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«Es hagelte Morddrohungen»

Er stand im Zentrum des grössten Shitstorms, den die Schweiz in den letzten Jahren erlebt hatte. Jetzt gab Hansueli Gürber ein Interview zum Fall Carlos.

Ist seit September pensioniert: Hansueli Gürber. (Archivbild: TA / 19. September 2006)
Ist seit September pensioniert: Hansueli Gürber. (Archivbild: TA / 19. September 2006)

Hansueli Gürber, leitender Jugendanwalt im Fall des Jugendstraftäters Carlos, gab sein ersten Zeitungsinterview nach der Affäre. Seit September ist der 63-Jährige pensioniert. Er erinnere sich «noch sehr gut» an den Tag, an dem der «Blick» mit dem Titel «Sozial-Wahn» erschien, sagt Gürber der «SonntagsZeitung».

«Ab acht Uhr waren bei uns in der Jugendanwaltschaft die Telefonleitungen offen. Von da an hagelte es Morddrohungen und die wüstesten Beschimpfungen.» Auf der Strasse sei er nie angepöbelt worden, «aber angesprochen». «Die Anrufe zu Hause, das war schon eklig, weil es meine Familie hineinzog», so der fünffache Vater.

«Die Toleranz ist zurückgegangen»

Der Jugendanwalt, der drei Jahrzehnte mit Problemjugendlichen zu tun hatte, beklagt, dass die Gesellschaft zunehmend intolerant wird. «Und die Medien sind der Spiegel einer Gesellschaft, die immer mehr moralisiert und nach der Polizei ruft.» Das hätte «verheerende» Konsequenzen: «Ich stelle eine grosse Angst fest. Das ist das Schlimmste, was ein Teil der Medien bewirkt hat: Heute haben alle Beteiligten Panik, einen Fehler zu begehen.» Er stelle diese Angst auf allen Ebenen im Strafrecht fest: «Bei der Untersuchung, bei der psychiatrischen Begutachtung, beim Urteil und im Vollzug. Man hat stets im Auge, was mit einem passiert, wenn etwas schief läuft.»

Gegenüber seinen damaligen Vorgesetzten, Justizdirektor Martin Graf und Oberjugendanwalt Marcel Riesen, die ihn öffentlich fallen liessen, empfindet er keine Wut: «Darum ging es mir nie», sagt Gürber. «Ich hätte gern mit ihnen zusammen erklärt und belegt, wie sinnvoll unser Jugendstrafrecht ist. Sie wählten einen anderen Weg.»

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