnerstag des Monats im Cabaret Voltaire gestellt wird. Die Aufgabe ist knifflig. Den Titel gewinnt nur, wer ausgeschlafen auf der Bühne erscheint, denn hier ist rasches Denken und sehr viel Fantasie gefragt. Mike Müller, Hazel Brugger, Franz Hohler und Beat Schlatter haben ihr Glück bereits versucht. Am 28.Januar betritt erstmals Kabarettist Emil Steinberger den Poetenring und kreuzt die Feder mit Schauspielerin Dagny Gioulami, Slam-Poetin Patti Basler und Satiriker Renato Kaiser.

Ziel des Spektakels ist es, innert dreier Minuten möglichst ausgefallene und überraschende Kurzgeschichten zu entwickeln. Damit es noch etwas kniffliger wird, würfelt jeder Teilnehmer fünf Bildzeichen und muss daraus Wörter ableiten, die in die Geschichte einfliessen. Das Icon «Schere» kann er beispielsweise mit den Worten «schnittig» oder «abschneiden», «Cremeschnitte» oder «Lebensabschnittspartner» einbetten. Nach acht Durchgängen wählt das Publikum den Icon Poet des Abends.

Hinter dem anspruchsvollen Wortspiel stecken die drei Brüder Andreas, Ueli und Lukas Frei aus dem Thurgau. Wie der Grafiker, der Informatiker und der Pädagoge die Idee zum Spiel entwickelt haben und warum Emil Steinberger für ein Gastspiel nach Zürich kommt, erklärt Lukas Frei gleich selbst.

Emil Steinberger geht auf Tour und wird in den kommenden Monaten fast täglich auf der Bühne stehen. Trotzdem nimmt er sich die Zeit, um auch noch am «Icon Poet» mitzumachen. Wie kam es dazu?
Ich bearbeite Emil seit drei Jahren, auch einmal mitzumachen. Er kennt «Icon Poet» schon lange und spielt es privat sehr gerne. Deshalb hat er bereits vor einiger Zeit zugesichert, an einem Live-Event teilzunehmen. Am nächsten Donnerstag ist es endlich so weit.

Was erhoffen Sie sich von seinem Auftritt?
Dass er als erfahrener Bühnenschauspieler mit viel Schalk und Lockerheit die jüngeren Mitspieler zu Höchstleistungen anstacheln wird. Wir achten bei der Zusammensetzung der Teilnehmer immer auf eine gute Durchmischung. Vor allem das Alter wirkt sich auf witzige und spannende Weise auf die Geschichten aus. So brachten kürzlich jüngere Teilnehmer Erfahrungen mit Instagram ein, während ältere ihre Erinnerungen an unendlich langweilige Dia-Abende wachgerufen haben.

Was macht den Reiz des Spieles aus?
Die Freude an den kreativen Lösungen für die verschiedenen Aufgaben. Es ist ein regelrechtes Fest der Sprache. Bei dem Spiel geht es nicht nur um Konsum, sondern ums Mitmachen. Jeder im Raum bekommt Block und Schreiber und kann selbst eine Geschichte entwickeln. Die Spielteilnehmer auf der Bühne können auch einen Ghostwriter im Saal bestimmen, wenn sie einen kreativen Ausfall erleiden. So hat jeder die Möglichkeit, seine Story vorzutragen und ebenfalls zum Icon Poet gewählt zu werden.

Wie ist die Idee zu Ihrem Wortspiel entstanden?
Meine beiden Brüder und ich sind ein halbes Jahr lang zusammen durch Afrika gereist. Auf den Safaris haben wir den Abenteuern gelauscht, die sich die Leute abends am Lagerfeuer erzählt haben. Die unglaublichsten Geschichten kamen uns da zu Ohren. Jeder wollte noch etwas näher an den Wildtieren dran gewesen sein als sein Vorredner. Wir fanden es sehr lustig, wie sich die Erzähler gegenseitig zu Höchstleistungen angestachelt haben. Diesen Erzähleifer wollen wir mit unserem Spiel anfachen und die Freude am Spiel mit Worten wecken.

«Icon Poet» mit Emil Steinberger findet am Donnerstag, 28. Januar 2016, um 20 Uhr im Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1 in Zürich statt.

Erstellt: 26.01.2016, 09:00 Uhr

«‹Icon Poet› ist ein Fest der Sprache»: Lukas Frei, Spielentwickler und Pädagoge. (Bild: Gebruederfrei.ch)

Lukas Frei

Der 41-jährige Lehrer hat mit seinen beiden Brüdern das Spiel «Icon Poet» entwickelt. Seit 1998 entwickeln, gestalten und realisieren die Gebrüder Frei Spielkonzepte und Brettspiele für Kinder und Erwachsene. Lukas Frei lebt in Zürich und arbeitet in Bern.

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