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Es war einmal die Rosengartenstrasse

Bevor sie zum Verkehrsmoloch wurde, war die Zürcher Rosengartenstrasse idyllisch – und hatte ein Tram.

Der alte Dorfkern Wipkingens mit der Rosengartenstrasse von oben herab fotografiert (vor 1910). Hinten die Schlote des Industriequartiers hinter dem Escher-Wyss-Platz.
Der alte Dorfkern Wipkingens mit der Rosengartenstrasse von oben herab fotografiert (vor 1910). Hinten die Schlote des Industriequartiers hinter dem Escher-Wyss-Platz.
PD
Das 1872 eingeweihte Schulhaus Rosengarten. (Foto ca. 1910)
Das 1872 eingeweihte Schulhaus Rosengarten. (Foto ca. 1910)
PD
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
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Das Namen gebende Haus markierte den Anfang der Leidensgeschichte der Rosengartenstrasse. Das stattliche Bauernhaus zum Rosengarten an der Nummer 44 wurde 1927 abgerissen und durch eine neue, grössere Häuserzeile ersetzt. Die Rosengartenstrasse war damals noch ein kleines, kurviges Strässchen, seit über 50 Jahren bestehend. Es führte mitten durch den damaligen Dorfkern von Wipkingen zur Wipkingerbrücke. Diese wurde 1872 als erster Übergang über den Fluss gebaut, gleichzeitig wie das erste Schulhaus, das auf dem Land des heutigen Turnhallengebäudes an der Rosengartenstrasse stand. 1893 wurde das Dorf in die Stadt Zürich eingemeindet.

Doch mit dem Aufschwung von Zürich zum Industriestandort und den immer zahlreicheren Automobilen auf den Strassen war die Rosengartenstrasse dem Verkehr bald nicht mehr gewachsen. Die Strasse sollte fortan auch den Verkehr an der Innenstadt vorbeiführen. Deshalb wurde die Strasse 1933 begradigt und verbreitert. Der Abstand von damals zwanzig Metern besteht noch heute, nur war die Strasse damals drei- statt vierspurig. Zehn Häuser mussten damals abgebrochen werden.

Damit veränderte sich auch das Quartier. Statt Bauern wohnten in den einfachen Häusern entlang der Strasse vor allem einfache Facharbeiter und Büroangestellte. Die Alteingesessenen vermissten den ursprünglichen Charakter des Ortes.

«Ich bi letzthi durs einstig Dörfli gange,O weh, wie vieles, vieles ist vergange. Ein grüene Blätz muess um der ander schwinde, Du chast die wäger niime z’rächt meh finde.Die alte Hüser werdet zämegrisseUnd Wulchechratzer wachsed det wie Nisse. Ganz Strassezüg tüends däwäg betoniere. Ob’s heimlig sei, ob gsund? Es muess rentiere. Und schöni Gärtli vor em Hus? Chast danke! Die Tb’ff und Auto bruchet Platz zum ranke. Du gsehtst kei Fraue binenand meh stah, Wo’s früehner gmüetlihänd en Schwätz abglah, Denn uf em Trottoir bis au nüd gfeit, Weisst nie, wenn i e Schib’ dich s’ Auto geheit.» (Quelle: Eine Strasse wird begradigt; Christine Kölble / E. H. Kleinen 1930

Der Weg zur «Pesttangente»

Anfang der 1960er-Jahre begann auf Bundesebene die Planung des Autobahnnetzes. Die Ypsilon-Idee wurde dabei weiterentwickelt. Der Westast wäre auf Wipkinger Boden als Hochstrasse dem Limmatufer entlanggeführt worden. Da diese Idee auf Widerstand stiess und sich deren Umsetzung verzögerte, musste eine Alternative gefunden werden: die Rosengartenstrasse. Sie sollte als Provisorium zur Westtangente ausgebaut werden. 1965 wurde die Wipkingerbrücke doppelstöckig ausgebaut, 1968 die Rosengartenstrasse auf vier Spuren. 1970 wurde der Ausbau der Hardbrücke in Angriff genommen.

Schon bald nach der Eröffnung der Westtangente 1972 war die Bevölkerung Wipkingens empört. Mit so viel Verkehr hatten sie nicht gerechnet. Schon damals pochte man auf Lärm- und Schadstoffmessungen sowie auf einen Ersatz des einstigen Dorfzentrums am Wipkingerplatz. Im Volksmund wurde der Streckenabschnitt nur noch «Pesttangente» genannt.

Eine Verbindung für die wachsende Bevölkerung

Ein Tram, wie es nun Kanton und Stadt Zürich planen, verkehrte auf der Rosengartenstrasse schon einmal. 1908 wurde die Linie 4 vom Wipkingerplatz über den untersten Teil der Rosengartenstrasse und über die Röschibachstrasse bis zur Nordbrücke geführt. Die Stadt befand sich damals auch schon explosionsartig im Wachstum, ganz besonders in den Aussenquartieren wie Wipkingen. Da damals zwar schon eine Bahnlinie durch Wipkingen führte, das Quartier aber keine Haltestelle hatte, verband die Tramlinie die Bevölkerung direkt mit dem Stadtzentrum.

Am 30. März 1964 wendet das letzte Tram am Röschibachplatz. Seit 1932 halten die Züge auf der Strecke nach Winterthur auch in Wipkingen, nachdem sie 75 Jahre lang nur vorbeigebraust waren. Auch eine Buslinie über die Röschibach- und Rotbuchstrasse gab es seit 1927, und 1954 wurde der 71er, der Vorgänger des 46ers, als Schnellverbindung vom Hauptbahnhof über die Nordbrücke nach Höngg eingeführt.

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