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Wird die Pride zu einer zweiten Street Parade?

An der Zurich Pride werden am Samstag mehr Menschen teilnehmen denn je. Das liege an den Heteros, sagt Mitorganisatorin Anne-Sophie Morand.

Die Luzernerin Anne-Sophie Morand sorgt dafür, dass der Zürcher Christopher Street Day politisch bleibt. Foto: Anne-Sophie Morand (Janmaat Fotografie)
Die Luzernerin Anne-Sophie Morand sorgt dafür, dass der Zürcher Christopher Street Day politisch bleibt. Foto: Anne-Sophie Morand (Janmaat Fotografie)

Die Zürcher Pride feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Wie viele Jahre wird es sie noch geben?

Wir machen so lange weiter, bis wir die gleichen Rechte haben wie Heterosexuelle und gesellschaftlich voll akzeptiert sind. Die Pride ist ausserdem eine weltweite Bewegung. In vielen Ländern werden LGBTIQ-Menschen auf brutale Weise unterdrückt. Auch für sie setzen wir uns ein. Die Pride wird es noch lange brauchen.

Dieses Jahr erwarten Sie 50'000 Besucherinnen und Besucher, 25'000 sollen am Umzug mitlaufen. Warum ist das Interesse so gross?

Wir wachsen ständig. So viele Anmeldungen wie heuer hatten wir noch nie. Das liegt vor allem daran, dass unser Festival immer mehr Leute anzieht, die nicht direkt betroffen sind. Eltern von Homosexuellen. Freunde. Oder Menschen, die unser Gratis-­Programm und die positive Stimmung schätzen. Die Pride heisst alle willkommen. Diese Offenheit spricht viele an; auch solche, die noch vor ein paar Jahren niemals an einer solchen Kundgebung teilgenommen hätten.

Droht damit nicht eine Verwässerung? Wird die Pride zu einer zweiten Street Parade?

Ich glaube nicht. Wir feiern und haben zusammen Spass. Aber die Demo als Herzstück der Veranstaltung ist von Grund auf politisch. Wir wollen hinstehen und sichtbar sein. Zum Festivalprogramm gehört eine Politbühne. Auf dieser geht es ausschliesslich um politische Anliegen.

Zum Beispiel?

Es sollte das Normalste von der Welt sein, dass sämtliche Menschen heiraten dürfen, dass die Ehe für alle offensteht. Auch ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung sieht das so. Das zeigen Umfragen. Da hat sich viel getan.

Kürzlich wurden in Zürich und Basel LGBTIQ-Aktivistinnen aggressiv angegangen. Gibt es es auch eine Gegenbewegung?

Leider kommt es auf Schweizer Strassen nach wie vor zu Angriffen auf Schwule, Lesben oder Transmenschen. Auch im Internet leben einige ihre Homophobie wortreich aus. Manche hätten sich das früher, als es noch keine sozialen Medien gab, wohl nicht getraut. Auch daher ist es wichtig, homophobe Hassreden unter Strafe zu stellen.

Wie erklären Sie sich diesen Hass?

Gewisse Leute sind überfordert damit, dass sich die Gesellschaft öffnet. Ich spüre manchmal Angst vor dem Unbekannten.

Kritisiert wird auch die Sprache der Bewegung. Begriffe wie «LGBTIQ», «transgender» oder «nonbinär» seien kompliziert.

Wir bilden eine sehr breite Community. Da ist es schwierig, alle mit einem Wort zu erfassen. Es gibt aber einen lässigen, einfachen Begriff, der die ganze Vielfältigkeit berücksichtigt: «queer». Unter Jungen hat sich das Wort bereits durchgesetzt.

Sie wohnen in Kriens im ländlichen Kanton Luzern, die Pride findet in Zürich statt. Gibt es in der Schweiz einen Stadt-Land-Graben, was Homophobie anbelangt?

In Städten wie Zürich leben viele Schwule und Lesben. Es läuft viel für sie, der Alltag ist anonym. Das macht einiges einfacher. So sind viele meiner queeren Freunde nach Zürich gezogen. Auf dem Land geschieht alles viel diskreter. Man redet eher nicht darüber. Seit kurzem entstehen aber auch in ländlichen Gebieten Treffpunkte für Lesben und Schwule. Das ist eine neue Entwicklung. In meiner Jugend gab es kaum solche Angebote.

Sie sind Nationalratskandidatin der FDP. Die LGBTIQ-Bewegung wird eher als links eingestuft. Ist das ein Vorurteil?

Früher waren es vor allem linke Parteien, die sich um queere Anliegen kümmerten. Aber die FDP hat eine grosse Entwicklung durchgemacht. Das ist auch eine Generationenfrage. Unter den Jungfreisinnigen gilt es als völlig unbestritten, sich für Gleichberechtigung einzusetzen. An der Pride laufen Vertreterinnen und Vertreter fast aller politischen Richtungen mit. Auf der Bühne reden die Grüne Ruth Genner, die SPlerin Corine Mauch oder der Jungfreisinnige Andri Silberschmidt. Vorbehalte kommen höchstens noch aus gewissen Teilen der SVP.

Heute, einen Tag vor der Pride, ist der Frauenstreiktag. Wo liegen die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Anlässen?

Die Pride fordert die Gleichbehandlung aller Menschen – egal, wer und was sie sind. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist ein Unterthema davon. Unser Programm am See haben wir auf den Frauenstreik abgestimmt. Nach den Reden auf dem Helvetiaplatz kommen hoffentlich viele Frauen an die Luca-Hänni- und Pussy-Riot-Konzerte auf dem Sechseläutenplatz.

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