Engländer ziehts auf unsere Friedhöfe

Der ­«Guardian» gibt Tipps für ein Wochenende in Zürich. Die englische Zeitung rät zum Besuch des Grabmals von James Joyce und der Fifa – als Mahnmal für Korruption.

Ist einen Besuch wert: James Joyce' Grabmal auf dem Friedhof Fluntern.

Ist einen Besuch wert: James Joyce' Grabmal auf dem Friedhof Fluntern. Bild: Keystone

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Man glaubt, man kenne seine Stadt. Dabei kennt man vor allem die Stadt entlang der eigenen Wege. Zwischen dem Zuhause und dem Büro zum Beispiel fällt einem jeder gefällte Mammutbaum auf – mit der Stadt in der Stadt, wenn man so will, ist man bestens vertraut. Was aber auf der anderen Seite der Limmat passiert... Nun, es ist eben auf der anderen Seite. Man ist zu Hause, wo man lebt, an «seinen» Plätzen in der Stadt.

Ein neuer Blick auf die eigene Stadt

So ist es immer willkommen, wenn einem jemand einen neuen Blick auf die eigene Stadt eröffnet. Zum Beispiel so ein englischer Journalist, der in seinen Empfehlungen im «Guardian» für Zürich ein Lokal erwähnt, von dem man noch nie gehört habe (Loft Five), in einem Quartier, in dem man sich nie bewege (Europaallee). Wie sieht er denn eigentlich Zürich, der Mann vom «Guardian»? Sein Artikel vom vergangenen Samstag gibt Aufschluss. Fünf herausragende Tipps und Highlights (und unsere kommentierenden Ergänzungen):

  • Kunst statt Essen
  • Zürich sei für Besucher teuer (für Bewohner im Fall auch). Wenn man seinen Fokus aber auf Kultur statt auf Gastronomie lege, könne man einige Tage in Zürich durchaus geniessen. Sei es als Teil der Skiferien oder auch nicht: Die Stadt lohne einen Besuch. Im Winter (also jetzt) sei eine Schlittelpartie auf dem «Ütliberg» «great». Wenn der Schnee einmal geschmolzen sei (also jetzt), werde Zürichs eigener kleiner Berg zum beliebten Wander- und Bikespot.

  • Velo statt ÖV
  • Die Stadt ist laut «Guardian» velofreundlich (also doch, und das trotz schmaler Velostreifen) und «relativ autofrei» (schon? Wo genau?). Dagegen sei Zürich ein ÖV-Nirwana (ach was, man muss sich bloss darauf einlassen) mit Trams, Bussen und Zügen, die einen häufig, pünktlich und speditiv von A nach B bringen.

  • St. Jakob statt Sprüngli
  • Fünf Filialen in der Stadt, eine soziale Idee im Hintergrund: Behinderten eine Arbeit geben. Was herauskomme, sei empfehlenswerte Backware plus Pralinés, Truffes und Biskuits (bei den Brioches beinahe auf Sprüngli-Niveau).

  • Gräber statt Monumente
  • Der Journalist von der Insel empfiehlt, vom Hauptbahnhof aus das 6er-Tram zu nehmen und hoch in Richtung Zoo zu fahren. Der Friedhof Fluntern (da war ich bisher noch nie) sei einen Besuch wert. Der Gräber von James Joyce (geboren auf einer britischen Insel), seiner Muse Nora Barnacle (ebenfalls geboren auf einer britischen Insel) oder Elias Canetti (ist Bulgarien eine Insel?) wegen. Der Friedhof werde von einer «Armee von Gärtnern» (das sind, wenn schon, Zivildienstleistende) sauber gehalten, kein abgefallenes Blatt sei vor den Gärtnern sicher; es sei eine sehr schweizerische Nekropolis.

  • Korruption statt Banken
  • Wem nach so viel Sauberkeit der Kopf nach etwas Zerfall und Korruption stehe, dem wird ein kurzer Spaziergang zum Fifa-Hauptquartier empfohlen (die Fifa korrupt? Also bitte). Den Paradeplatz lässt der «Guardian»-Mann in diesem Zusammenhang links liegen.

Erstellt: 09.02.2016, 15:01 Uhr

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