Es drohte ein Flop, doch jetzt steht die Initiative fürs Kongresszentrum

Vor einem Monat fehlte noch die Hälfte der Unterschriften. Jetzt sind genügend beisammen. Das Volk wird über die Nutzung des Standorts Carparkplatz abstimmen.

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Bei Nicole Barandun ist grosse Erleichterung zu verspüren: Es ist geschafft. Die CVP-Politikerin und Präsidentin des städtischen Gewerbeverbands hat in den letzten Wochen mächtig Gas geben müssen, um die Volksinitiative «Neue Arbeitsplätze anstatt Carparkplätze» vors Volk zu bringen. Nun sind bis heute Montag rund 3500 Unterschriften zusammengekommen. 3000 braucht es.

Geplant ist, die Unterschriften am Mittwoch vor der Gemeinderatssitzung einzureichen. Selbstverständlich ist es nicht. Vor einem Monat waren erst 1500 Unterschriften beisammen. Die politischen Parteien waren zuvor vor allem mit Wahlkampf beschäftigt gewesen, erklärt Barandun den harzigen Start nach der Lancierung der Initiative Ende Dezember 2017.

Erschwerend kam dazu, dass zuerst die ETH als Supporterin abgesprungen ist, und dann auch noch die Universität. Zwei Zugpferde, die es sich aufgrund ihrer Mega-Bauprojekte nicht mit der Stadt verderben wollen, die gegenüber der Initiative skeptisch bis ablehnend ist.

PR-Desaster verhindert

Es brauchte einen Sondereffort, räumt Barandun ein. Und lobt nun vor allem die Hoteliers. Diese hätten den Ausschlag gegeben, berichtet sie. Deren Protagonisten seien auf die Strasse gegangen, um das Vorhaben wenigstens vors Volk zu bringen. Noch am vergangenen Samstag wurde an drei Ständen in Witikon, Höngg und Wollishofen gesammelt.

Auch ging es darum, ein PR-Desaster zu verhindern. Immerhin standen alle bürgerlichen Parteien FDP, SVP und CVP sowie zahlreiche Wirtschaftsverbände und Unternehmen hinter dem Anliegen, und als Präsident des Initiativkomitees signiert der frühere SP-Stadtpräsident Elmar Ledergerber.

Ziel der Initiative ist ein privat finanziertes Kongresszentrum neben dem Zürcher Hauptbahnhof. Auf dem Standort des heutigen Carparkplatzes sollen neben diversen Kongressgebäuden zwei Hotels, ein Park und allenfalls Wohnungen entstehen. Es soll maximal 60 Meter in die Höhe gebaut werden. Das Land würde den privaten Investoren von der Stadt im Baurecht abgegeben.

Gegenwind aus der Politik

Die Idee gibt es schon länger, die Geschichte um ein neues Kongresszentrum ist ja schon reich an Kapiteln. Die aufgeschreckte Linke hat im Gemeinderat gar eine Motion durchgesetzt, die auf dem Carparkplatz-Areal so ziemlich alles erlaubt mit Ausnahme eines Kongressshauses. Und bei der Überweisung des Vorstosses war das Parlament noch nicht derart rot-grün dominiert wie heute. Den Mehrheitsparteien schweben eher gemeinnützige Wohnungen in diesem Gebiet vor.

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Das zeigt auch, dass es die Initiative nicht leicht haben wird. Nicole Barandun ist dennoch zuversichtlich. Bei der Unterschriftensammlung auf der Strasse sei den Sammlern zuerst Skepsis entgegengeschlagen. Doch das Argument, dass das Areal lieber einer öffentlichen Nutzung statt privaten Mietern zugute kommen soll, sei fast durchwegs auf Zustimmung gestossen.

«Das Kongresshaus ist kein Kongresszentrum»

Nun werden die Initianten das Stimmvolk zu überzeugen versuchen, dass das Kongresshaus am See, das für viel Geld umgebaut wird, den Ansprüchen von grösseren Kongressakteuren nicht genügt. «Das Kongresshaus ist kein Kongresszentrum», sagt Barandun. Und auch die entstehenden Räumlichkeiten im Circle am Flughafen seien nicht gross genug. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2018, 12:41 Uhr

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