ETH leitet Untersuchung gegen Professorin ein

Eine Professorin für Astronomie soll ihre Doktoranden jahrelang schikaniert haben. Nachdem die ETH das Institut geschlossen hat, werden weitere Schritte eingeleitet.

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Zuletzt ging ein Ruck durch die ETH Zürich: Quasi über Nacht wurde das Institut für Astronomie geschlossen, Professoren wurden in ein Sabbatical geschickt und Doktoranden neuen Betreuern zugeteilt. Der Grund liegt bei einer Professorin, die ihre Doktoranden zehn Jahre lang schikaniert haben soll. Die «NZZ am Sonntag» berichtete als Erste über den Fall.

Nachdem sie das Institut stilllegte, geht die ETH Schulleitung noch einen Schritt weiter: Heute gab sie bekannt, dass sie eine Administrativuntersuchung einleitet. Damit möchte die Hochschule die Verhältnisse am Institut vertieft analysieren. «Die formelle Administrativuntersuchung erlaubt uns, noch genauer hinzuschauen und zu entscheiden, ob noch weitere Massnahmen getroffen werden sollen», sagt ETH-Präsident Lino Guzzella.

«Übermenschlicher Einsatz» gefordert

Die ETH-Leitung wurde im Februar über die Missstände informiert. Im darauffolgenden Monat handelte sie und teilte Doktorierende – auf deren Wunsch – anderen Betreuungspersonen zu. Trotz der Massnahme erntete die ETH Kritik für ihr Vorgehen, intern schlug der Fall hohe Wellen. Viele goutierten nicht, dass die Professorin an die Hochschule zurückkehren kann – vor allem, weil sie unter Auflagen auch weiter Doktoranden betreuen kann.

Im Fokus der aktuellen Untersuchung liegt auch der Partner der Professorin – ein britischer Professor, der das Institut 2002 gründete. Gemeinsam hatten sie das Institut aufgebaut. Dabei habe sich der Umgang der Professorin mit Mitarbeitern und Untergebenen als äusserst schwierig gestaltet. Frauen forderte sie auf, weniger Zeit für die Schminke zu verwenden und sich mehr um die Forschung zu kümmern. Auch gewährte die Professorin kaum Ferien und erwartete ständige Erreichbarkeit – auch am Wochenende. «Sie hat alles bis aufs Kleinste kontrolliert, war misstrauisch und verlangte übermenschlichen Einsatz», sagte ein ehemaliger Doktorand.

Sitzungen setzte die Professorin spätabends an und nicht selten dauerten sie bis nach Mitternacht an. Oft stand dabei nicht die Forschung im Mittelpunkt. Vielmehr wurde dabei Zwischenmenschliches diskutiert. «Schon eine vermeintlich falsche Körperhaltung ihr gegenüber konnte zu langen Diskussionen führen», sagt eine ehemalige Postdoktorandin.

Erst als sich eine junge Doktorandin gegen die Praktiken der Professorin auflehnte und sich bei der Leitung beschwerte, hatte die ETH reagiert. Der ETH-Präsident Lino Guzzella wollte offenbar dafür sorgen, dass die Situation schnellst möglich bereinigt wird und keine grossen Wellen wirft. Die Professorin wollte sich bis heute nicht zu den Vorgängen äussern. (mrs)

Erstellt: 25.10.2017, 17:06 Uhr

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