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Er schrie «Kill me!» – dann schossen die Zürcher Polizisten

13 Schüsse feuerten zwei Stadtpolizisten in Wiedikon auf einen Mann ab. Nun hat das Zürcher Obergericht entschieden.

In Wiedikon hatte ein Mann am 27. Dezember 2015 eine Polizeipatrouille angegriffen. Die Polizei schoss daraufhin auf ihn.
In Wiedikon hatte ein Mann am 27. Dezember 2015 eine Polizeipatrouille angegriffen. Die Polizei schoss daraufhin auf ihn.
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Beim Schusswechsel wurde der Angreifer verletzt.
Beim Schusswechsel wurde der Angreifer verletzt.
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Das Obergericht hat nun das Verfahren gegen zwei Polizisten eingestellt.
Das Obergericht hat nun das Verfahren gegen zwei Polizisten eingestellt.
Helene Arnet (TA)
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Es ist selten, dass Polizisten im Einsatz ihre Waffe zücken. Noch seltener ist es, dass zwei Polizisten bei einer Verhaftung mitten in der Stadt Zürich 13 Schüsse abfeuern. Ein Einsatz am 27. Dezember 2015 bei der Schmiede Wiedikon geriet allerdings so sehr ausser Kontrolle, dass zwei Polizisten schiessen mussten. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen sie und entschied, das Verfahren einzustellen. Das Obergericht bestätigte dies nun.

«Kill me! Kill me!»

Mit den Akten, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, kann der Vorfall genauer rekonstruiert werden. Der Mann konnte sich nach dem Vorfall nicht mehr erinnern, weshalb er mit dem Messer durch die Strassen spazierte. Er sagte in der Einvernahme lediglich, er sei mit einem «chemischen Gasgeruch unter der Nase» aufgewacht. Dies passiere öfter, und er werde dann depressiv. Um sich zu beruhigen, müsse er dann den Koran hören oder an der frischen Luft spazieren. Der Mann war in ärztlicher Behandlung.

So mussten die Staatsanwalt und das Obergericht hauptsächlich auf die Aussagen der Polizisten und auf ein forensisches Gutachten abstützen: Die Streifenwagenpatrouille bemerkt den Mann kurz nach 6 Uhr morgens und fordert Verstärkung an. Die Polizisten steigen mit gezückter Dienstwaffe aus, weil der Mann ein Messer (Klingenlänge: circa 25 cm) in der Hand trägt, und fordern ihn auf, stehen zu bleiben. Darauf antwortet dieser: «What do you want?» Der Polizist: «Police, put the knife down and get down, don’t move!» Der Mann geht weiter auf die Polizisten zu, fuchtelt mit dem Messer und schreit: «Kill me! Kill me!»

Weil sie um ihr Leben fürchten, wissen sich die Polizisten nicht anders zu helfen, als den Mann mit der Schusswaffe zu stoppen. Obwohl sie den Mann treffen («er zuckte mit dem Oberkörper kurz zusammen»), geht er weiter auf die Polizisten zu. Von den insgesamt 13 Schüssen treffen oder streifen den Mann 9 Kugeln. Um ihn endgültig zu überwältigen, brauchen die insgesamt fünf Beamten noch Pfefferspray sowie ihre Fäuste. Neben den Schussverletzungen erleidet der Mann einen Knochenbruch der Augenhöhle, Blutergüsse sowie Schürfwunden an Stirn und Knie.

Der Anwalt des Äthiopiers hatte die Einstellung der Staatsanwaltschaft mit der Begründung angefochten, die Polizisten hätten statt der Schusswaffen ihre Schlagstöcke gebrauchen können. Oder ihn aufgrund ihrer Übermacht anders überwältigen können.

Staatsanwaltschaft und Obergericht kamen zum Schluss, die Polizisten hätten sich in einer Notwehrsituation befunden, und die Schlagstöcke seien nicht geeignet gewesen, einen Mann mit Küchenmesser zu überwältigen. Andrea Taormina, der Anwalt eines der Polizisten, zeigt sich auf Anfrage zufrieden über den Ausgang des Verfahrens. «Der Schusswaffengebrauch war angemessen.» Das sei ein wichtiger Entscheid, den die Staatsanwaltschaft nach einer sorgfältig geführten Untersuchung getroffen habe. Anders zu entscheiden, würde bedeuten, Polizeiarbeit zu verunmöglichen, sagt Taormina.

Angeschossener verurteilt

Der Anwalt des Äthiopiers war für den TA gestern nicht erreichbar. Sein Mandant war in einem separaten Verfahren im Dezember 2016 wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte verurteilt und vom Vorwurf der versuchten Körperverletzung freigesprochen worden. Weil das Bezirksgericht Zürich ihn als schuldunfähig beurteilte, sah es von einer Strafe ab und ordnete eine ambulante Massnahme an.

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