Ex-CIA-Chef spricht trotzdem in Zürich

Wegen Sicherheitsbedenken wurde David Petraeus’ öffentlicher Vortrag an der ETH abgesagt. Nun tritt er doch auf.

Doch ein Auftritt in Zürich: Der ehemalige US-General David Petraeus.

Doch ein Auftritt in Zürich: Der ehemalige US-General David Petraeus. Bild: Keystone

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Eigentlich hätte der ehemalige CIA-Chef und einstige Superstar der US-Armee, David Petraeus, an der ETH Zürich einen öffentlichen Vortrag halten sollen. Das passte der linken Studentengruppierung «Uni von unten» nicht. Sie rief zum Protest und zu Aktionen gegen Petraeus am Veranstaltungstag auf.

Weil es in der Vergangenheit wiederholt zu Tumulten kam, wenn «Uni von unten» gegen Vorträge an Uni oder ETH zu Demos aufrief, zog die ETH die Notbremse. Wegen Sicherheitsbedenken entschloss sie sich, ihre Räume für den vom Schweizerischen Institut für Auslandsforschung (SIAF) organisierten Vortrag nicht zur Verfügung zu stellen. Das SIAF, ein an der Universität Zürich assoziiertes Institut, sagte daraufhin die Veranstaltung ab und verurteilte den Aufruf der «militant linken Gruppierung».

Morgen Freitag tritt der ehemalige Viersterngeneral Petraeus trotzdem in Zürich auf. Allerdings nicht öffentlich. Der einstige Oberbefehlshaber der US-Armee im Irak und in Afghanistan spricht an der N-Conference im Park Hotel Hyatt, einer Verhandlungskonferenz, organisiert vom Zürcher Schranner Negotiation Institute. Das Thema: «How to Lead a Team During War or Crisis».

Berühmter Verhandler

Die Konferenz hat heute Donnerstagmorgen begonnen, dauert zwei Tage, und die Teilnahme pro Tag kostet 980 Franken. Sie endet mit Petraeus’ Vortrag und ist mit jenem von Matthias Schranner gestartet. Schranner ist CEO und Namensgeber der Beratungsfirma, die Petraeus eingeladen hat – bereits vor den Wirrungen um den Vortrag an der ETH, die das Unternehmen nicht kommentieren möchte.

Schranner gehört zu den bekanntesten Verhandlungsführern Europas. Er hat für die deutsche Bundesregierung bei Geiselnahmen und Entführungen verhandelt und beriet bereits die UNO, Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Gewerkschaften. «Und wenn eine schwer reiche Frau anruft und fragt, ob er ihr bei der Scheidungsverhandlung mit ihrem Gatten helfen könne», schrieb die «Zeit» in einem Porträt über Schranner, «dann macht er auch das.»

Weshalb er Petraeus an die Konferenz eingeladen hat, begründet Schranner in einer Broschüre mit der «einzigartigen Erfahrung» bei der Auswahl und beim Kontrollieren von Teams, die er als Oberbefehlshaber und CIA-Direktor gesammelt habe.

«Uni von unten» weiss vom Vortrag

Dass Petraeus heute wieder ein gefragter Mann ist und sogar als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Aussenministers in Donald Trumps Kabinett gehandelt wurde, ist erstaunlich. Denn sein Karriereende war abrupt. Nachdem er 2011 von Barack Obama zum CIA-Direktor ernannt wurde, trat er bereits 2012 wieder von seinem Amt zurück. Medien machten eine aussereheliche Affäre mit seiner Biografin publik, welcher er Staatsgeheimnisse anvertraut hatte. Ein Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von 100’000 Dollar.

Auch «Uni von unten» hat bemerkt, dass Petraeus in Zürich auftritt, wie die Gruppe in einem Blogpost schreibt. Zu einem neuerlichen Protest ruft sie allerdings nicht auf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2017, 12:09 Uhr

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