Erst die Mauer hat den Car gestoppt

Am Autobahnende in Zürich-Wiedikon ist ein Flixbus verunglückt. Eine Frau wurde beim Aufprall aus dem Car geschleudert, sie kam beim Sturz in die Sihl ums Leben.

Um den Unfallort zu räumen, musste der Bus mittels Kran auf einen Transporter gehievt werden. Foto: Dominique Meienberg

Um den Unfallort zu räumen, musste der Bus mittels Kran auf einen Transporter gehievt werden. Foto: Dominique Meienberg

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Es scheint, als liege auf dem Autobahnende A3 in Zürich-Wiedikon ein Fluch. Unmittelbar nach der zweispurigen Ausfahrt endet die nie fertig gebaute Sihlhochstrasse mit einer Betonmauer in luftiger Höhe. Auf diesem Stummel kam es schon mehrfach zu schweren Unfällen. Gestern prallte ein Reisecar kurz nach 4 Uhr in der Früh in die Mauer, nachdem er auf der schneebedeckten Fahrbahn ins Schleudern geraten war. Eine 37-jährige Italienerin kam ums Leben, sie wurde gemäss Radio 1 beim Aufprall aus dem Car geschleudert und stürzte 15 Meter tief ins Flussbett. 44 Personen wurden verletzt, 3 davon schwer.

Bildstrecke: Tödlicher Reisecar-Unfall bei Zürich

Unter den Schwerverletzten sind auch die beiden Chauffeure, zwei Italiener im Alter von 57 und 61 Jahren. Der 57-Jährige sass zum Unfallzeitpunkt am Steuer. Sein 61-Jähriger Kollege befindet sich noch immer in Lebensgefahr. Der Car war im Auftrag von Flixbus von Genua nach Düsseldorf unterwegs. Im Bus befanden sich Passagiere unter anderem aus Italien, Russland, Deutschland, Nigeria sowie eine Person aus der Schweiz. Die 16-jährige Schweizerin blieb unverletzt. Am Sonntagabend haben 22 Personen das Spital wieder verlassen können.

Mit Winterreifen

Wie es genau zum Unfall kam, war am Sonntag noch nicht bekannt. Gemäss Rebecca Tilen, Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich, sind der Zustand des Fahrzeugs, der Chauffeure und der Strasse Gegenstand der Ermittlungen. Die Carchauffeure konnten am Sonntag noch nicht vernommen werden. Der Bus war um 21.30 Uhr in Genua abgefahren und hätte gemäss Fahrplan um 3.40 Uhr in Zürich am Carparkplatz ankommen sollen. Gegenüber «20 Minuten» bestätigte Flixbus, dass der Bus mit Winterreifen ausgerüstet war.

Video: Carunfall auf der A3

Die Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich, Rebecca Tilen, informiert. (Video: Dominique Meienberg)

Ob die tödlich verunglückte Frau zum Unfallzeitpunkt angeschnallt war, ist unklar. Gemäss Flixbus sind die Busfahrer angewiesen, vor Beginn der Fahrt auf die Anschnallpflicht hinzuweisen. Der Fahrer sei aber nicht dafür verantwortlich, dass alle Passagiere der Pflicht nachkommen.

Der verunfallte Car gehört einem italienischen Subunternehmer. Flixbus organisiert praktisch alle seine Fahrten mit Partnerunternehmen, die mit eigenen Bussen unterwegs sind. Gemäss Kantonspolizei fuhren 50 Passagiere mit dem Bus.

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Zur Bergung der Verletzten musste der Car vorne aufgeschnitten werden. Die Verletzten wurden in sieben Spitäler gebracht. Im Einsatz waren gemäss Kantonspolizei rund 30 Rettungswagen, 100 Sanitäter, 30 Feuerwehrleute sowie eine Grossraumambulanz. Die A3 war bis Sonntagmorgen, 10 Uhr, in beiden Richtungen gesperrt.

Keine Fixelemente

Zwei Markierungen auf dem betreffenden Autobahnabschnitt – eine weisse, ausgezogene Linie sowie eine schraffierte Fläche – sollen dafür sorgen, dass niemand auf die Stummelspur fährt. Feste Elemente fehlen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat bei früheren Unfällen stets betont, die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Abschnitt entsprächen den gültigen Normen. Der letzte grosse Unfall ereignete sich hier im Februar 2016. Damals wollte ein Lastwagenfahrer einer stehenden Autokolonne ausweichen. Er rammte mehrere Autos, fuhr ungebremst auf den Stummel und durchbrach die Betonmauer. Der Laster fiel 15 Meter in die Tiefe. Der Fahrer kam mit zwei Beinbrüchen davon. Auch 2011 und 1991 kam es zu schweren Unfällen.

Erstellt: 16.12.2018, 22:20 Uhr

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