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Erste Massnahme gegen den Stadtbiber

Der Biber breitet sich in der Stadt weiter aus. Der fleissige Nager hinterlässt seine Spuren gerne entlang der Limmat – nicht zur Freude aller.

Mit einem Gitter gegen den Nager.
Mit einem Gitter gegen den Nager.
Urs Jaudas

Wer zurzeit dem Kiesweg entlang der Limmat stadtauswärts in Richtung Werdinsel läuft, kann sie überall entdecken: Spuren aktiver Biber. Hier liegen abgenagte Äste, da eine Weide, die ein emsiger Kerl professionell entrindet und gefällt hat. Kein Zweifel: Hier war ein Profi am Werk.

Und die Tiere bleiben nicht unentdeckt: Zwei Lesereporter haben uns Bilder der abgenagten Bäume gesendet. Und seit Anfang Jahr haben bereits drei aufmerksame Passanten ihre Biberbeobachtungen der Stadt gemeldet.

Wer entlang der Limmat vom Escher-Wyss-Platz stadtauswärts spaziert, entdeckt überall Spuren der Biber.
Wer entlang der Limmat vom Escher-Wyss-Platz stadtauswärts spaziert, entdeckt überall Spuren der Biber.
Leserreporter
Bereits seit einigen Jahren breitet sich Europas grösstes Nagetier wieder aus.
Bereits seit einigen Jahren breitet sich Europas grösstes Nagetier wieder aus.
Leserreporter
Hier hat ein Biber einen Stamm direkt am Fluss angeknabbert.
Hier hat ein Biber einen Stamm direkt am Fluss angeknabbert.
Leserreporter
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Der Biber scheint nicht nur an den Bäumen, sondern auch am Verständnis einiger Anwohner zu nagen. Das zeigt eine Papiernotiz, die auf der Höhe des Restaurants Turbinenhaus an eine Weide gehängt wurde. Den Passanten wird darauf erklärt, dass man in Absprache mit dem städtischen Wildhüter ein Gitter angebracht habe. «Kinder hätten gerne noch einen Baum (...) für den Schatten im Sommer», steht dazu geschrieben.

Mit Gitter gegen den Nager

Grün Stadt Zürich bestätigt, dass bisher in der Gegend um die Werdinsel zwei Bäume mit Gitter versehen worden seien. «Es ist jedoch nicht unser Ziel, reihenweise Bäume zu schützen», sagt Mediensprecher Lukas Handschin. Einzig bei landschaftsprägende Bäume, wie beispielsweise der genannten Weide, wurde rund ein Meter des Stamms abgedeckt.

Auch das Stadtzürcher Elektrizitätswerk musste sich dieses Jahr bereits mit dem Nager auseinandersetzten. Im Januar hat ein Biber einen Baum nahe der Europabrücke derart stark angefressen, dass dieser gefällt werden musste, um zu verhindern, dass er auf den Spazierweg fällt.

Müssen wir uns nun entlang des Flusses vor umfallenden Bäumen fürchten? «Keinesfalls», sagt der Leiter der Biberfachstelle des Kantons Zürich, Urs Wegmann, auf Anfrage. «Gefällte Bäume und Sträucher fallen aufgrund des Lichts und der Wuchsrichtung meist Richtung Wasser.» Zudem würden diese gut sichtbaren Frassspuren an Gehölzen von nun an bis im Herbst wieder weniger werden. Denn die Biber seien reine Vegetarier und ernährten sich in den wärmeren Monaten von vielen krautigen Pflanzen im Uferbereich. Weil diese Nahrung über den Winter in sich zusammenfällt oder kaum noch Nährstoffe bietet, stellen sie in der Kälte auf die Rinde und Knospen von Gehölzen um. Um an diese zu gelangen, müssen sie diese Gehölzpflanzen fällen.

Biberzuwachs im Leutschenbach

Wegmann schätzt, dass rund ein halbes Dutzend Nager entlang der Limmat lebt. Doch sind sie nicht mehr die einzigen auf dem Stadtboden. Im März dieses Jahres gelang dem SRF die Aufnahme von Bilder eines Biberpärchens, das direkt am Leutschenbach aktiv ist. Es wird angenommen, dass diese von Wallisellen oder dem Flughafen über die Seitengewässer der Glatt an dorthin gelangten.

Im Kanton Zürich leben gemäss der letzten Zählung der Biberfachstelle knapp 400 Biber in gut 106 Revieren. Jährlich vergrössert sich der Bestand um etwa 8 Prozent. Landesweit leben laut Schätzungen rund 2800 Exemplare des geschützten Tieres. Ihr Bestand hat sich seit den Neunzigerjahren erholt. Damals stufte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) den Biber als «vom Aussterben bedroht» ein. Diese Gefährdungskategorie wurde 2016 um zwei Kategorien auf «verletzlich» zurückgestuft. In der laufenden Revision der Roten Liste ist eine weitere Rückstufung wahrscheinlich.

Ein Brocken von einem Nagetier: Der Biber an der Arbeit in Zürich (Archivaufnahme von 2017). (Video: Karin Schlatter)

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