«Bei Fachhochschulen sollte viel genauer hingeschaut werden»

Mangelnde Transparenz in der Hochschullandschaft: Ex-Kantonsrat Ralf Margreiter sagt, wo die grössten Baustellen liegen.

Nachholbedarf bei Fachhochschulen: Die School of Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Nachholbedarf bei Fachhochschulen: Die School of Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Bild: Keystone

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Herr Margreiter, die Universität Zürich schuf ein Register für die Interessenbindungen ihrer Professoren. Sind Sie zufrieden mit dem Resultat?
Der politische Handlungsspielraum ist begrenzt. Insofern bin ich zufrieden. Bis jetzt hatten wir eine einzige Blackbox, nun ist die Transparenzpflicht gesetzlich geregelt. Dies wurde auch dank dem Rektoratswechsel möglich. Als Michael Hengartner vor gut zwei Jahren Andreas Fischer ablöste, brachte er frischen Wind in die Gänge der verstaubten Universität. Die Universität war in gewissen Bereichen etwas abgeschottet von der Öffentlichkeit. Nun wird offener kommuniziert.

Weshalb liegt Ihnen die Transparenz in der Wissenschaft so am Herzen?
Die Professoren sind wichtige Referenzgrössen in der öffentlichen Debatte. Sie besitzen eine hohe Glaubwürdigkeit und tragen zur Meinungsbildung bei. Die Leute gehen davon aus, dass die Professoren nicht interessengeleitete Politik betreiben, sondern erkenntnisorientiert forschen und kommunizieren. Deshalb ist es so wichtig, dass der Bürger weiss, wenn ein Professor allenfalls ökonomische Ziele verfolgt und seine Aussagen deshalb hinterfragt werden sollten.

Die Professoren deklarieren ihre Interessen selbst, nicht alle praktizieren dies mit der gleichen Offenheit. Das verunmöglicht Transparenz.
Ich sehe keine Alternative zur Selbstdeklaration – ähnlich dem Ausfüllen einer Steuererklärung sollten die Professoren ihre Mandate nach bestem Wissen und Gewissen offenlegen. Wichtig ist die externe Kontrolle: Von der Universität und der zuständigen Aufsichtskommission des Kantonsrats erwarte ich, dass sie ein kritisches Auge auf die Angaben der Professoren haben. Das Schaffen eines Interessenregisters ist bloss ein erster Schritt. Dieses darf nicht zum Feigenblatt verkommen, hinter dem sich die Universität versteckt, um damit Transparenz zu suggerieren.

«Es fehlen tatsächlich einflussreiche Interessenbindungen»Ralf Margreiter

Gesponserte Lehrstühle, wie jene der UBS, werden im Register nicht deklariert. Weshalb?
Das finde ich politisch problematisch. Die Deklaration der finanzierten Lehrstühle war ein Kernanliegen bei unseren Bemühungen um mehr Transparenz. Der Universitätsrat ist 2015 von sich aus aktiv geworden. Er verordnete die Deklaration der Drittmittel, die Sponsoringverträge müssen öffentlich gemacht werden, wenn dies verlangt wird. Im Register fehlen die Angaben grösstenteils, während die Professoren auf ihren privaten Websites die gestifteten Lehrstühle durchaus offen deklarieren. Diese Diskrepanz halte ich für fragwürdig.

Professoren müssen einflussreiche Beratungsmandate nicht öffentlich machen, sofern sie zeitlich begrenzt sind. Halten Sie das für richtig?
Als wir das Gesetz erarbeiteten, musste dieser Punkt aus politischen und rechtlichen Gründen fallen gelassen werden. Hier ist das geschützte Berufsgeheimnis – wie das Arzt- oder Anwaltsgeheimnis – ein Hindernis. Ich erachte es nicht für notwendig, dass jedes noch so kleine Mandat offengelegt werden muss. Doch in der Datenbank fehlen tatsächlich einflussreiche Interessenbindungen – etwa aus der privaten Drittmittelforschung. Hier braucht es mehr Transparenz. Dieses Problem zeigt sich nicht nur bei den Universitäten oder der ETH, sondern auch bei den Fachhochschulen, vor allem bei diesen. Sie sind stark von der Privatwirtschaft abhängig, da die Professoren private Mittel für Auftragsforschung einholen müssen – das ist Teil ihres Auftrags. Zurzeit gibt es noch keine Regelung über die Forschung mit privaten Drittmitteln bei den Fachhochschulen.

Sie sind letztes Jahr als Kantonsrat zurückgetreten. Was erwarten Sie von Ihren Nachfolgern? Wo in der Hochschullandschaft muss mehr Transparenz geschaffen werden?
Die Frage der Auftragsforschung ist meiner Meinung nach die drängendste. Was wird geforscht, was sind die Ergebnisse, und nach welchen Kriterien wird veröffentlicht? Das sind Fragen, die dringend offengelegt werden müssen. Geld beeinflusst, in welche Richtung geforscht wird. Es handelt sich um wichtige wissenschaftspolitische Fragen: Wohin entwickeln sich die wissenschaftlichen Disziplinen und weshalb? Welche Professoren werden aus welchen Gründen eingestellt? Das ist der problematische Kern der aktuellen Intransparenz. Meinen Nachfolgern im Kantonsrat bleibt einiges zu tun.

Erstellt: 06.01.2017, 12:45 Uhr

Ralf Margreiter (Grüne) war bis 2016 im Zürcher Kantonsrat. Unter seiner Initiative wurde 2013 der erste parlamentarische Vorstoss zu mehr Transparenz an der Universität Zürich eingereicht. Zwei Jahre später wurde das Universitätsgesetz entsprechend angepasst.

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