Es fehlt das kritische Hinterfragen

Der Direktor des Universitätsspitals Zürich hat sich auf einen Berater eingelassen, der ein Finanzkrimineller ist.

Das Universitätsspital Zürich hat mit einem undurchsichtigen Berater Geschäfte gemacht. Foto: Nicolas Aebi

Das Universitätsspital Zürich hat mit einem undurchsichtigen Berater Geschäfte gemacht. Foto: Nicolas Aebi

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Unispital-CEO Gregor Zünd und der fragwürdige Geschäftsmann, von dem er sich beraten liess, haben etwas gemeinsam: Beide sind Machertypen. Für den Direktor eines der grössten Spitäler der Schweiz ist das durchaus eine positive Eigenschaft. Es braucht Entscheidungsfreude und Durchsetzungsvermögen, um ein Universitätsspital zu führen, dessen Organisation hochkomplex ist und in dem viele Experten mitreden.

Zu den Eigenschaften, die eine Führungsperson auszeichnen, gehört aber auch das kritische Hinterfragen. Und daran mangelt es dem Unispital-Direktor offensichtlich. Wenn einer daherkommt und einfach mal salopp sagt, die Kosten der IT liessen sich deutlich reduzieren, dann sollte das stutzig machen. Nicht so Zünd – er fiel auf den grossspurigen Berater herein. Es wurde nicht abgeklärt, wer dieser Mann ist. So blieb unentdeckt, dass er an illegalen Finanzgeschäften beteiligt war und eine Untersuchung gegen ihn lief. Im Unispital konnte er derweil bei grossen IT- und Immobilien­geschäften mitwirken. Ob dies negative Konsequenzen für das Spital hat, wird sich zeigen. Die Verlagerung der 600 Büroarbeitsplätze nach Stettbach, die der Berater vorgeschlagen hatte und für die sich Zünd starkmachte, ist inhaltlich vertretbar. Beim Informatikprojekt sind hingegen Zweifel angebracht: Die beschlossene Dezentralisierung der IT läuft dem Trend entgegen. Dass sie weniger kosten wird als eine zentrale Organisation, ist zweifelhaft. Sie könnte sich als teurer Schnellschuss des CEO erweisen.

Gregor Zünd zeigt sich hier nicht zum ersten Mal als unkritischer Macher. Dass er seine Führungsrolle wenig sensibel ausübt, belegt auch der Entscheid, sich in den Aufsichtsrat des deutschen Medizinalkonzerns Fresenius wählen zu lassen. Ein Job, der mit 88000 Euro pro Jahr honoriert wird. Dass Zünd die Hälfte an die Unispital-Stiftung abgibt, macht die Sache kaum besser. Ebenso, dass der Spitalrat das Mandat abgesegnet hat. Vom Aufsichtsorgan wäre mehr Gefühl für korrekte Unternehmensführung zu erwarten. Doch auch dort sitzt mit Martin Waser ein Macher an der Spitze.

Erstellt: 06.12.2019, 06:25 Uhr

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