Es tut weh, aber die Zeit von Manor ist abgelaufen

Der Konsumtempel des Mittelstands muss die Bahnhofstrasse verlassen. Hinter dem Aus steht der unerhörte Erfolg der Luxus- und Touristenmeile.

Ende Januar ist Schluss: Nach jahrelangem Rechtsstreit zieht Manor von der Bahnhofstrasse weg. Foto: Keystone

Ende Januar ist Schluss: Nach jahrelangem Rechtsstreit zieht Manor von der Bahnhofstrasse weg. Foto: Keystone

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Es werden sich wohl Schlangen vor seinen Glastüren bilden, wenn im Januar der Schlussverkauf beginnt. Und es wird Wehmut aufkommen, wenn zum letzten Mal seine Storen herunterrasseln. Aber «de Manor», der Konsumtempel des Mittelstands, existierte an der Bahnhofstrasse 75 unter derart schwierigen Bedingungen, dass ein Ende unausweichlich schien – und der Rechtsstreit mit Swiss Life nur eine lebensverlängernde Massnahme. Drei Gründe stechen ins Auge: das Internet, der Immo-Markt und das eigene verstaubte Image.

Erstens: Der Einzelhandel verschwindet langsam ins Internet – Jeans kaufen wir bei Zalando, Literatur bei Amazon. Die Angebotspalette eines Warenhauses wie Manor wird von digitalen Konkurrenten, die in ihrem Gebiet jeweils Spezialisten sind, förmlich zerfleddert. Die Marke Manor hat – zweitens –nicht mehr die Strahlkraft von früher. Viele Zürcherinnen und Zürcher mögen Erinnerungen an verplemperte Nachmittage im Warenhaus haben; das junge Publikum macht heute dieselben Erfahrungen bei H&M, Zara, Mango, FootLocker.

Im Detailhandel gibt es, drittens, eine Umsatzgrenze. Mit Zahnbürsten und Unterhosen lassen sich pro Quadratmeter weniger Verdienste erzielen als mit Platin-Uhren oder Apple-Watches. Wenn nun die Nachfrage nach Mietfläche über Jahrzehnte so stark steigt, dann muss sich der Detailhändler vor der Luxusmarke aus dem Wettrennen verabschieden.

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Dass es dieses Rennen überhaupt gibt, ist der internationalen Ausstrahlung der Bahnhofstrasse geschuldet – an der auch die Stadt und Zürich Tourismus über die Jahre fleissig mitgearbeitet haben. Letztlich steht hinter dem Manor-Ende der unerhörte Erfolg der Strasse als Luxus- und Touristenmeile.

Erstellt: 23.09.2019, 17:27 Uhr

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