Es braucht einen neuen Parkplatzkompromiss

Die Zürcher SP will City-Parkfelder abbauen zugunsten von Velorouten. Richtig! Aber der Plan schiesst übers Ziel hinaus.

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Jetzt ist es klar: Die SP kündigt den Parkplatzkompromiss von 1996. Massenweise Parkplätze sollen dem Veloverkehr Platz machen – ohne Ersatz in den Parkhäusern. Im vergangenen Oktober hatte die Partei noch herumgeeiert, weil sie sich der Tragweite des Schritts bewusst war.

Der Kompromiss hatte zu Recht den Zusatz «historisch» erhalten, da er etwas Bahnbrechendes geschafft hatte. SP, FDP und CVP rauften sich nach vielen peinvollen Jahren des Stillstands zum Wohl der Stadt ­zusammen. Diese konnte endlich wieder vorwärtsblicken und planen, ohne dass es Rekurse hagelte. So konnten die hässlichen Parkdecks über der Sihl abgebrochen werden und beispielsweise der Rennweg, der Opernhausplatz und der Münsterhof autofrei gestaltet werden. Die Parkplätze verschwanden in den Parkhäusern Gessnerallee und Opernhaus.

Bern könnte ein Vorbild sein

Nun drohen sich die Fronten wieder zu verhärten. Zwar spricht die SP nicht von einer Kündigung des Kompromisses, sondern von einer Weiterentwicklung. Doch eines fehlt: der Kompromiss. Dass man also auf die potenzielle Gegnerschaft zugeht. Das sind die Bürgerlichen und mit ihnen im Boot die Gewerbetreibenden der Innenstadt. Diese sind bereits geplagt durch Onlinehandel und Shoppingzentren in der Agglo. Wenn auch noch die City-Parkplätze gestrichen werden, sehen sie schwarz.

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Politisch hat die SP nichts zu befürchten. Zusammen mit ihren linken Alliierten, die den Kompromiss seit je ablehnten, kann sie jede Regelung durchpauken. Und sie hat auch gute Argumente: Es braucht dringend bessere Velorouten in der Stadt. ­Kleinräumig, wie Zürich ist, müssen dazu Parkplätze verschwinden. Davon könnte das Gewerbe gar profitieren.

Soll es aber eine nachhaltige Lösung sein, braucht es eine ausgestreckte Hand. Andere Städte machen es vor. Bern verlagert Parkplätze in den Untergrund. In Basel wie Bern dürfen Handwerker ihre Gefährte ausserhalb von Parkfeldern abstellen. In Zürich aber will die SP auch die unterirdischen Parkplätze abbauen. Ein trag­fähiger Kompromiss sieht anders aus.

Erstellt: 25.06.2019, 07:27 Uhr

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