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Er brachte das Kerzenziehen auf den Bürkliplatz

Michael Brons hat widerspenstige Jugendliche zu Profis des meditativen Handwerks gemacht. Nun ist er 82-jährig verstorben.

Michael Brons, Gründer des Zürcher Kerzenziehens. Foto: PD
Michael Brons, Gründer des Zürcher Kerzenziehens. Foto: PD

Vorgestern Mittwoch, an der Abschiedsfeier in Küsnacht, habe man sehen können, dass Michael Brons weitherum geschätzt worden sei, sagt Raphael Stadelmann am Telefon: «Da waren nicht nur Verwandte und enge Bekannte, sondern auch viele Menschen, die ihn von seinem Engagement für gemeinnützige Einrichtungen oder vom Kerzenziehen her kannten.»

Stadelmann ist Präsident der Stiftung Zürcher Kerzenziehen und langjähriger Geschäftsführer der Vier-Linden-Betriebe, die zum Verein Zürcher Eingliederung gehören. Das Startkapital für dieses 1973 gegründete Sozialwerk, das heute rund 200 geschützte Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnplätze anbietet, kam sozusagen von Michael Brons. Der gelernte Heilpädagoge wirkte nämlich 1968 als Leiter der Freizeitanlage Wollishofen. Dort kümmerte er sich damals auch um eine Gruppe ausgegrenzter junger Menschen, die mit rüder Sprache und konfrontativem Verhalten ihr «Revier» zu markieren versuchten.

Brons gelang das Kunststück, mittels des ursprünglich therapeutisch orientierten Kerzenziehens die widerspenstigen Teenager zu zähmen, mehr noch: Er machte sie zu Profis des meditativen Handwerks, die ihr Wissen im Dezember 1969, am ersten öffentlichen Zürcher Kerzenziehen im Musikpavillon beim Bürkliplatz, an interessierte Bürgerinnen und Bürger weitergaben.

Stetig steigende Beliebtheit

Bereits binnen weniger Jahre erfreute sich der Adventsanlass einer derartigen Beliebtheit, dass auch private Gönner einstiegen, die Materialien spendeten – wodurch Michael Brons und seine freiwilligen Hilfskräfte mit den Bienenwachskerzen beachtliche Gewinne erzielten. Diese Überschüsse liess man verschiedenen Einrichtungen für betagte und behinderte Menschen zukommen – 1973, wie zuvor erwähnt, den Gründern des Vereins Zürcher Eingliederung.

Regula Häckermann war eine der besagten Jugendlichen in Wollishofen. Die Lehrerin, die mit Brons zeitlebens freundschaftlich verbunden war, betont vor allem seine menschenfreundliche Grundhaltung: «Für ihn war der Wachstopf ein Platz für alle, vom Büezer bis zum Bankier, bei allem, was er tat, stand das Engagement gegen die Ausgrenzung im Vordergrund.» Dem stimmt Stiftungspräsident Raphael Stadelmann vollends zu. «Er war offen, warmherzig . . . und vor allem ist er anderen stets auf Augenhöhe begegnet, völlig egal, wen er vor sich hatte.»

Der passende «Erbe»

Stadelmann war es auch, der schliesslich Brons’ Erbe antrat. Er erzählt, der Pionier habe altersbedingt mehrere Anläufe unternommen, das Zürcher Kerzenziehen in neue Hände zu legen. Doch weil ihm keiner der Interessenten habe versprechen wollen, an der bewährten Form festzuhalten und ausschliesslich Bienenwachs anzubieten, liess er es bleiben. «Ich schlug ihm 2004 vor, dass ja der Verein Zürcher Eingliederung das Kerzenziehen durchführen könnte. Er war einverstanden, brachte uns zwei Jahre lang alles bei, was wir wissen mussten, und sagte am Schluss, diese Lösung sei für ihn ein Glücksfall. Ich antwortete, für uns sei es gar ein Geschenk, was ihn sehr freute.»

Neben der Gründung des städtischen Kerzenziehens war der 1936 geborene Zürcher auch ein leitender Mitarbeiter der naturwissenschaftlichen Ausstellung «Phänomena», die vom 12. Mai bis zum 23. Oktober 1984 am Zürichhorn stattfand. Am 15. Mai ist Michael Brons überraschend verstorben.

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